Haha, SPON sortiert das unter "Panorama" ein! (Die kennen halt ihre Pappenheimer):
https://www.spiegel.de/panorama/deutsch ... 1991601520"
Nun hat in Deutschland eine wahrlich erstaunliche Militärbegeisterung Platz gegriffen...":
Was der Fischer so für Leute kennt, verrückt.
"
Ein autoritärer Staat mit schlechter Menschenrechtssituation sei besser als ein autoritärer Staat mit völkerrechtswidrigem Krieg."
Ja, natürlich, Herr Fischer. Das ist tatsächlich so, auch wenn´s weh tut (mir jedenfalls), das so formulieren (oder lesen) zu müssen.
Fischer hat in vielen Punkten recht, und seine Aufzählung des moralischen Versagens des "Westens" in der Vergangenheit ist so korrekt wie unvollständig. Sein Text würde für mich aber tatsächlich erst zu einer runden Sache, enthielte er wenigstens einmal (!) eines der beiden Worte "Souveränität" oder "Integrität" im Kontext des Adjektivs "ukrainisch".
Schöne Passage:
"Aber dass der Regierung dazu nichts Besseres einfällt als ein 100 Milliarden-Rüstungsprogramm, hätte vor 25 Jahren zum Massenhungerstreik sämtlicher Landeskirchen, Gewerkschaften, Universitäten und Biobauernhöfe geführt. Und zwar zu Recht."
Eigentlich drückt er damit ja nur aus, dass ein Protest - so er denn von diesen Akteuren kommt - schon vor 25 Jahren nichts bewirkt hätte.
"
Wer erklärt, man müsse, um den Krieg möglichst schnell zu beenden, möglichst viele Waffen liefern, lügt."
Das stimmt. Aber was ist denn die Alternative? Keine Waffen liefern, und Russland die Ukraine erobern/zerstören lassen? Putin sich diese Gebiete genauso völkerrechtswidrig einverleiben zu lassen wie Südossetien, Abchasien, die Krim und die Ostukraine? Weiß der Fischer da etwa schon mehr, nämlich mit absolut hundertprozentiger Sicherheit, das der kleine Putin sich dann endlich wieder groß genug fühlt, und die Finger von Polen, Finnland und dem Baltikum lässt? Warum sollte sich der Westen bei seiner Reaktion auf Russlands Krieg ausgerechnet von
Thomas Fischer Neville Chamberlain inspirieren lassen?
Als Fischer die Baerbock zitierte (
»Bei Fragen von Krieg und Frieden, bei Fragen von Recht und Unrecht kann kein Land, auch nicht Deutschland, neutral sein.«) und er deren Aussage in einen bestimmten zeitlichen Kontext stellte (Zitat Fischer:
"Zufällig wurde dieser schöne Satz am 60. Jahrestag der Verträge von Evian (18. März 1962 gesprochen, die den achtjährigen Kolonialkrieg Frankreichs gegen die algerische FLN beendete."), da habe ich mich gefragt: Hat der alte Mann solche Koinzidenzen tatsächlich abrufbereit auf der Platte? Oder kramt er in irgendwelchen Online-Archiven, im Hinterkopf immer den Suchbegriff "Welche Scheiße hat der Westen an genau diesem Tag vor xx Jahren beendet, mittels derer ich ihm jetzt beweisen kann, dass er ja damals selber total imperialisitisch gehandelt und somit...hm...ja was eigentlich?...achja! im Fall des Ukrainekrieges jegliche bigotteriefreie Urteilsfähigkeit eingebüßt hat?" vor sich hinsummend?
Das Fischer noch so ironisch ausgefeilt und argumentativ differenziert kolumnisieren kann, wo doch drüben im Jemen "
inzwischen 90 Prozent der Zivilbevölkerung von Hunger, Durst und Seuchen bedroht, Zehntausende getötet" werden und "
vier Millionen Flüchtlinge...im Elend" leben!, erstaunlich. Nicht das ihm derlei kognitive Beschwernisse noch die gut gepolsterte Pension vermiesen.
Welche Indifferenz ist leichter zu ertragen, die der anderen oder die eigene?
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
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"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."