Nice Weather hat geschrieben:Immer häufiger hat man den Eindruck, dass manche Politiker so geübt im Ausweichen von Fragen sind, dass sie gar keine direkte Antwort mehr geben können, selbst wenn sie es wollten.
https://www.spiegel.de/politik/olaf-sch ... cd0bd8791c
Auch eine Kunst: Scholz sagt mehrmals recht deutlich, dass Deutschland das liefert, was Sinn ergibt – aber es kommt nicht rüber, oder man glaubt es ihm nicht. Das muss man erstmal schaffen.
Dieses Interview sollte wohl die Debatte um seine Person entschärfen, und das gelingt ihm nicht. Dabei würde ich die Fragen trotz aller willkommenen Härte durchaus als wohlwollend bezeichnen, und ich kann auch mit den Antworten inhaltlich teilweise was anfangen. Aber wenn’s hart auf hart käme, wollte ich den nicht als Klassensprecher haben, und das ist ein Problem.
Kommunikation ist wichtig, und dieses Herumlavieren und Ausweichen, um ja nichts zu formulieren, was einem irgendwann aufs Brot geschmiert werden könnte, war noch nie eine gute Taktik, ich verstehe nicht warum das ständig betrieben wird: die Leute hassen das. Man verlässt sich auf das kurze Gedächtnis der Bevölkerung: der Pöbel wird so ein Wischi-Waschi-Interview schon vergessen, Hauptsache es steht nix in den Archiven, was später eingefordert werden kann. Anscheinend funktioniert das leider, aber die Glaubwürdigkeit bleibt auf der Strecke, es ist ein aktiver Beitrag zur Erosion von Demokratie, die überall beklagt wird. Und in solchen Momenten wie jetzt isses katastrophal.
Das ist in der Tat das Hauptproblem, weshalb Politiker aller Parteien in Verschiss gekommen sind.
Viele der Fragen, die ihnen gestellt werden, können mit einem einfachen "Ja", "Nein", "Weiß ich nicht" beantwortet werden.
Aber mit diesem aufgeblasenen um den heißen Brei Herumreden entlarven sie sich auch.
Insofern sind Baerbock und Habeck wohltuende Ausnahmen.
Aber vielleicht sind sie nur noch nicht lange genug im Geschäft.

Häggor, fliag iebor da Näggor, fliag iebor da Rai, fliag midda drennai

