Beim FCB sind einige noch nicht geimpft, darunter auch Joshua Kimmich.
https://www.spiegel.de/sport/fussball/b ... 044f9bec1eWenige Minuten nach dem souveränen 4:0 des FC Bayern gegen Hoffenheim stand Joshua Kimmich am Mikrofon des Fernsehsenders Sky – wie so häufig nach einem Spiel. Nur hatte er diesmal nicht sportliche Fragen zu beantworten. Es ging nicht um seine 12,4 Kilometer Laufleistung, um seine Ballkontakte oder Torvorlagen. Es ging um seinen Impfstatus. »Ja, das stimmt«, sagte Kimmich, angesprochen auf Meldungen, er sei noch nicht geimpft.
Joshua Kimmich? Nicht geimpft? Ausgerechnet er? Es war das Thema des Bundesliga-Samstags.
Kimmich ist zusammen mit seinem Mitspieler und Freund Leon Goretzka Gründer der Initiative »We Kick Corona«. Die Organisation vermeldete erst vor sechs Wochen die Spende von 500.000 Euro an Unicef, um Impfungen für rund 132.000 Menschen in den ärmeren Ländern der Welt zu unterstützen. Am 8. September twitterte »We Kick Corona«: »Corona ist dauerhaft nur in den Griff zu bekommen, wenn überall auf der Welt ausreichend Impfstoff verabreicht werden kann.«
»Oftmals habe ich bei unserer Gesellschaft den Eindruck, dass man als Nicht-Geimpfter abgestempelt und unter Druck gesetzt wird«, sagte Kimmich bei Sky. Er habe Bedenken, »was fehlende Langzeitstudien angeht«, schließe eine Impfung aber nicht kategorisch aus. »Es kann sein, dass ich mich noch impfen lasse«, sagte Kimmich. Der 26-Jährige erläuterte ruhig und sachlich seine Beweggründe, es sei nicht so, dass er ein Coronaleugner oder Impfgegner ist.
Viele Wochen, viele Monate schien es zuletzt so, als habe sich der Fußball, als habe sich die Bundesliga gut mit der Pandemie und ihren Begleiterscheinungen arrangiert. Doch ausgerechnet rund um den Samstag, an dem der FC Bayern mit 60.000 Zuschauern so viele Menschen in sein Stadion ließ wie seit mehr als 19 Monaten nicht mehr, ist das Thema wieder so präsent wie lange nicht.
Nagelsmann coronapositiv
Erst am Donnerstag wurde die Coronainfektion des zweimal geimpften Julian Nagelsmann bekannt, der bereits vergangenen Sonntag in Leverkusen gesundheitlich angeschlagen die Mannschaft betreute und der trotz seines Zustands am Dienstag mit nach Lissabon flog. Dann berichtete die »Bild«-Zeitung, dass im Bayern-Kader fünf Profis ungeimpft seien.
Bereits am Freitag erklärte Julian Nagelsmann, dass es wie in Deutschland auch beim FC Bayern keinen Impfzwang gebe. »Ich werde niemals jemanden, der bei gesundem Menschenverstand ist, dazu zwingen. Ich plädiere nur dafür, dass man es macht. Wie die Verläufe bei Nicht-Geimpften sind, das kann man gerne in den Kliniken erfragen.«
Doch Kimmichs Impfstatus könnte auch Auswirkungen auf die gesamte Mannschaft haben, allein schon was die Regeln bei einer Infektion betrifft. Anders als Nagelsmann könnte sich Kimmich nicht schon nach fünf Tagen freitesten. Als Ungeimpfter müsste er in jedem Fall 14 Tage in Quarantäne, die Bayern müssten auf ihren Mittelfeld-Star verzichten. Wie Kimmich sagte, kommt der Klub für die verpflichtenden Tests für Ungeimpfte auf.
Und was ist mit den Zugangsbeschränkungen in den Stadien? Wie bei manch anderem Bundesligaklub galt etwa auch vergangenen Sonntag in der BayArena in Leverkusen die 2G-Regel für erwachsene Zuschauer, für Genesene oder Geimpfte also. Und bei den Akteuren auf dem Rasen? Warum darf man als Ungeimpfter zwar unten Fußball spielen, aber nicht oben auf der Tribüne sitzen? Weil man seiner Arbeit nachgeht?
Es ist naheliegend, dass wieder eine Diskussion darüber beginnen könnte, welche Sonderrechte und Privilegien Fußballer haben.