Spielgerät hat geschrieben:Karlchen L. zum Beispiel hat bei mir gerade ne Menge Kredit verspielt.
Jetzt mal unabhängig von Deiner konkreten Kritik, zeigt der Umgang mit der Person Lauterbach, auch viele grundsätzliche Probleme unseres Landes auf.
Lauterbach ist laut, wo z.B. Laschet nur lasch ist. Er mahnt, er mischt sich ein, er macht sich wissentlich unpopulär, er ist sehr standhaft oder wahlweise, gemäß seinen Kritikern, rechthaberisch.
Aber wen haben wir denn unter den Politikern in Deutschland außer Lauterbach in dieser Corona-Krise? Wer wäre denn noch so fleißig, jeden Tag 24 Stunden diesem Thema zu widmen und wirklich jedes Paper zu lesen, dass zu Corona erscheint? Wer ist denn Mediziner und Epidemologe?
Mein schon langer gehegter Vorbehalt ist der: Wer in diesem Land Probleme anspricht und auch noch ernsthaft erwägt Lösungen vorzuschlagen, zumal Lösungen, die halt einige Menschen auch klar treffen und zu deutlichen Nachteilen führen, wer das also tut, macht sich unweigerlich unbeliebt. Der heutige Homo Politicus agiert deshalb auch ziemlich streng nach der Alternative: mach lieber nix, sag`lieber nix, denn hättest Du geschwiegen, wärst Du beliebt geblieben. Und die "Empirie" gibt dieser Methode ja leider recht. Versuch mal in Deutschland eine Stromleitung zu verlegen, egal ob unter oder über der Erde. Vorher sind sicher 90% für erneuerbare Energie und Klimaschutz. Aber komm jemandens Vorgarten zu nahe und der verwandelt sich in einen unermüdlichen Gegner und Shit-Stormer. Dieses Land ist nahezu unregierbar geworden, weil seine Bevölkerung nur noch bereit scheint Politiker ertragen zu wollen, die uns im dauergreinenden devoten Lächeln, verschiedene Steuerermäßigungen und Rentenerhöhungen versprechen. Jede Art von nötiger aber unangenehmer Politik wird rundheraus mit massiver Antiepathie quittiert.
Natürlich hat sich Lauterbach auch mal girrt (vergleichsweise selten, übrigens). Aber wer nicht? Herr Drosten hat sich mindestens so oft geirrt und man kann ihm daraus keinen Vorwurf machen. Das Irren ist nahezu immer der erste Schritt im Wissenserwerb. Nur engagierte Leute, die in Sachargumenten denken und etwas bewegen wollen, irren. Der Rest hält einfach nur die Fresse und wartet ab bis die Sonne wieder scheint.
Wir brauchen eigentlich viel mehr Politiker der Marke Lauterbach. Leute die stehenbleiben, wenn der Shitstorm kommt. Leute mit Rückrat, die "nerdig" auf Sachdebatten und Sachargumente beharren. Hätten wir in dieser Krise 20 politische Lauterbachs gehabt, verteilt über alle Parteien, hätten sie sich im "Peer-Review" gegenseitig korrigiert und wir wären vermutlich besser gefahren in der Summe.
Deutschland hat mittlerweile einen Fundus beträchtlicher, ungelöster Probleme angesammelt. Wenn wir wollen, dass diese Probleme gelöst werden, werden wir lernen müssen auch "unangenehme" Politiker zu ertragen.