Und ganz grundsaetzlich muss ich hier mal nen text von ner Bekannten teilen, dem ich vollumfaenglichst zustimme:
"Es war eben doch ein Riesenfehler, diese Dauersuggestion, diie afro-amerikanische Geschichte sei vergleichbar mit der von Einwanderern von egal wo in Europa, einfach so unkommentiert stehen zu lassen, auf das sie überall hineinsickert.
Afro-Amerikaner wurden per Sklavenschiff eingeschleppt. Über Jahrhunderte war jedes geborene Kind Besitz des Plantagenherren, Familien wurden auseinander gerissen, jede Generation wieder, es gab über Hunderte von Jahren keine Familienstrukturen, keine Option auf gar nix, nix, nix, nix. Das ist ein transgenerationales Trauma in einem Ausmaß, das man sich gar nicht mal vorstellen kann, wenn's nicht die eigene Geschichte ist, da bin ich mir fast sicher. Hast Du's schon mal versucht? Nicht einfach nur hier schwarz da schwarz alles das gleiche weil schwarz ist schwarz, sondern wirklich mal überlegen, was bedeutet das, wenn über Hunderte von Jahren keiner von Deinen Vorfahren ggf. bei seiner Mutter groß geworden ist, dafür aber alle in Ketten? Welchen Impact hat das noch auf Dein Leben? Wie tut das weh, wenn Leute, die immer Familien haben konnten, die Weißen zum Beispiel, dir dauernd vorwerfen, dass Du ja eh nicht auf die Kette kriegst, stabile Familien aufzubauen, Teenage Moms, keine Väter, etc. weil Du aber auch aus einer Geschichte von Zerrissen werden und wieder zerrissen werden kommst wo es einfach über Jahrhunderte fast schon zum Überleben dazu gehört hat, proaktiv damit umzugehen dass für dich nun mal keine stabilen Bindungen drin sind? Währnd die Leute die von den Leuten abstammen denen die Plantagen gehört haben, über Hunderte von Jahren Familien- und Dynastieleben haben konnten und es nie zum Überleben gebraucht haben, sich von dieser Erwartung abzukapseln, solange bis man es vielleicht gar nicht mehr hinkriegt, selbst wenn man will? Schon mal reingefühlt?
Dann war irgendwann zwar keine Sklaverei mehr, aber immer noch Rassen-Gesetze die dir den Zugang zu ziemlich allem versperrt haben - und Deine Großeltern und teilweise Eltern mussten dafür ihr Leben riskieren, eine "mixed" Toilette benutzen zu dürfen oder an eine Uni zu gehen. (Glaube Schwarze durften erst ungefähr nach Harvard als auch Frauen durften, vielleicht bissle vorher, bei Frauen ist es keine 50 Jahre her no kidding).
Und Wann immer eine schwarze Community wirtschaftlich erfolgreich wurde, sind weiße Leute gekommen und haben per Massaker alles zerstört, so dass man es halt irgendwann auch nicht nochmal versucht hat. On top kommt ein Bildungssystem dass von Elternspenden finanziert wird, d.h. wenn Deine Eltern halt kein Geld haben, Pecho. Und ein Gesundheitssystem, das nicht mal eins ist, wenn Du es nicht bezahlen kannst. Und in Deinen Vierteln, das noch on top, erschießen sich dauernd die Leute gegenseitig. Ich war glaub nur zwei Monate in den Staaten, erst in einer Black hood und dann in einer Mixed Hood und in der Zeit wurden zwei Mal Leute erschossen, einfach so, von peers. Und wenn du aus den Vierteln rausgehst wirst Du vielleicht von der Polizei erschossen wenn's dumm läuft. Und trotzdem, trotz allem, bleibst Du die allermeiste Zeit friedlich. DAS. Ist die die Geschichte der Afro-Amerikaner.
Und jetzt kommt die Geschichte der Gastarbeiter:
Daheim keine Bildung und null Aussicht auf gar nix, kommen nach z.B. Süddeutschland, kriegen Job bei z.B. Daimler, haben eingangs natürlich mit der Abwehr zu kämpfen, mit der auch sonst alle Einwanderer schon immer und überall konfrontiert werden, ist nicht super, aber ist halt Teil der Einwanderung egal wann und wohin. Verdienen aber ungelernt in der Dreischicht auf einmal locker das, was so manche Studierte (Frau) in Führungsposition verdient, kann sich zig Immobilien darüber finanzieren, und seine Kids erben sogar seinen Job, wenn sie den denn wollen. Das Bildungssystem ist offen für sie, das Gesundheitssystem ist offen für sie, und wenn sie sie wahrnehmen, haben die zweiten und dritten Generation alle Chancen die sie wollen, mit den Leuten aufzuholen, die "schon länger da sind". Jedenfalls war das so, solange an die Kids noch der Anspruch gestellt wurde, in der Schule halt auch nicht dauernd abzukacken und zum Beispiel die Sprache zu lernen. Nach der Schule können die meisten heim zu Mama kommen, die ihnen keiner weggenommen und verkauft hat, und lecker Pide essen. Und ja, es gibt eine Geschichte von Nazis und ja, die geht bis in die 90er und höchste Stellen. ABER. Mit bissle goodwill kann man es ohne Problem zu Wohlstand und Happiness bringen, und die allermeisten Leute die von Gastarbeitern abstammen, haben das übrigens hier in der Region ja auch geschafft. Aber ein paar Kids, die einfach keinen Bock haben sich anzustrengen, denen gibt man das Gefühl ihre Biografien seien auch nur im Ansatz vergleichbar mit Afro-Amerikanern in den USA???
Fast alle meine Nachbarn im Haus und in der Straße, alle die ich kenne, stammen von Leuten ab, die nicht seit 100 Generationen hier waren und hey, keiner von uns ist arm, die wenigsten von uns hatten schon mal eine Knarre im Gesicht, jeder von uns hat schon mal irgendwie die Erfahrung gemacht dass keiner den Namen aussprechen konnte, aber im Großen und Ganzen war's das. Die einen von uns haben Eltern die Gastarbeiter waren, die andern Akademiker, und in unserer Generation und drunter – same same, kein Riesenunterschied mehr. Keiner von uns kommt jetzt groß aus einem Villenviertel, aber das ist nun mal das Schicksal von so ca. 95% der Bevölkerung, ungeachtet der Herkunft. Und ja, je dunkler man halt ist, desto mehr sieht man halt noch länger aus wie jemand dessen Eltern mal von irgendwo kamen und ganz ganz sicher macht das einen Unterschied zu jemand mit italienischem oder spanischem oder kroatischem Background. Aber. Es ist immer noch nicht im Ansatz vergleichbar mit dem Trauma von Afro-Amerika.
Diese beiden Geschichten gleich zu setzen ist gelinde gesagt infam.
Und genauso infam ist es, deswegen dauernd 1:1 von den USA auf den europäischen Kontext zu projizieren und so besessen davon zu sein, dass das eine genau das Gleiche wie das andere wäre und das was jetzt hier passiert deswegen irgendwie das selbe wäre, wie das dort passiert.
Und wenn man das mal verstanden hat, dann merkt man bei vielen Denkfehlern dass sie das sind: Denkfehler.
Wenn Du Polizei bist und am Görli nach Dealern kontrollierst, dann brauchst Du Deine Zeit halt nicht mit Kontrollen von Gustav und Elke verschwenden, weil 99% der Jungs die ticken sind nun mal nicht Gustav und Elke.
Wenn Du jetzt ne Fahndung rausgibst, nach den Jungs aus Stuttgart, brauchst Du halt auch nicht nach Peter und Hans suchen, weil Peter und Hans waren nun mal nicht dabei.
Und das ist kein "racial profiling" das ist Polizeiarbeit unter Bedinungen, dass Du Zeit sparen musst, weil sowieso schon alles unterbesetzt.
Den Leuten dauernd in den Rücken fallen, dafür dass sie versuchen ihren Job zu machen, ist unter aller Kanone.
Und das Einzige was an einer Hegameh Yuppidou, die von den Menschen bei der Polizei als "Müll" redet, "Satire" ist, ist dass die Frau, ungefähr meine Farben hat, eher heller, es irgendwie geschafft hat, sich bei deutschen Intellektuellen als quasi-schwarze Frau aufzubauen. Und jedes Mal den Rassismus-Button drückt, wenn man ihr unterirdisches Gekritzel kritisiert.
Und würde egal welche andere Gruppe als "Müll" diffamiert werden und dieser anderen Gruppe würde ein paar Tage später offensichtlich versucht werden in der Öffentlichkeit den Rücken zu brechen, dann wäre das Wort dass durch die Presse gehen würde nicht "Pressefreiheit" sondern "geistige Brandstiftung" und dafür leg ich mein Hand ins Feuer.
Vor paar Wochen hab ich noch rumdiskutiert, dass es schon gut ist, auch in Deutschland Rassismus in der Polizei zu thematisieren und tralala aber wie immer hat die PC-Fraktion so arg den Bogen überspannt, dass man einfach kein Bock mehr hat sich mit deren Generve noch auseinander zu setzen. Vor paar Wochen hab ich schon fast gedacht, vielleicht hab ich der PC-Polizei unrecht getan, vielleicht ist deren Nervensägerei einfach total wichtig, damit sich endlich wirklich was bewegt und vielleicht ist die Tatsache, DASS sich was bewegt, das Resultat von deren Arbeit.
Aber nein nach den neuesten Ereignissen und den teilweise UNTERIRDISCHEN Reaktionen drauf... ich nehm alles zurück.
Und meine Solidarität gilt Afro-Amerikanern die für Ihre Rechte aufstehen und zurecht wütend sind. Und dann gleich danach der deutschen Polizei. Wem sie NICHT gilt, sind unsere ganze ach so wichtigen white privilege Prinzesschen (constantly talking about your white privilege is just another way of holding on to it....) und wem sie nicht gilt sind irgendwelche verzogenen kleinen Paschas, die sich durch den ganzen Opfer-Diskurs der white privilege Prinzesschen total im Recht fühlen, zum Spaß Menschen das Leben von Menschen zu riskieren und halbe Städte in Schutt und Asche zu legen."