Jetzt das Längere, zumal ich vorhin noch die Kinder an der Backe hatte, es wäre auch langweilig ohne Streiterei (der hat angefangen... nein der hat das zuerst gemacht.... schlimmer als Hitzlsperger vs Vogt):
Frank N Furter hat geschrieben:Aber ein paar Zeichen der Zeit hat er schon richtig erkannt. Z.B. das der Internationalismus sehr weitgehend gescheitert ist und überall von sehr starken nationalen Interessen überlagert wird. Das betrifft keinesfalls nur das Klima oder die Weltwirtschaft.
Da bin ich komplett anderer Meinung, und die Grundidee von Trump, die verlorenen Arbeitsplätze zurück ins Land zu holen, sind grandios gescheitert. Im Endeffekt haben die USA die gleiche Herausforderung wie wir auch, nämlich Transformation der Wirtschaft. Im Billiglohnsektor haben wir keine Chance, Trigema und ähnliche Dinge werden die Ausnahme bleiben. Die Zukunft kann nur durch Innovation gesichert werden, nicht durch endlose Handelskriege und Subventionen von auslaufenden Rohstoffen wie Kohle.
Es ist richtig seine Errungenschaften gegen andere zu sichern, Thema Patente und Schutz gegen Plagiate. Es ist aber falsch mittels Handelsbeschränkungen Politik betreiben zu wollen oder Verbündete zu bestrafen, weil etwas nicht nach dem Willen des POTUS verläuft. Wie auch bei den anderen Bereichen müssen Verträge Bestand haben, wie verheerend sich so etwas auswirken kann, sah man bei BoJo im Rahmen des Brexit.
- Ist es zum Beispiel wirklich so falsch, wenn jedes Land wieder stärker auf seine nationale Ökonomie schaut und man sich aktiv mit Schutzzöllen gegen das wandernde Kapital und dessen Vernichtungskraft wappnet? Müssen Waren alternativlos immer international hergestellt, durch die Gegend geschippert und verbraucht werden?
Ich will nicht final beurteilen, ob Trump mit der einen oder anderen Sache recht hatte, dafür fehlt mir das Wissen, ich bin kein Wirtschaftsweiser, daher kann ich meine bescheidene Einschätzung geben. Was ich aber sehr gut beurteilen kann (jedenfalls aus subjektiver Sicht), wie fast jeder andere Mensch auch, ist die Art, wie die politischen Ziele umgesetzt werden, und es ist halt so, dass Dinge, die vielleicht einen guten Kern haben mögen, bei der falschen Umsetzung völlig ins negative umschlagen. So auch Trump und die Wirtschaft. Ähnlich wie bei der Diskussion mit dem Abkommen mit Iran halte ich eine Verlässlichkeit für das Wichtigste überhaupt. Ein Vertragspartner steht und fällt mit seiner Integrität bzgl. Einhaltung von Abmachungen. Ein Mensch kann mir noch so unsympathisch sein, wenn ich weiß dass er sich an abgemachte Sachen hält, ist es mir lieber als ein supernetter Typ, der beständig festgelegte Abmachungen bricht. Dass Trump nun beide negativen Eigenschaften vereint, verstärkt das Ganze nur bzgl. der negativen Beurteilung.
- Wäre es Biden jetzt möglich gleich so entschieden gegen die chinesische Politik anzutreten, wenn Trump diesem Vorgehen nicht schon den Weg geebnet hätte? Vergleiche die Trump-Politik gegenüber China mal mit der EU-Politik. Die EU-Politik kann man ja gegenüber China noch nicht mal als Appeasement beschreiben. Der einzige der in den letzten 4 Jahren wirklich konsequent gegen Chinas Expansionspolitik etwas gesagt und unternommen hat war Trump. Nicht etwa unsere Obermenschenrechtler aus Brüssel.
Ich denke dass Biden in diversen Gebieten nicht anders verfährt wie Trump, etwa Nord Stream 2 oder China, aber ich erwarte einen anderen Umgang, weniger impulsive Entscheidungen, mehr Einfluss von Beratern und auf jeden Fall mehr Rechtssicherheit. Bei Trump war das Problem, dass man nie wusste ob das, was er selbst ausgemacht hat, auch morgen noch Bestand hat. Bei Biden erwarte ich in der Sache selbst auch harte Auseinandersetzungen, etwa Beiträge zur NATO, aber verbindlich und berechenbar. Bei Biden erwarte ich weniger Symbolpolitik, die primär zur Befriedigung des eigenen Ego durch sein Bauchgefühl gesteuert wurde, sondern Politik, die wieder nüchterner und faktenbasiert getroffen werden. Die Tendenz ist da, etwa bei Corona oder dem Klimaschutz.
- Ich persönlich bin auch froh drüber, dass Trump der NATO-Idee mal so richtig in den Arsch getreten ist.
Über das Konstrukt der NATO lässt sich streiten, aber auch ein Streit muss im geregelten Rahmen verlaufen. Auch im Rahmen von Bündnissen muss es Sicherheiten geben, dass im Fall der Fälle der Bündnispartner zur Stelle ist. Bei Trump hatte man immer den Eindruck, der denkt ausschließlich in monetären Ebenen, strategische Denkweise oder gar Visionen in geopolitischer Sicht sind ihm total fremd. Mit dieser Auffassung sind alle Bündnisse zweckfrei, seien sie militärisch oder wirtschaftlicher Natur.