vivafernanda hat geschrieben:@ Airwin und Frank:
Ich komme nicht umhin: Die Immunisierung der Bevölkerung ist natürlich genau das, was man erreichen will und das einzige ist, was auf Dauer hilft.
Aber immer wenn ich etwas darüber lese, WIE man dahin kommen könnte, außer durch derzeit noch nicht durchführbare Impfungen, kommt mir das sehr theoretisch vor.
„ Gelenkt, gut ärztlich begleitet,“... klingt super. Aber wie?
Werden die Leute dann von Infizierten angehustet, falls sie sich anstecken, was ja bis zu 14 Tage dauern kann, bis man es weiß, sind sie und ihre Familie in Quarantäne, dann sind sie krank, leicht oder schwer, die Familie mit, dann wieder gesund und fröhlich?
Und falls nicht, werden sie nochmals angehustet? Oder injiziert man das Virus, damit die Ansteckung sicher klappt? Wie gefährlich ist das dann?
Und wir sprechen hier von vielen Millionen Menschen allein in Deutschland, die für dieses Experiment infrage kämen. Experiment: eine gelenkte Immunisierung gab es noch nie.
Könnte es sein, dass das mittelalterliche Einsperren kombiniert mit einer eigenhändig heraufbeschworenen Weltwirtschaftskrise deshalb gewagt wird, weil man hier schnell Folgen erkennen kann?
Ich weiß, Frank plädiert für ein Einsperren der Hochrisikogruppen, die dann noch genauer zu identifizieren wären und die Herde latscht draußen rum und wird mehr oder weniger schnell und schwer krank.
Das wäre jedenfalls machbar, aber ob man es jetzt noch verkaufen kann? Die Bevölkerung ist erfolgreich sensibilisiert. Massenansammlungen werden nicht mehr toleriert. S. Rufus, der sogar auf alte Fernsehbilder entsprechend reagiert.
Liebe Lissy,
also eine "gelenkte Immunisierung" halte ich für ethisch kaum vertretbar. Dafür bekäme man also kein Ethikvotum.
Ich würde eine selektive Isolierung als Maßnahme richtig finden. Ich hatte das ja neulich schon erwähnt und Du hattest geantwortet, dass Du Dir nicht vorstellen könntest, Pfleger würden sich freiwillig in Pflegeheimen mitisolieren lassen....
Die Risikogruppen bestehen ja grundsätzlich aus Menschen mit und ohne Pflegebedarf. Die Schwierigkeit einer selektiven Isolation besteht sehr offensichtlich darin, die Pflegebedürftigen zu isolieren. Hier hatte ich ja schon erwähnt, dass das nur gelingen kann, wenn man das Pflegepersonal mit isoliert.
Was ich mir vorstellen könnte, dass es klappen würde:
Die Hotels sind ja gerade komplett leer, weil keinerlei Tourismus mehr funktioniert. Der Staat mietet Hotelkomplexe samt Mitarbeiter in toto an, zur Isolation des Pflegepersonals. Die wohnen dann also im Hotel (ganz nobel

). Man wird wohl nicht umhinkommen Teile des Hotelpersonals dann mit zu isolieren.
Das Pflegepersonal soll dafür deutlich mehr Geld bekommen. Also wenn die jetzt so zwischen 2.500 und 3.000 € Brutto verdienen, würde ich Freiwilligen

so 8.000 € anbieten. Allerdings würde ich dann auch verlangen, dass sie 7 Tage die Woche arbeiten. Die "erste Schicht" müsste das 3-4 Wochen durchhalten. Ich vermute, das wäre sehr gut machbar. Wenn die Schulen wieder geöffnet sind, wird sich das Virus wieder zügiger ausbreiten. Nach diesen 3-4 Wochen dürften sogar schon erste andere Pflegekräfte existieren, die bereits immun gegen Covid 19 sind. Aber wahrscheinlich müsste man mit einer zweiten Schicht noch eine Runde der selektiven Isolation fahren, bei der auch die Pflegekräfte komplett isoliert sind. Ebenfalls wieder 3-4 Wochen. Spätestens dannach aber, sollte das Problem gegessen sein.
Die Risikogruppen selbst, müsste natürlich noch mindestens 6 Monate in Isolation verbringen, während man parallel monitoriert, wann die Populations-Immunität erreicht ist.
Von allem was man bisher weiß, dürfte unser Gesundheitssystem -
welches ja jetzt tatsächlich massiv aufgebohrt wurde! - mit dieser Taktik problemlos umgehen können. Natürlich würden auch Patienten die keiner Risikogruppe angehören schwerer krank werden, einige müssten auch beatmet werden, und ja, einige würden wohl auch sterben. Aber der Gesamtschaden wäre in der Summe wohl deutlich geringer, als man es bei der jetzigen Strategie vermuten muss.