Ja, in der SZ gab es auch kritische Berichte zur schwedischen Corona-Politik. Warum auch nicht? Ist das verboten? Ist das
Bei Frank verstehe ich seine Reaktion ja; er ist durchaus drin im Thema, ist hier aber auch der Schweden-Mann, der lange in die Ecke gestellt wurde. Da wäre ich auch nicht sachlich, wenn ich einen Punkt machen könnte. Aber mappes... du Hofnarr, BILD hat nichts mit Bildung zu tun.
Die SZ hat nicht so einseitig berichtet, wie ihr es glauben wollt. Habt ihr denn Belege für eure Vorurteile? Ich habe Belege für meine Aussage, gleich folgt ein ausgewogener Artikel über Schweden vom 20.4.2020. Der Text ist recht lang, ich würde mich freuen, wenn ihr durchhaltet und gründlich lest. Aber davor:
Für Leute, die nur Schwarz/Weiß denken und nicht mit Unwägbarkeiten umgehen können, ist das womöglich zu schwierig.
Süddeutsche Zeitung hat geschrieben:
Schweden ist so frei
Von Kai Strittmatter, Kopenhagen
Schweden sei das säkularste Land der Welt und habe Gott längst abgeschafft, stand kürzlich in einer der großen Stockholmer Zeitungen. Aber da ist jetzt dieser Anders Tegnell, der Tag für Tag um 14 Uhr herabsteigt zur Nation, die ihn erwartet, als sei er, so die Zeitung, "der Gesandte des Herrn", um immer dieselbe Botschaft zu überbringen: Fürchtet euch nicht!
"Wir sind vorsichtig optimistisch", das ist so ein Tegnell-Satz, den er wie ein Mantra wiederholt. Und vielleicht muss man den Satz in dieser sonoren Stimme hören und den Mann sehen, wie er da steht, mal in verwaschener Jeans, mal in zerknitterten Chinos, dazu meist ein Strickpulli und das Haar ausgefranst. Gelassen pariert er die Anwürfe seiner Kritiker, auch den von Donald Trump, der Schweden schon auf dem Weg in Richtung Corona-Hölle sieht: "Ich denke, Schweden geht es gut", brummte Tegnell. "Es produziert Qualitätsresultate, wie es das schon immer getan hat."
Der 64-jährige Anders Tegnell ist Schwedens Staatsepidemiologe, und weil das schwedische System den Experten der Bürokratie viel Macht einräumt, sind es die Gesundheitsbehörde und vorneweg Tegnell, die in diesen Tagen das Land führen. Ministerpräsident Stefan Löfven und der Rest der Nation trotten den Empfehlungen brav hinterher. Es ist um den sehr schwedisch nüchternen Beamten Tegnell ein eher unschwedischer, leicht hysterischer Kult entstanden, mit Tegnell-T-Shirts, Rappern, die ihn besingen als den Typen, der "diese fiese Kurve abflacht", und Facebook-Fangruppen, in denen Frauen gestehen, sie träumten von ihm.
Den meisten Schweden gefällt an Tegnell, dass in diesen Zeiten einer anführt, der sich der Wissenschaft verschrieben hat und nicht der Politik, einer, der seine Frisur im Moment so wenig im Zaum hat wie sie selbst, einer, in dem sie sich wiederfinden. Das erzählt auch ein Stockholmer Ehepaar. Bei einem Videogespräch schildern sie, wie sich auch ihr Leben komplett verändert hat. Er ist Lehrer, sie ist die Chefin einer Kommunikations- und Eventagentur. "Tegnell hat keinen Humor, er zeigt keine Gefühle", sagt die Agenturchefin, er sei also ein Schwede wie aus dem Bilderbuch: "Ehrlich und authentisch, und immer offen, wo er keine Antwort hat. Man nimmt ihm ab, dass er 24 Stunden daran arbeitet, dass es allen besser geht." Man möchte ihm gerne glauben, also tut man es, als Schwede.
Doch, es gibt sie schon, die Schweden, Wissenschaftler oft wie Tegnell, die finden, sein Kurs führe die Nation "in die Katastrophe", er spiele "russisches Roulette". Deshalb betitelte die Zeitung Svenska Dagbladet ihr Tegnell-Porträt auch mit der Zeile: "Der Staatsepidemiologe, der Schweden spaltet". Aber die Wahrheit ist: Anders Tegnell spaltet die Schweden im Moment so, wie Angela Merkel die Deutschen mit ihrer Coronavirus-Politik spaltet: nämlich eigentlich gar nicht. Drei von vier Schweden stehen hinter Tegnells Kurs, so wie vier von fünf Deutschen hinter Merkels Kurs stehen.
Das ist deshalb spannend, weil Schweden oft das Gegenteil von dem tut, was Deutschland und der Rest von Europa tun. Deutschland machte dicht, ebenso Dänemark, Norwegen, Finnland, der ganze Norden. Einzig Schweden blieb offen: Bis heute sind die Restaurants nicht geschlossen, die Kirchen nicht, die Fitnessstudios nicht, die Friseurläden nicht und auch nicht die Schulen bis zur 9. Klasse. Im Skigebiet Åre feierten die Leute noch Wochen nach Ischgl Après-Ski-Partys.
Die Schweden wurden bestaunt und mussten sich irre nennen lassen, und am Anfang war auch die Nervosität im Land noch größer. Mittlerweile aber feiern Stockholmer Boulevardblätter Schweden als Insel der Freiheit und des gesunden Menschenverstands in einem Kontinent der geschlossenen Gesellschaften. Die Grenzen sind übrigens auch auf, für EU-Bürger zumindest. Schweden im April 2020, schreibt das Boulevardblatt Expressen stolz, sei "das freieste Land der Welt".
Und so ist in Schweden ein Experiment zu beobachten, das immer mehr für Aufmerksamkeit sorgt. Von den einen wird es verdammt als sicherer Weg in den Untergang, von den anderen als Modell gefeiert. Im Zentrum steht die Frage: Was, wenn es gar keinen Lockdown braucht, keine Ausgangssperren und drastischen Restriktionen, um die Pandemie zu bekämpfen? Eine endgültige Antwort auf diese Frage, das vorneweg, gibt es noch nicht.
Eines ist wichtig: Es stimmt nicht, dass Schweden so weitermacht, als sei nichts geschehen. Es ist sogar so, dass Anders Tegnell mehrmals behauptete, eigentlich tue man genau das Gleiche wie alle anderen. Das Ziel ist auch in Schweden, die Kurve der Infektionen so flach zu halten, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Wie anderswo auch setzt man auf Social Distancing, versucht also, die Leute dazu zu bringen, voneinander Abstand zu halten. Nur tut man es ohne viele Restriktionen. "Wir können nicht alles mit Gesetzen und Verboten regeln", sagte Ministerpräsident Löfven. "Es ist auch eine Frage des Gemeinsinns." Die Behörden haben zwar die Hochschulen und Oberstufen der Schulen geschlossen, sonst aber appellieren sie an die Vernunft und das Verantwortungsgefühl der Bürger. Die Menschen sollen freiwillig zu Hause bleiben. Funktioniert das?
"Wenn die Leute hierherkämen, ich glaube, sie würden im Straßenbild keine allzu großen Unterschiede feststellen", sagt der Stockholmer Lehrer im Videogespräch. Ja, die Restaurants und Bars sind geöffnet, aber es ist nur noch Bedienung am Tisch erlaubt, und die Lokale waren bis zum vergangenen Wochenende größtenteils leer. Für die Innenstadt von Stockholm hat die Regierung zuletzt 70 Prozent weniger Verkehr gemessen als zu Vor-Corona-Zeiten. Die Altstadt ist verwaist, und letzte Woche erklärte die Modekette MQ den Konkurs, weil die meisten Schweden auch das Shoppen eingestellt haben. Der Lehrer und die Agenturchefin arbeiten nun größtenteils zu Hause, wie im Moment die Hälfte aller schwedischen Arbeitnehmer. Sie gehen nicht mehr aus zum Abendessen, und sie nehmen weder Bus noch Metro. Ab und zu treffen sie sich zum Spaziergang mit Bekannten. "Ich war immer sehr für die schwedische Strategie. Ich glaube, sie hat diese furchteinflößende Situation weniger furchteinflößend gemacht, als wenn wir komplett eingesperrt wären. Es gibt keine Panik in Schweden", sagt die Agenturchefin. Das Paar hat zwei Söhne, vierte und siebte Klasse, die beide weiter in die Schule gehen. "Dass die Kinder in der Schule bleiben durften, war unheimlich wichtig, sodass die Leute weiterhin arbeiten gehen können. Wenn du alles zumachst, hat das unglaubliche Auswirkungen auf die Wirtschaft. Was soll denn mit all den Arbeitslosen passieren?"
Schwedens Strategie basiert auf folgenden Annahmen: Solange es keinen Impfstoff oder eine Herdenimmunität gibt, kann man das Virus nicht besiegen, sondern nur managen. Die Menschen werden damit leben müssen. Mit drastischen Restriktionen aber, zu Hause eingesperrt, kann keine Gesellschaft länger als ein paar Wochen leben. Die psychischen und wirtschaftlichen Folgekosten werden zu hoch. Es gilt, eine Balance zu finden: Die Menschen müssen geschützt werden, aber man darf das Land nicht zerstören.
Das hat einen Preis. Die Sterbezahlen für Schweden sind hoch. Pro Kopf der Bevölkerung zählt Schweden im Moment dreimal so viele Corona-Tote wie Deutschland, fünfmal so viele wie Norwegen und zehnmal so viele wie Finnland - alles Länder, die auf Restriktionen setzen. Aber diese Zahlen sind nur Momentaufnahmen. Anders Tegnell sagt, erstens zählten alle nach anderen Methoden, zweitens wisse keiner, ob am Ende die Nachbarn ebenso viele oder mehr Tote zählen, etwa dann, wenn sie ihre Restriktionen wieder lockern.
Tegnell bestreitet, dass seine Strategie die Herdenimmunität sei. Es gehe darum, die Infektionszahlen immer gerade so niedrig zu halten, dass das Gesundheitswesen nicht zusammenbricht, und um genug Personal - das war einer der Gründe, die Grundschulen und Kindergärten offen zu halten. Im Moment klappt das noch: Der von vielen schon zu Ostern befürchtete Kollaps der Hospitäler und Intensivstationen ist bislang ausgeblieben. Schweden zählt ungleich mehr Tote als die Nachbarn, aber es liegt mit der Sterberate pro Million weit hinter Ländern wie Spanien, Italien, auch hinter den Niederlanden und der Schweiz.
Larissa Holterman ist eine deutsche Ärztin, vor sechs Jahren zog sie aus München nach Schweden. Sie arbeitet abends und am Wochenende in der Covid-19-Aufnahme in einem Krankenhaus in Stockholm, nebenbei forscht sie zur Prioritätensetzung im Gesundheitswesen. Sie findet, die anderen Länder starrten zu sehr auf die aktuellen Todeszahlen, wenn sie nach Schweden schauen: "Wie viele aber werden in Deutschland und den anderen Ländern sterben, wenn die zweite Welle kommt? Wie viele an Suiziden? An Krebs? An jetzt nicht behandelten Krankheiten? Hier bereiten sie sich jetzt schon auf den Herbst vor, auf die psychischen Erkrankungen."
Holterman sieht die vielen Mängel im schwedischen Gesundheitssystem, das in den vergangenen Jahren durch Privatisierungen und Sparmaßnahmen geschwächt wurde. Sie sagt, sie fühle sich jedoch sicher an ihrem Arbeitsplatz, und sie steht hinter der schwedischen Strategie. Wenn sie nicht arbeitet, bleibt sie zu Hause. Beim Telefonat meldet sich ab und zu ihre vierjährige Tochter im Hintergrund, Holterman schickt die Kleine nicht in den Kindergarten, obwohl der geöffnet hat. "Ich habe große Angst vor den wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen auf lange Sicht", sagt sie. "Und deshalb freue ich mich auf eine Gesellschaft, zu der ich zurückkehren kann, wenn das alles vorbei ist. Die haben wir dann hier in Schweden nämlich noch."
Die Behörden sprechen oft von Vertrauenskultur: Die Bürger vertrauen der Regierung, die Regierung vertraut den Bürgern, und die Bürger vertrauen einander. "Ich bin mir nicht sicher, ob das in anderen Ländern funktionieren würde", sagt die Kommunikationsberaterin. Ihre Agentur hat ein Büro in Frankreich. "Meine französischen Kollegen sagen, in Frankreich würden die Leute oft mit Absicht das Gegenteil von dem tun, was die Regierung ihnen sagt, als Akt der Rebellion. Wir in Schweden? Nein, wir tun, was man uns sagt, wenn wir die Empfehlungen für vernünftig halten. Wir sind nicht so rebellisch." Sie macht eine Pause. "Auch deshalb, weil wir es nie nötig hatten."
Die Regierung meinte es meist gut mit den Schweden die letzten Jahrhunderte. Und den Gemeinsinn gibt es. Als die Region Stockholm vor Ostern um Freiwillige flehte für die Krankenhäuser, meldeten sich in kurzer Zeit 6000 Leute. Darunter Prinzessin Sofia, die nach einem dreitägigen Pflege-Blitzkurs jetzt auf Station im Sophiahemmet-Krankenhaus aushilft.
Ist Schweden also eine gesegnete Nation? Oder mit gefährlicher Blindheit geschlagen? Schweden, heißt es in einem viel diskutierten Aufsatz der Schriftstellerin Elisabeth Åsbrink, habe nach Jahrhunderten ohne Krieg, Revolution und andere Katastrophen die Fähigkeit verloren, eine große Gefahr als solche zu erkennen: Den Schweden sei der Glaube eingepflanzt, dass ihnen nichts Schlimmes widerfahren könne. Schweden sei so zu einem "friedensgeschädigten Land" geworden, schreibt sie, unfähig, im Angesicht einer Katastrophe angemessen zu handeln. Vertrauen in einer solchen Nation werde leicht zum Synonym für "Passivität, Fahrlässigkeit und Faulheit".
Stimmt, sagt Lena Einhorn, ebenfalls Schriftstellerin und ausgebildete Virologin dazu: "Schauen Sie sich Israel an. Die waren mitten in einer Regierungskrise und hatten trotzdem einen Lockdown, bevor einer auch nur Pieps sagen konnte." Lena Einhorn gehört zu den 22 Wissenschaftlern, die mit einem offenen Brief in der Zeitung Dagens Nyheter vergangene Woche Alarm schlugen, den Gesundheitsbehörden Versagen vorwarfen und einen sofortigen Kurswechsel verlangten. Es ist der zweite solche Brief, den davor hatten 2000 Wissenschaftler unterschrieben. Als eine der ersten Kritikerinnen konfrontierte Lena Einhorn Anders Tegnell in einer Talkshow, man sieht in der Aufzeichnung, wie sie versucht, die Empörung von Wochen in ein paar Minuten zu pressen, während Tegnell so stoisch und ruhig wie immer alle Kritik an sich abperlen lässt. "Wenn Anders Tegnell sich da hinstellt jeden Tag, so gefasst, und sagt, er sei vorsichtig optimistisch, dann möchtest du ihm glauben. Hey, ich würde ihm auch gerne glauben!", sagt Lena Einhorn am Telefon. "Wir alle haben verschiedene Wege, unsere Furcht zu kanalisieren, den Kontrollverlust und die Ohnmacht. Also werden einige von uns zu Aktivisten. Andere flüchten sich ins Vertrauen, sie legen ihr Leben in seine Hände. Es ist dann einfacher zu leben, zu funktionieren, zu existieren."
Die Kritiker werfen den Gesundheitsbehörden eine ganze Reihe von Versäumnissen vor, etwa den allzu langen Verzicht auf großflächige Tests, vor allem hätten Anders Tegnell und seine Kollegen keine nachvollziehbaren Modelle vorgelegt. "Und bis heute spielen sie die Gefahren der asymptomatischen Ansteckung herunter", sagt Lena Einhorn. "Ihre Empfehlung lautet schlicht: Bleib zu Hause, wenn du dich krank fühlst. Dabei wissen wir mittlerweile, dass Leute ansteckend sind, die gar keine Symptome haben."
Ein Pfeiler der schwedischen Strategie war es, die Risikogruppen zu isolieren und zu schützen, die besonders gefährdeten Alten vor allem. Diese Mission ist spektakulär gescheitert: Schon um Ostern herum war klar, dass Covid-19 in einen Großteil der Altenheime in der Region Stockholm eingedrungen war, schätzungsweise ein Drittel aller Todesfälle ereignete sich dort. Manche machen die prekären Arbeitsbedingungen der Pfleger verantwortlich: Viele schlecht bezahlte Arbeitskräfte können es sich nicht leisten, zu Hause zu bleiben, auch nicht, wenn der Hals kratzt. Lena Einhorn ist zudem überzeugt, dass die asymptomatischen Übertragungen eine große Rolle spielten: "Das ist offensichtlich. Und noch immer geben sie es nicht zu."
Vertrauen und gesunder Menschenverstand statt Verboten und Gesetzen. Als Demokrat kann man dem schwedischen Modell eigentlich nur die Daumen drücken. Aber wird es funktionieren? Oder ist es ein Höllenkommando, wie manche Kritiker befürchten, wird es allzu viele Leben fordern unter den Schwächsten und Ältesten? Anders Tegnell sagt, er sei guter Dinge, dass die Infektionskurve in Schweden dabei sei, sich abzuflachen. Wenn das stimmt: Hat Schweden dann nur unverschämt viel Glück gehabt? Vielleicht auch einzigartige Voraussetzungen, die kaum übertragbar sind auf andere? Es ist eine Nation, die sich mit dem Alleinsein noch nie schwertat. Die Hälfte der Haushalte in Schweden sind Singlehaushalte.
Wenn es aber stimmt, fragen die Kritiker, dass man erst in ein paar Jahren wissen wird, wer die besseren Instrumente eingesetzt hat - warum geht man dann nicht heute auf Nummer sicher? Manche zeigen auf Mette Frederiksen, die Regierungschefin des Nachbarlandes Dänemark, die bei der Verkündung von Restriktionen gesagt hat: "Lieber gehen wir heute einen Schritt zu weit, als dass wir in drei Wochen feststellen müssen, wir haben zu wenig getan."
Das Erstaunlichste ist wohl, dass über all das in Schweden kaum diskutiert wurde: In den vergangenen Wochen waren Opposition und die meisten Medien überraschend einig in ihrem Rückhalt für die Regierungslinie gewesen, die Debatte erwacht gerade erst. Ja, gibt einer der Stockholmer Gesprächspartner zu, ein Fan Tegnells, die Gesprächskultur die letzten Wochen erinnere schon "ein wenig an Nordkorea". "Wenn du Einwände vorbringst", sagt Lena Einhorn, die Virologin und Schriftstellerin, "ist es so, als spucktest du gegen den Wind."
Nehmen die Schweden das Virus ernst genug? Diesen Sonntag und Montag druckten die Zeitungen erneut Fotos von Menschen, die sich in der Sonne in den Cafés des schicken Viertels Södermalm drängen. Und beim Ausverkauf in den Läden der pleitegegangenen Kleiderkette MQ rangen die Leute um die Pullis. Klar, die vielen, die zu Hause bleiben, sieht man nicht.
Als ein norwegischer Journalist Anders Tegnell fragte, ob er die Schweden nicht zu Versuchskaninchen in einem gefährlichen Laborversuch mache, antwortete Tegnell, im Moment seien alle Versuchskaninchen - und die Norweger und die Bewohner aller anderen Länder mit strengen Restriktionen vielleicht "noch viel mehr als wir".