Frank N Furter hat geschrieben:Bei diesem Streit hat übrigens auch wieder mal keine Partei GRUNDSÄTZLICH Recht! Streng gläubige Menschen können durchaus glauben, dass man Ihren Gott nicht verhöhnen darf. Das ist nicht falsifizierbar!
Meine persönliche Einschätzung als Insasse im berliner Wedding: Dieser Konflikt, der sich jetzt tatsächlich erst mit der 3. bzw. 4. Generation von Einwandererkindern immer stärker entwickelt, ist rational unlösbar. Ich denke, das einzige was wir hier "sehr legitim" machen können, ist in Rede und Tat (!) unsere Sicht der Dinge, sprich unsere Rechtsordnung, sprich unser "abendländisch-postmodernes" Verständnis eines Gesellschaftsvertrags KONSEQUENT zu vertreten. Und denjenigen Menschen, die mit diesen Regeln gar nicht leben können oder wollen, eine Übersiedlung in Staaten und Gesellschaften nahezulegen, die mit ihrem ebenfalls legitimen Lebensentwurf eine höhere Basiskongruenz aufweisen. Gerade letzteres sollte nicht als "politisch inkorrekt" verurteilt werden, sondern als ein wichtiges Grundrecht jedes Menschen: gehen zu können, wenn man sich ganz offensichtlich überhaupt nicht mehr wohlfühlt. Das, für sich genommen, ist nicht diskriminierend.
Ganz meine Meinung
Und das hat meiner Meinung nach überhaupt nichts mit Islamophobie bzw. Fremdenfeindlichkeit zu tun.
Jede Gesellschaft hat das Recht, sich nach ihren eigenen Regeln zu organisieren. Genauso wie jede Familie oder jede Partnerschaft. Das begründet sich auf der Freiheit, die jeder Mensch besitzt. Und da gibt es eben keine Wertung, kein richtig oder falsch, sondern nur Ergebnisse, die aus diesen Regeln folgen, z.B. mehr oder weniger Konformität, z.B. mehr Indivualität oder mehr Gemeinschaftssinn, z.B. mehr oder weniger Widerstand von denen, denen diese Regeln nicht passen, und, und, und.
Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland soll größtmögliche Freiheit aller Mitglieder der Gesellschaft und damit auch größtmögliche Entfaltung aller Mitglieder garantieren. Aber eben auch nicht alle Freiheiten, so tolerant sich unsere Gesellschaft gegenüber vielen Lebensentwürfen auch gibt
Hier dürfen Menschen beispielsweise nicht andere Menschen umbringen oder bestehlen. (Übrigens zwei grundlegende Regeln, die schon im alten Testament der Bibel stehen...

) Und genauso dürfen sie sich nicht gegen diese Grundordnung stellen, solange sie auf dem Gesellschaftskonsens basiert.
Also ist hier ein Leben für Menschen, die diese Regeln nicht beachten (wollen), eben nicht in aller möglichen Freiheit möglich. Und da hilft auch keine falschverstandene und universelle Toleranz, denn bei Übertreten der Regeln ist nun einmal eine Grenze erreicht, wo die Gesellschaftsordnung oder ihre Mitglieder selbst bedroht ist/sind.
Insofern darf jede Gesellschaft sagen (und damit ist nicht nur ein Staat, sondern auch eine Familie oder Partnerschaft), bis hierhin ist es okay, aber weiter nicht - und wenn jemand anders leben möchte, dann muss er sich eine andere Gesellschaft suchen, die vielleicht besser passt.
Andererseits kann jede Gesellschaftsordnung verändert und angepasst werden, wenn die Mehrheit der Mitglieder dies so wünscht. In einer Demokratie ist dieses Recht der Mehrheit per Wahl oder ggf. Volksabstimmung verbrieft. In Gesellschaften anderer Organisation (Herrschaft von Einzelpersonen oder Oligarchie) gibt es dieses Recht meistens nicht, so dass Veränderungen schwierig oder bisweilen nicht auf friedlichem Wege möglich sind. Dennoch kann in allen Formen der Konsens über eine Gesellschaftsordnung fragil sein oder werden.
Zusammengefasst bleiben den Menschen immer zwei Möglichkeiten:
etwas zu wählen (im Sinne von annehmen) oder etwas zu verändern (choose or change)
bzw.
etwas zu mögen oder etwas zu verlassen (love or let)

Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.
- Charles Maurice de Talleyrand -