muffinho hat geschrieben:darkred hat geschrieben:
Wie hätte das geräuschlos vonstatten gehen können?
Vogt und Hitz treiben Arm in Arm interne Untersuchungen voran und kacken mehr als die Hälfte der Führungskräfte mit denen sie (zumindest Hitz) im Tagesgeschäft zusammen arbeiten fortwährend auf den Tisch. Um Ihnen dann mitzuteilen, dass man gedenkt sie von Ihren Aufgaben zu entbinden?
Das geht imho a) weder formell noch b) ohne die Öffentlichkeit zuvor davon in Kenntnis zu setzen. Sowas brauch eine breite Legitimierung und eine Offenlegung der Evidenz.
Ich bin zwar nicht tamasi, aber da er sich auf mich bezogen hat:
diese Aktion hätte direkt nach dem Interview stattfinden müssen, spätestens aber nach dem Kickerartikel. Das hätte zwar nicht verhindert, dass irgendwann die Fakten an die Oberfläche gekommen wären, aber als Verein hätte man sagen können, dass man selbstständig die Geschichte verfolgt hat und entsprechend gehandelt hat, dann kann sich nachträglich jeder ausmalen, dass z. B. der freiwillige Abgang von Mutschler, den man damals öffentlich so verkauft hat, dass Mutschler sich verändern möchte und der Verein nicht im Weg stand, dann doch nicht so freiwillig war.
Wie man auf Mutschler hätte kommen können, sofern die Medienberichte zutreffen, habe ich ja schon beschrieben. Aber man hat sich halt entschieden, abzuwarten, bis Vogt dies vermutlich als Chance sah, sein bisher farbloses Profil massiv aufzuwerten, denn mal ernsthaft, mit was verbindet man Vogt bisher?
Staudt verbindet man mit der Meisterschaft und dem reinen Fußballstadion, Wahler hat das Wappen getauscht und Mäuser gezeigt dass man als Präsident nicht diplomatisch sein muss, aber was verbindet man bisher mit Vogt? Natürlich kann man sagen, seine Amtszeit war bisher zu kurz, um Akzente zu setzen, aber er muss sich in einer Wahl gegen einen anderen Kandidaten durchsetzen, da ist das Profil des harten Aufklärers, der sich endlich gegen die verhassten Seilschaften stellt und den Filz wie Sean Connery in Untouchables bekämpft, doch sehr willkommen.
Und da kommen wir wieder zum Punkt, warum er im Verein so isoliert sein soll... ein Präsident, der neu in solch eine Struktur kommt, löst diese Strukturen nicht in ein paar Monaten, das dauert Jahre bis man hier Veränderungen erreicht, außer man brennt alles bis auf die Grundmauern nieder und baut neu auf. So kommt es mir gerade vor, nur hat man dann auch die entsprechenden Folgen.
Das klingt von der Idee her ja erst mal gut.
Nur.
Imho hätte sich das so nicht umsetzen lassen. Weil es IMMER Gruppen rund um Mitglieder, Fans, Ultras gibt, die nicht müde werden solche Dinge (quasi bis aufs Blut) zu hinterfragen. Denen hätte , wenn das Thema publik geworden und breiter diskutiert worden wäre, ein "mea culpa" des VfB, verbunden mit "wir haben Mutschler als Schuldigen identifiziert und er ist ja nun nicht mehr beim VfB", never ever ausgereicht.
Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die Fragen nach den GANZEN Hintergründen, die Fragen nach ALLEN Hintermännern, in keinem geringeren Ausmaß aufgetaucht wären wie jetzt zu sehen. Mit all der zeitgeistigen Hysterie, hervorgerufen durch das aggregierte Echauffieren in den sozialen Medien.
Und das ist doch im Grunde das Problem.
Fraglos ist es so, dass es ob den Vorkommnissen beim VfB personelle Konsequenzen geben muss. Aber ich fürchte, dass der nach einer recht undefinierten Art von Gerechtigkeit geifernde Mob, erst dann "zufrieden" ist, wenn blindlings alle Strukturen zerschlagen sind. Weil "Konsequenzen müssen sein", ungeachtet dessen, was das Am Ende für den Fortbestand des VfB bedeutet.
Hier wird mir zu wenig differenziert betrachtet und zu undebacht vorschnell der Daumen gesenkt. Für ein Gefühl, dass es beim VfB rechtschaffen zu geht und die Mitglieder der absolute Souverän sind. Ungeachtet dessen, dass dieser Souverän keinen Schimmer davon hat, wie ein Profifußballverein tatsächlich zu führen ist. Ein Paradoxon, dass uns deren oberster Vertreter gerade überdeutlich vor Augen führt.
Ich für meinen Teil fände es jedenfalls furchtbar, wenn man Hitz dazu drängen würde hinzuschmeißen, nur um irgendwelchen Fans und Mitgliedern eine seltsame Form von Satisfaktion zu verschaffen.
Die sie am Ende nicht haben würden, wenn damit das zarte Pflänzchen, dass wir gerade auf dem Platz bestaunen dürfen, zertrampelt würde.
Ich werde mich immer gerne gegen Leute stellen, die nicht bereit sind, ihr Handeln diesbezüglich zu reflektieren. Die sich, ohne die Folge zu bedenken, von diesem blinden, sich selbst immer weiter aufstachelnden Vegeltungs-Narrtiv leiten lassen. Es muss genau geschaut werden, wie man auf der Führungs- und Aufsichtsebene aufräumt, ohne dabei den neu beschrittenen Weg, mit all den dafür verantwortlich zeichnenden Personen, zu verlassen. Das wird eine Herkules-Aufgabe, fürwahr ... aber
Ich will Bundesliga.
Ich will irgendwann mal wieder europäischen Fußball in der MBA.
Ich will das der VfB weiter eine gute Rolle im deutschen Fußball spielt.
Ich will das man mit Hitz den Weg der Erneuerung weiter geht.
Wenn ich dogmatische Dekommerzialisierung will,
wenn ich bereit bin den Abstieg in die fußballerische Bedeutungslosigkeit hinzunehmen,
wenn ich den Weg vieler Traditionsvereine in die Re-Amateurisierung gehen will,
dann lasse ich Vogt alles aus Ehrenkäsigkeit und falsch verstandenem "Aufräumen" kaputt treten und erfreue mich an seiner Sicht von "Gerechtigkeit".
Darauf läuft es am Ende doch raus, oder?