CoachingZone hat geschrieben:Unter Westfalen hat geschrieben:Und wer glaubt denn, dass mit diesen Personen noch vertrauensvoll zusammengearbeitet werden kann, außer vielleicht sie selbst?
Das ist der Kernpunkt, weswegen mich diese Datenaffäre so trifft. Will ich wirklich Fan/Mitglied eines Vereins/Clubs sein, der Projekte nicht offen und ehrlich bewirbt (sondern mit Täuschung und Lüge arbeitet und sich hinterher noch dessen brüstet)? Und ist Nicht-Integrität nachhaltigem Erfolg zuträglich? Doch eher nicht.
Hmm. Kirche, Dorf?
Erstmal: Mit der Täuschungsaktion hat sich Schlittenhardt gebrüstet. Niemand vom VfB, zumindest nicht öffentlich. (Oder ist mir da was entgangen?)
Und dann:
Aus heutiger Sicht ist diese Guerilla-Aktion auf vielen Ebenen richtig mies. Aber bitte, Kontext! Diese Aktion hat 2016 begonnen. Da hat Wahler eine Kooperation mit Schlittenhardts PR-Agentur angeleiert und daraus enstand wohl das "Guerilla-Marketing" vor der Ausgliederungs-MV im Sommer 2017.
Also, ein möglicher Kontext:
Beim VfB saßen damals Leute, die von der Ausgliederung überzeugt waren. Das ist der richtige Weg! Da kann man gerne anderer Meinung sein, aber man sollte es den Leuten beim VfB zu Gute halten, dass sie die Ausgliederung als "richtig" angesehen haben. Natürlich will man dann auch die Fans und Mitglieder überzeugen. Nicht weil man ein manipulatives Arschloch ist, sondern weil man an die Sache glaubt.
Dummerweise sind in den sozialen Medien fast nur Anti-Ausgliederungsstimmen zu hören. Und das sehr laut. Selbstverständlich überlegt man als VfB dann, wie man die eigene Meinung in den Sozialen Medien darstellen kann. So, und dann kommt der Schlittenhardt mit seiner tollen PowerPoint-Präsentation und obendrein, denkt dran: So hat der Obama seine Wahlen gewonnen! Ha, klar! Wir sind immer noch im Jahr 2016/2017. Dieses Guerilla-Marketing klingt nach "heißem Scheiß". Ach ja, und die Daten... Das war damals doch noch gar nicht sooo stark im Bewusstsein! Erst durch das spätere Gesetz mit den entsprechend höheren Strafen und öffentlichen Diskussionen ist das besser ins Bewusstsein gerutscht. Natürlich, man hätte es auch schon damals überreißen können - aber glaubt hier jemand ernsthaft, die hätten das gemacht, wenn ihnen richtig klar gewesen wäre, was für (Straf-) Dimensionen das hat? Dann hätte es wohl auch gar keine PP-Präsentation gegeben, sondern nur drei Hansel, die sich im stillen Kämmerchen besprechen. Nochmal: Wir sind 2016/2017. Da gab es die heutige Verordnung noch nicht.
So, damals fanden das also alle Beteiligten arschcool. Tippe ich mal. Und so wie's aussieht, wussten intern ja auch zahlreiche Mitarbeiter darüber Bescheid (spricht auch dafür, dass die kein großes Unrechtsbewusstsein hatten).
Dummerweise kommt es aber 2019/2020 raus. Und da gelten längst andere Gesetze und damit sind im Bewusstsein (vielleicht) auch andere moralische Maßstäbe angekommen. Und nun? Feuert man die drei Deppen, die so doof waren, damals ihren Namen irgendwo drunter zu setzen? Und alle anderen, die es auch toll fanden, sagen: Sorry, hättest du halt nicht unterschrieben. So wie ich. Haha.
Nee, vielleicht ist es auch ein Akt der Loyalität, dass man diese Leute nicht sofort ohne Not über die Klinge springen lässt. Weil man eben zusammen im Boot saß. Und noch nicht gecheckt hat, dass der heiße Scheiß in ein paar Jahren einfach nur noch... ein großer Scheiß ist.