fkAS hat geschrieben:Murks... nu ja, sie messen letztlich wie das RKI auch nur die Zahl der positiv getesteten, nicht die tatsächlich Infizierten. Insofern unterscheiden sie sich nicht im Murksgrad. Richtig ist, dass man die Zahlen nicht so interpretieren darf als ob das die tatsächliche Zahl der Infizierten wäre.
Aus 2 Gründen halte ich das Wort "Murks" noch für eine freundliche Umschreibung:
1. Jemand der an diese Zahlen glaubt - zum Beispiel weil die Tagesschau diese ohne weitere Kommentierung kolportiert - schätzt das Risiko sich anzustecken falsch ein. In Berlin haben wir jetzt glaube ich 1.200 Fälle laut RKI. Tatsächlich kennt die Zahl keiner, die Ausbreitungssimulationen zeigen jedoch, dass man in Deutschland mindestens von einem Faktor 5 ausgehen muss. Also müsste jemand, der sein Risiko abschätzen will, sich beim Einkauf im Supermarkt anzustecken, nicht mit 1.200 Fällen in ganz Berlin rechnen, sondern mit mindestens 6.000. Als Information für den Bürger ist die naive Nennung der 1.200 "offiziell" Infizierten deshalb mindestens Murks. Ich muss als Bürger eine Einschätzung vornehmen können, wie viele Menschen da draußen rumlaufen, die mich anstecken könnten. Darüber Falschangaben zu machen, die mehrere 100% von der Realität weg sind, ist grob fahrlässig.
2. Durch die viel zu gering angegebene Anzahl Infizierter kursieren ständig Diskussionen darüber, "warum es in Italien so schlimm sei". Dabei weiß das gar niemand sicher. In Italien könnte es bis zu 20mal mehr Infizierte geben, als die Johns-Hopkins suggeriert. Den leichtgläubigen Menschen wird über solche Murkszahlen ein Bild enormer Sterblichkeit suggeriert. Damit schafft man (auch disziplinierend gewollt) Panik. Diese Panik wird nicht nur irgendwann mit allen Folgen entlarvt werden, sondern sie hindert im Moment auch politische Verantwortungsträger, bessere Maßnahmen durchzusetzen, welche letztlich auf eine kontrolliert herbeigeführte Herdenimmunität hinauslaufen müssen.
fkAS hat geschrieben:Ob jetzt die deutschen Zahlen tatsächlich ne leichte Entspannung ankündigen, müsste das RKI aber einschätzen können, weil sie ja auch wissen, wie sich die Teststrategie entwickelt hat.
Nein, kann das RKI nicht. Denn einige wenige Krankenhäuser halten sich noch an die RKI-Vorgaben, andere Krankenhäuser testen anders, weil sie keine Testkapazitäten entsprechend der RKI-Empfehlungen haben.
fkAS hat geschrieben:Bislang haben die Testkapazitäten immer zugenommen. Wenn man trotz Zunahme weniger Infizierte hat, spricht das schon auch dafür, dass es weniger Infizierte gibt. Ist aber ohne zusätzliche Infos nicht zu beurteilen.
Wir haben noch vor 2 Wochen vornehmlich Patienten getestet, in eigens kurzfristig dafür eingerichteten Testzentren. Wir können aktuell 700 Tests pro Tag durchführen. Mit Beginn der Woche testen wir jetzt aber hauptsächlich unser Ärzte- und Pflegepersonal, welche unmittelbar gefährdet sind. Das heißt, die betroffenen Personen müssen zu Dienstende einen Abstrich machen lassen und am nächsten Morgen in ihren E-Mails nachlesen, ob sie negativ sind und zur Arbeit kommen dürfen, oder ob sie positiv sind und zu Hause bleiben müssen.
Durch diese strategische Umorientierung, testen wir hier kaum noch die Bevölkerung auf Corona. Natürlich hat das sofort Konsequenzen auf die Zahlen die wir dem RKI melden können. Der Bias, der eh schon groß war - getestet wurden nur Patienten die Symptome hatten - wird nun noch deutlich größer. Damit ist das Meldesystem an sich nicht mehr aussagekräftig!