Mein lieber Haber, ich antworte Dir ausführlicher, entgegen dem Zeitgeist... musch ja nicht zu Ende lesen, wenns Dir nicht zusagt:
Gang Cannstatt hat geschrieben:Die kiffen alle immer beim Musikmachen, sonst nicht. Drei vertragen das gut, einer wird immer vergesslicher im Alltag. Das mit dem Vergesslichwerden, stimmt das?
Man wird im Alter unweigerlich vergesslicher (aus übrigens sehr unterschiedlichen neurobiologischen Gründen, wovon einige gar nichts mit echtem "Vergessen" zu tun haben).
Ob Dein Kumpel also überhaupt pathologisch vergesslich ist, müsste erst einmal von einem Facharzt gründlich untersucht werden (und sollte es im Verdachtsfall auch, btw !)
Gang Cannstatt hat geschrieben:Aber sonst nehme ich keine Verhaltensprobleme wahr.
Ich habe aus Neugierde schon einige Sachen ausprobiert als junger Mensch. Die meisten nur ein mal. Bei Heroin war mir z.B. sofort klar, dass man das nur einmal ausprobieren darf, weil dessen Wirkung einfach unfassbar stark ist, selbst für einen Menschen, dem es sehr gut geht. Aber man kann sich sofort vorstellen, was Heroin für ein Suchtpotential für einen Mensche haben muss, dem es schlecht geht. LSD und Psilocybin habe ich mehrmals ausprobiert und würde mich hier vielen anderen anschließen, die gesagt haben, dass man dabei Erfahrungen macht, die man nicht mehr missen möchte. Kokain habe ich auch nur genau einmal ausprobiert, weil ich mir das Handgelenk saudumm gebrochen hatte und an der jugendlich-naiven Vorstellung gefallen gefunden hatte, das Nützliche mit dem Besonderen zu verbinden. Vor zwei Jahren habe ich dann nochmal Sufentanil "ausprobiert". Sufentanil ist das stärkste Schmerzmittel auf der Welt, noch etwa 10 mal potenter als Fentanyl und 1000 mal potenter als Morphium. Man spürt dann quasi bei vollem Bewusstsein gar nichts mehr, nicht mal mehr den Boden unter den Füssen. Obwohl ich es nur einmal sehr dosiert genommen hatte, hatte ich danach bereits leichte Entzugserscheinungen - mich wundert deshalb überhaupt nicht mehr, warum in den USA selbst höchstkatholische Hausfrauen nach einem Klinikaufenthalt wegen eines marginalen Sturzes in die Sucht abrutschen und schließlich daran draufgehen. Sufentanil ist pures Teufelszeug, es hat außerhalb eines OPs nichts zu suchen und gehört alleine in die Hände von Anästhesisten.
Ansonsten habe ich aber meist die Finger von den rein chemischen Sachen gelassen (okay, Ectasy paarmal, im Club der Visionäre

, bevor er abbrannte). Als Zivi im sozialpsychatrischen Dienst hatte ich es mit einigen sehr jungen Menschen zu tun, die nach solchen Experimenten in eine drogeninduzierte Psychose abgerutscht sind. Sehr, sehr unschön, keine Bagatelle und mit lang anhaltenden Folgen behaftet.
Trotzdem fand ich in toto betrachtet bei keiner anderen Droge das Verhalten mancher Leute so unangenehm, wie bei Alkohol. Die einen (eher friedlichen) werden ja vom Alkohol eher müde, die anderen werden davon sehr unangenehm aggressiv. Alkohol ist eigentlich die "dümmste" Droge, die man überhaupt nehmen kann. Es ist ja auch im Prinzip gar keine Droge, weil es keinen Rezeptor gibt. Es ist einfach nur ein Zellgift, dessen toxische Vergiftungserscheinungen betäubende Wirkung besitzen. Alkohol ist als Droge etwa so effektiv, wie wenn man sich mit dem Hammer auf den Kopf haut (ohne Scherz!). Seine "bewusstseinserweiternde" Eigenschaft ist nahezu Null und die negativen Folgen sehr unangenehm. Es ist wirklich nicht zu verstehen, warum Alkohol die mit großem Abstand meist konsumierte Droge in Deutschland ist.
Cannabis ist hingegen bei mäßigen Konsum - ich habe früher vielleicht 5-10 Tütchen im Jahr geraucht - eine sehr interessante Droge. Bei geringstem Risiko hat man einen sehr feinen Perspektivwechsel, der jedes mal wieder etwas anders ausfällt und jedes mal großen Spaß bereitet, in der zu Grunde liegenden Stimmung auf humorvollste Weise betrachtet und ausgelotet zu werden.
Im Grunde würde ich heute dazu neigen, jedweden Drogenkonsum einzuschränken. Menschen brauchen keine Drogen. Nicht wenn sie gesund sind und schon dreimal nicht, wenn sie sich psychsich nicht gut fühlen. Starke Halluzinogene könnte man meiner Ansicht nach noch in bestimmten Einrichtungen unter medizinischer Aufsicht als "Seminare" zulassen. Alkohol, Heroin, die synthetischen Opiate, würde ich komplett verbieten. Das ist pures Gift.
Cannabis würde ich aus kontrolliertem Anbau - also CE-zertifiziert - für Menschen ab 21 Jahren als einzige Droge noch zulassen. Für Menschen mit z.B. spastischen Lähmungen auch auf Kosten der Krankenkasse.
Ansonsten kann ich aber wirklich aus tiefster Überzeugung und auch ein wenig Erfahrung sagen: es gibt keinen interessanteren Zustand, als das klare Bewusstsein, WENN man es nutzt sich mit den vielen hoch interessanten Phänomenen und Fragen des Menschseins zu beschäftigen. Neugierde benötigt nunmal einen klaren Verstand zu seiner vollkommenen Entfaltung. Deshalb nehme ich - bis auf den "wissenschaftlichen" Sufentanil-Selbstversuch - schon seit Jahren gar keine Drogen mehr. Alkohol, bestenfalls mal ein Radler (ich vertrage ihn auch in der Abstinenz überhaupt nicht mehr) Aber auch kein Nikotin oder Koffein. Wahrscheinlich hat der Karl Lauterbach sogar recht damit, wenn er komplett auf Salz und Zucker als Gewürze verzichtet. Mal sehen, ob ich da auch noch hinkomme...
Mich betört die Idee hinter dem Wort Anhedonie.
Ernsthaft, Hedonismus ist nur was für totale Cretins!
Und Du, Häberle, verrätsch mir, wie Deine Erfahrungen so sind?