28667 Beiträge

Cantona
https://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/st ... EPC%253Ds6

Meine Rede... einfach Wahnsinn.

ABWICKLUNGSPROBLEME VON FIRMEN„Steuersenkung zum 1. Juli ist Irrsinn“

VON STEFANIE DIEMAND, BERND FREYTAG, GEORG GIERSBERG UND MANFRED SCHÄFERS

AKTUALISIERT AM 06.06.2020

 - 09:40

Kern des Konjunkturpakets ist die befristete Senkung der Mehrwertsteuer. Der Starttermin in wenigen Wochen stellt die Wirtschaft jedoch vor hohe Hürden. Denn die Kataloge sind gedruckt und SAP-Experten nicht zu bekommen.

BEITRAG TEILENMERKEN

Der überraschendste Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung war die Reduzierung der Mehrwertsteuer für sechs Monate. Seit dies am Donnerstag bekannt wurde, laufen bei Steuerberatern die Telefone heiß, in Unternehmen schwitzen Finanz- und IT-Abteilungen, spontan gebildete Projektteams nehmen ihre Arbeit auf, die Nachfrage nach SAP-Programmierern steigt sprunghaft. Der Präsident des Steuerberaterverbands, Harald Elster, fasst zusammen, was alle Beteiligten in den Unternehmen und Verbänden eint: „Eine Absenkung der Umsatzsteuersätze vom 1. Juli an ist absoluter Irrsinn

Zu unserem schoenen Fallbeispiel neulich, im folgenden ein weiterer Fall:

Projektlaufzeit 2018 bis 12/2020, Schlussrechnung in 12/2020 mit 16% umsatzsteuer, abschlagsrechnung bis 06/20 mit 19%. Im unguenstigsten Fall, wenn die Differenz zwischen schlussrechnungsbetrag und Abschlagszahlungen geringer als die zuviel abgerechnete umsatzsteuer bis 06/20 ist, muesste der Auftragnehmer die Differenz an den Auftraggeber erstatten und haette einen kurzfristig negativen Effekt auf die Liquiditaet (kohle holt er sich dann beim Finanzamt ueber Umsatzsteuervoranmeldung zurueck, dauert aber ca. 2 monate). Um diesen bloedsinn zu umgehen, koennte der Auftragnehmer die schlussrechnung erst im Januar 2021 stellen, was wiederum einen Effekt auf Umsatz und Gewinnrealisierung im Jahr 2020 haette (und somit auf zu zahlende koerperschafsteuer in 2020, auschuettungen in 2020, etc etc etc.).

Bin mir mit obigen Beispiel noch nicht ganz sicher, ob es sich wirklich so verhaelt, falls jemand mehr weiss, sehr gerne.

Plan B
Grasdaggl
Achje, jetzt haben die SAP-Berater mehr zu tun? Dia armen.
Weisst Du, ich arbeite in der Branche. Da gibt es ganz viel mehr als eine kurzfristige Steuersenkung, die Arbeit aufgrund Corona hat.
Für Italien gibt es nämlich auch sowas. Schutzmasken haben ab jetzt (oder ggf. 1.7) 0% VAT. Oder mal ganz kurzfristige Produktionsverlagerungsprozesse einzustellen, weil in gewissen Regionen nicht mehr produziert werden darf, nicht in Deutschland, aber anderswo.
Aber vermutlich ist auch da die SPD schuld.

Wenn Hass blendet.
Carpe diem.

Tifferette
Benutzeravatar
Grasdaggl
Die Kataloge sind schon gedruckt, OH MEIN GOTT!!!!!! WAS MACHEN WIR DENN DA?!?!?

Meine Güte, entweder man belässt es bis zum nächsten Katalog halt bei den Bruttopreisen oder man rechnet mit der niedrigeren Steuer. Wo ist das große Problem?
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)

CoachingZone
Halbdaggl
Klar - direkte Geldgeschenke nimmt man natürlich immer lieber - aber manchmal ist das Leben eben kein Wunschkonzert...

Und ja, wenn der Staat schon massiv Schulden macht und auf Einnahmen verzichtet, um eine schwere Krise abzufedern, dann ist es schon sinnvoll, das Geld insbesondere in zukunftsträchtige Branchen zu investieren. Auch weil jetzt (wann dann?) ein guter Moment gekommen ist, um die Wirtschaft klimaverträglicher umzubauen. Klar, dass das manchen Branchen nicht passt. Aber als Bürger eines Landes erwarte ich das sogar von meiner Regierung :!:


Und Jammern sollte im übrigen gelernt sein, sonst wird es peinlich: Als ob die Kataloge in Zeiten des Internets das Allein-Seligmachende sind...
Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.

- Charles Maurice de Talleyrand -

Cantona
"Da gibt es ganz viel mehr als eine kurzfristige Steuersenkung,"

Dann erzaehl' doch mal konkret:
wie geht man mit oben stehendem Beispiel um, wenn du vom Fach bist und weisst, was Sache ist.

Cantona
@CZ: na irgendwie muss die Automobilindustrie den erzwungenen Transformationsprozess finanzieren; und das geht aktuell jedenfalls nicht mit dem Verkauf von Elektroschrottkarren. Wie rentabel ist Tesla?

Unter Westfalen
Benutzeravatar
Grasdaggl
Vielleicht könnten ja Piech, Porsche, Quandt & Co
ein paar Millionen wieder zurückgeben.
Als Vorbild für die zahlungspflichtigen Nichtanteilseigner.
Für eine freie und selbstbestimmte Ukraine.

Unter Westfalen
Benutzeravatar
Grasdaggl
Bin mir mit obigen Beispiel noch nicht ganz sicher, ob es sich wirklich so verhaelt, falls jemand mehr weiss, sehr gerne.


Warum sollen wir denn Deine Arbeit machen?
Du willst doch was beweisen.
Für eine freie und selbstbestimmte Ukraine.



Plan B
Grasdaggl
Cantona hat geschrieben:"Da gibt es ganz viel mehr als eine kurzfristige Steuersenkung,"

Dann erzaehl' doch mal konkret:
wie geht man mit oben stehendem Beispiel um, wenn du vom Fach bist und weisst, was Sache ist.

Danach kam ein Beispiel,was man alles so am SAP einrichten muss. Lesen hilft:
Ich schreib von Produktionsverlagerungen einrichten.

Noch ein paar Beispiele:
Produktionsanpassungen (Produktpaletten) einrichten.
Einstellungen für Kurzarbeit
Neue Schichtmodelle
Erweiterte Arbeitsschutzmassnahmen enrichten

Wie man mit dem obigen Beispiel umgeht. SAP als Lieferant ist da gefordert, eine Lösung zu präsentieren, die man dann in sein eigenes System einspielt. Die haben mehrere 10000 Mitarbeiter weltweit, das kriegen das schon hin. Das ist für die tägliches Brot.
Allerdings bin ich im SAP nicht im Finanzumfeld tätig, deswegen kann ich Dir auch nicht sagen, was das für uns konkret bedeutet. Aber graue Haare kriegt da keiner.
Carpe diem.

Cantona
Dass man das technisch hinkriegt, ist keine frage. Die frage ist: wie koennen negative Effekte durch die temporaere Umsatzsteuersenkung vermieden und ggfs. positive Effekte erzielt werden. Das, was in obigen Beispiel moeglicherweise positiv fuer den Auftraggeber ist, ist moeglicherweise negativ fuer den Auftragnehmer und umgekehrt. Das sind doch die interessanten Fragestellungen, jedenfalls aus meiner Sicht.

So zu tun, alles ist supereasy und alles null problemo, finde ich irgendwie seltsam.
Zuletzt geändert von Cantona am 6. Juni 2020 15:37, insgesamt 2-mal geändert.

Cantona
@Uwe: paar Milliarden an Personalkosten gibt's in der Automobilindustrie auch noch zu stemmen. Sozialversicherungsbeitraege und Steuern werden auch bezahlt. Dass man das komplett ausblendet, mit dem Hinweis auf Vorstandsgehaelter und Ausschuettungen an Anteilseigner, kapiere ich nicht. Sorry, ist mir zu hoch.

Balbriggan
Granadaseggl
Cantona hat geschrieben:@Uwe: paar Milliarden an Personalkosten gibt's in der Automobilindustrie auch noch zu stemmen. Sozialversicherungsbeitraege und Steuern werden auch bezahlt. Dass man das komplett ausblendet, mit dem Hinweis auf Vorstandsgehaelter und Ausschuettungen an Anteilseigner, kapiere ich nicht. Sorry, ist mir zu hoch.

Mir auch. Ich war mal beruflich bei einem Autozulieferer, in dessen Foyer stand riesengroß an der Wand. „Dieser Betrieb existiert um Gewinn zu erzielen“.
Einer meiner Kollegen fand das unanständig.

Unter Westfalen
Benutzeravatar
Grasdaggl
Über Vorstandsgehälter und Ausschüttungen hatte ich mich nicht geäußert.
Dieses Thema ist ja nicht nur auf die Automobilbranche bezogen.
Ich hatte einfach mal gedacht, wie Lieschen Müller oder Max Mustermann.
Wenn man jahrzehntelang am Aufstieg der Automobilbranche profitiert hat,
könnte man doch in schlechten Zeiten etwas zurückgeben.
So wie Red Bull gerade in Leipzig.
Und damit könnte man doch wieder investieren?
Was verstehst Du denn daran nicht?
Für eine freie und selbstbestimmte Ukraine.

Tifferette
Benutzeravatar
Grasdaggl
Unter Westfalen hat geschrieben:
Tifferette hat geschrieben:Nana. Das ist doch okay so.


Weißt Du denn was?

Darum geht es mir nicht. Sondern: was ist daran auszusetzen wenn man sagr: "So verstehe ich das, aber vielleicht weiß da jemand mehr"?
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)

Southern Comfort
Benutzeravatar
Grasdaggl
Korrekter wäre: Dieser Betrieb existiert nur, wenn er Gewinn erzielt.

Unanständig... was für ein Herzchen... Das war schon im Mittelalter so, nicht erst seit Adam Smith, dem Kapitalismusteufel.
Bruno Labbadia ist wie ein Aschenbecher in einer Kneipe, die schon vor 20 Jahren hätte abgerissen werden sollen. Du weißt nicht, warum, aber er steht stetig in der Ecke, voller kalter Kippen und mit dem beharrlichen Geruch von verbrannter Vergangenheit.

Tifferette
Benutzeravatar
Grasdaggl
Es ist zudem völlig klar, dass das Gewinnstreben die Grundmaxime einer Kapitalgesellschaft ist - soweit es die Gesellschafter bicht ausdrücklich anders vorgeben. Was denn sonst? Das heißt ja nicht notwendigerweise GewinnMAXIMIERUNG.
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)

Unter Westfalen
Benutzeravatar
Grasdaggl
Balbriggan hat geschrieben:
Cantona hat geschrieben:@Uwe: paar Milliarden an Personalkosten gibt's in der Automobilindustrie auch noch zu stemmen. Sozialversicherungsbeitraege und Steuern werden auch bezahlt. Dass man das komplett ausblendet, mit dem Hinweis auf Vorstandsgehaelter und Ausschuettungen an Anteilseigner, kapiere ich nicht. Sorry, ist mir zu hoch.

Mir auch. Ich war mal beruflich bei einem Autozulieferer, in dessen Foyer stand riesengroß an der Wand. „Dieser Betrieb existiert um Gewinn zu erzielen“.
Einer meiner Kollegen fand das unanständig.


Ich habe nichts gegen Gewinne.
In einem kapitalistischen System sind sie nun einmal unumgänglich.
Es geht hier um die Sicherstellung der Produktion und da sind zunächst einmal das Unternehmen und seine Anteilseigner gefragt.

Mit diesen sinnbefreiten Sprüchen kann man nur schlichte Gemüter beeindrucken.

So, sehe gerade, Southern und tiffy haben sich auch geäußert.
Ihre Antworten sind mehr pragmatischer Natur, meine natürlich wieder ideologisch. :mrgreen:

"Wozu Kernkraftwerke? Bei uns kommt der Strom doch aus der Steckdose." Diesen Spruch, genau so hirnrissig wie "Freie Fahrt dem freien Bürger" waren den 80ger Jahren, nach Gründung der Grünen, an auf manche Nobelkarossen aufgepappt. Und in 2 Jahren gibt es keine AKWs mehr und der Strom kommt immer noch aus der Steckdose.

Jahrzehntelang hörte ich bei Tarifverhandlungen von der Arbeitgeberseite, dass wir die Totengräber des Unternehmens sind, das übrigens heute besser denn je dasteht.
Und wenn wir Altbetriebsräte nicht vor 20 Jahren mit Zähnen und Klauen unsere Betriebsrente verteidigt hätten, würden den Rentnern heute bis zu 500 € im Monat fehlen.
Für eine freie und selbstbestimmte Ukraine.

Cantona
Jau, der Strom kommt aus der Steckdose. Der, der in Ba-Wue aus der Steckdose kommt, wird jedenfalls zu nem nicht unerheblich Anteil importiert, aus anderen Bundeslaendern und dem Ausland, und das haengt mit dem Abschalten der AKWs zusammen. Dass Deutschland EU-weit mit dem Strompreis Spitze ist, ist im uebrigen Realitaet. Als Inputfaktoer fuer die Produktion im verarbeitenden Gewerbe nicht zu vernachlaessigen, wenn auch energieintensive Industrien zum Glueck noch in den Genuss von verringerten Abgaben auf den Strompreis kommen.


CoachingZone
Halbdaggl
Yep. Die deutsche Strombranche hat mit die beste Lobby. Sonst würde man statt auf Nordseestrom incl. Stromautobahnen quer durch Deutschland auch sinnvoller in dezentrale Lösungen investieren...
Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.

- Charles Maurice de Talleyrand -

publicenemy
Benutzeravatar
Halbdaggl
Cantona hat geschrieben:Jau, der Strom kommt aus der Steckdose. Der, der in Ba-Wue aus der Steckdose kommt, wird jedenfalls zu nem nicht unerheblich Anteil importiert, aus anderen Bundeslaendern und dem Ausland, und das haengt mit dem Abschalten der AKWs zusammen. Dass Deutschland EU-weit mit dem Strompreis Spitze ist, ist im uebrigen Realitaet. Als Inputfaktoer fuer die Produktion im verarbeitenden Gewerbe nicht zu vernachlaessigen, wenn auch energieintensive Industrien zum Glueck noch in den Genuss von verringerten Abgaben auf den Strompreis kommen.


Was ist schlimm daran, wenn Strom importiert wird? Erkundige dich mal und du wirst feststellen, dass das Öl, aus dem das Benzin für deine Verbrennungsmotoren hergestellt wird, ebenfalls importiert wird.

Auswurf
Benutzeravatar
Grasdaggl
käme cantona aus dem steinkohlebergbau ,
wären hier noch rückwärtsgewandtere beiträge zu befürchten.
Welches jahr schreiben wir eigentlich gerade....
neue herausforderungen bitte leugnen oder für unerheblich erklären

die spd hat ihre wähler zum großen teil an die grünen und die linke verloren.
Garantiert nicht deshalb, weil sie zu wirtschaftsfeindlich und zu umweltbewusst unterwegs war

das gestänkere von gabriel (ex umweltminister) ist widerlich
und peinlich

und ich hab den auch noch oft verteidigt :(
das ist doch keine Musik

Cantona
Versorgungssicherheit, Abhängigkeiten, etc...?? Und wie wird der aus dem Ausland importierte Strom bereitgestellt?

In der Tat ein Argument, mit dem Ölimport. Das Schöne ist ja, dass die Abhängigkeiten diesbezüglich wechselseitiger Natur sind. Mein Hauptkritikpunkt an dem Transformationsprozess, ist, dass man so schnell wie möglich mit dem Kopf durch die Wand will. Jedenfalls beträgt die statische Reichweite für deutsche Kohle derzeit ca. 150-200 Jahre, um auf obiges Thema zurück zu kommen, bissle Zeit hätte man also noch gehabt.

Dass dezentrale Lösungen kostenintensiver und komplexer in der Steuerung sind, dürfte jedem klar sein, der 1 und 1 zusammen zählen kann. Andererseits könnten sich mit der Nutzung dezentraler Lösungen andere Vorteile ergeben, keine Frage.