Unter Westfalen hat geschrieben:Freiburg macht auf.
Da geht noch was.
Ja, 1:3
Don't criticize what you can't understand
Unter Westfalen hat geschrieben:Freiburg macht auf.
Da geht noch was.

Am Freitagabend saß ich mit meinem Bruder auf der Couch und wir haben uns ein sehenswertes Eröffnungsspiel angesehen. Trotz einer 5:0 Führung zur Halbzeit fühlte ich mich nicht gelangweilt, sondern konnte den Fußball genießen. Auch wenn die zweite Halbzeit dann nur noch ein intensiveres Auslaufen war, war das Spiel an sich für mich dennoch sehenswert. Mein Beitrag wird beim weiteren Lesen etwas anderes suggerieren, aber die Bundesliga ist immer noch ein großartiges Produkt, weil Fußball an sich eine spannende Beschäftigung ist. Aber, und das wird mir mit jedem Jahr bewusster, es könnte so viel besser sein. Vielen wird der weitere Verlauf meines Beitrages nichts neues bringen. Keinen Erkenntnissgewinn, weil diese Diskussion zuhauf geführt wurde. Es ändert sich nichts. Das Problem dabei ist: Wie auch? Aber von vorne…
Es hat sicher nicht die zehnte Meisterschaft in Folge gedauert, bis klar wurde, dass Bayern der Liga enteilt ist. Kinder gehen bald auf eine weiterführende Schule, ohne je einen anderen Meister in der Bundesliga erlebt zu haben. Ich kann mich in meiner Jugend noch daran erinnern, dass Kinder eingeschult wurden, die nie einen Dortmunder Derbysieg erlebt haben. Das war schon eine riesige Sensation. Das Abo der Münchener toppt diese Leistung nochmal um ein Vielfaches. Im Sport geht es darum zu gewinnen. Am besten Titel. Das bekommt man als Kind schon in der Schule eingebläut. Auch dort will man als Kind beim Völkerball gewinnen, später bei den Bundesjugendspielen geht es darum wer die besten Werte erreicht. In meiner Grundschule gab es einmal pro Jahr einen Wettbewerb zwischen allen Klassen. Es wurde gerannt, gesprungen und geworfen. Jede Klasse wollte den Gesamtsieg. Auch hier hat ein zweiter Platz niemanden interessiert. Sobald man als Kind dann einem Sportverein beitritt verstärkt sich dieser Effekt. Es gibt zwar eine Entwicklung dahingehend, dass die reine Leistung an sich schon Klasse ist, aber trotzdem weinen die Kinder hier im Kreis noch, wenn sie im Pokalfinale nur zweiter werden. Die Gewinner weinen nie. Was ich mit diesen pathetischen Geschichten erzählen will, ist, dass es im Sport irgendwie immer ums Gewinnen geht.
Im Basketball ist Michael Jordan eine Legende, Tom Brady wurde zum Goat und das Trio aus Federer, Nadal und Novak sind jedem Sportinteressiertem ein Begriff. Die Bundesliga ist aber mittlerweile starr vor Langeweile an der Spitze. Um diese Langeweile zu ertragen, redet man sich ein, dass auch die hinteren Plätze zur Attraktivität der Liga beitragen. Das ist richtig und ich kann auch eine Saison genießen, wenn der Meister am 28. Spieltag feststeht, aber die Liga manövriert sich aktuell in eine Situation, in der nicht nur der Meister am ersten Spieltag feststeht.
In Zahlen ausgedrückt ist Bayern in den letzten fünf Jahren im Schnitt mit elf Punkten Vorsprung Meister geworden. Es gibt also nicht nur einen Dauermeister, sondern auch eine Dauerlangeweile an der Tabellenführung. Ich bin mir sicher, dass ich besser mit einem Dauermeister leben könnte, wenn der Weg dahin eng und ausgeglichen wäre, aber weiter könnte man davon kaum entfernt sein.
Genauso gut könnte ich mit einem Dauermeister leben, wenn dafür der Kampf um die Champions League Plätze eng umkämpft wäre. Aber Selbst das ist seit ein paar Jahren nicht mehr der Fall. In den letzten fünf Saison kamen Bayern und Dortmund fünfmal in die CL und Leipzig viermal (in Folge). Selbst die Champions League Plätze sind also eigentlich auch schon seit Jahren vergeben. Hier ist es zwar knapper als beim Meister, aber im Ergebnis gibt es drei Vereine, die schon drei der vier Plätze blockieren. Die restlichen Plätze wurden an Leverkusen (2) und TSG/Schalke/Wolfsburg vergeben, wobei zwei davon in einer Saison vor fünf Jahren.
Vergleicht man diese Dominanz mit den ersten Saisons dieses Jahrtausends, dann fällt auf, dass es mittlerweile eine Stauchung gibt, die es damals noch nicht gab. Es war zwar auch normal, dass Bayern unter die ersten vier kommt (5/5), aber dahinter gab es nicht noch zwei Vereine, die immer dabei sind. Es wechselten sich tatsächlich Vereine ab, die für eine gute Saison belohnt wurden. Mal spielte Dortmund/Leverkusen eine gute Saison (3/5), dann mal Schalke/Hertha/Werder/Stuttgart (2/5) oder sogar mal der HSV (1/5). Es gab in der Zeit ein großes Durcheinander in der Tabelle. Ich weiß, dass ich jetzt wie ein Boomer klinge, aber so verkehrt war das früher nicht. Ich habe mitgefiebert und erinnere mich noch an die Saisonfinals von damals oder aber auch an die großartige Saison von Werder. Heute feiert man, wenn ein Verein überraschend vierter wird oder wenn Köln das europäische Geschäft erreicht. Aber erinnert man sich daran auch noch in zwanzig Jahren? Oder ist das nur eine Freude zum Selbstschutz, um die Langeweile an der Spitze zu kompensieren? Ich habe da viel mit meiner Freundin drüber gesprochen, die im Bereich der Psychologie promoviert und wir kamen immer zu dem Schluss, dass das ein Selbstschutz des Fans sein könnte, der seine Liebe, die Bundesliga, so schützen will.
Denn wie interessant ist es, welche Vereine in die Europa League einziehen, wen es auch da oft die gleichen sind? Denn die Regel ist, wenn Leverkusen oder Leipzig nicht in die CL kommen, dann sind die zumindest auf den ersten Plätzen dahinter. Die Bundesliga hat sieben internationale Plätze und vier sind seit fünf Jahren fest vergeben. Also über 50%. Danach gibt es dann zumindest ein großes Hauen und Stechen um die Plätze, aber, wie schon erwähnt, interessiert es einen Nicht-Verein-X-Fan wirklich, ob jetzt Köln oder Freiburg in der Europa League spielt? Ich glaube nicht. Es ist eine schöne Randgeschichte, mehr aber dann auch nicht.
Wenn man nach Gründen für die Dominanz dieser Teams sucht, dann springen diese einem ins Gesicht. Zum ersten ist da die große Differenz in den Transferausgaben. Bayern hat ein Transferminus von 58 Millionen und damit mehr als das doppelte vom Vizemeister und Europa-League-Sieger. Diese beiden hatten dagegen sogar im Vorjahr ein Transferplus, während Bayern auch da ein Transferminus hatte Wenn man nur die Ausgaben betrachtet, dann wird die Diskrepanz noch deutlicher. Die Münchener haben 138 Millionen für neue Spieler ausgegeben. Das ist so viele wie 14 andere Vereine aus der Bundesliga. Es sind dementsprechend 18 Vereine in der Liga, wovon aber einer mehr ausgeben kann als 14 Vereine zusammen. Wie soll es so sportlichen Wettkampf geben? Die Zahlen werden noch erschreckender, wenn diese in einem Zeitraum von zehn Jahren betrachtet werden. In den letzten zehn Jahren hatte Bayern ein Transferminus von 434 Millionen Euro. Die Retortenclubs aus Leipzig und Wolfsburg beschönigen diese Summe ein wenig aus Münchner Sicht, weil auch hier fast ein Minus von 200 Millionen jeweils gemacht wurde, aber da werden dann immerhin deutlich mehr Spieler für gekauft. Während Bayern nur 114 Spieler in der Zeit verpflichtet hat, haben Wolfsburg und Leipzig ca 200 Spieler gekauft. Bayern München ist also, wenig überraschend, in der Lage den besten Kader der Liga am teuersten zu verstärken, während andere Vereine mit weniger Geld mehr Lücken schließen müssen. Die Spannweite zwischen Verein mit dem höchsten Transferplus (Hoffenheim) und dem größten Transferminus (Bayern) beträgt in den zehn Jahren 560 Millionen. Bayern konnte dementsprechend im Schnitt im jedem Jahr 56 Millionen mehr in den Kader stecken. Auch hier wieder die Frage, wie dabei ein sportlicher Wettbewerb stattfinden soll. (Werte alle von Transfermarkt.de)
Es soll hier keine Neiddebatte geben. Bayern hat sich das zum Teil selbst erarbeitet und sich in diese Lage manövriert. Wir sind der beste Beweis, dass Geld allein auch nicht glücklich oder erfolgreich macht. Aber der Sinn der Prämien, dass gute Leistung belohnt wird, ist nicht mehr gegeben, weil es in der Liga mittlerweile unterschiedliche Ligen gibt. Die letzte Saison ist ein schönes Beispiel. Selbst eine herausragende Saison von Freiburg reicht nicht mehr aus, um eine schwache Saison von Leipzig zu toppen. Die Lücken zwischen den Vereinen sind finanziell größer als in den meisten Relegationsspielen. Und da ist man sich ziemlich einig, dass das schlicht unfair ist. Das Spiel hat sich vom Rasen auf die Banken verschoben, wie auch die Umsätze zeigen. Die Idee die Prämien erfolgsgerecht zu verteilen ist charmant, aber das Erreichen der CL-Gelder führt dazu, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht.
Laut Wikipedia hatte Bayern im Jahr 200 einen Umsatz von 144 Millionen. Bis ins Jahr 2019 konnten sie diesen auf 750 Millionen verfünffachen. Vergleicht man diese Zahlen mit Gladbach, so wird deutlich, dass auch diese den Umsatz von 35 Millionen (2003) auf 169 Millionen (2021) verfünffachen konnten. Relativ hat sich also nichts geändert, aber absolut ist die Differenz von ca 100 Millionen auf ca 580 Millionen angestiegen.
Dieser Umsatz mündet darin, dass Bayern dementsprechend auch die höchsten Gehälter zahlen kann. Der FcB zahlt so viele Gehälter, wie die beiden am besten bezahlenden Clubs dahinter. Anders ausgedrückt: Bayern könnte mit einem Jahresbudget das Budget der Bochumer für ca 20 Jahre finanzieren. Auch hier wieder: Es ist sicher wenig neues für Fußballinteressierte, aber der schiere Fakt überrascht dann doch. Wie soll es hier dann zu einem fairen sportlichen Wettkampf kommen, wenn ein Spieler eines Teams so viel verdienen darf wie eine gesamte Mannschaft und wir dabei nicht von der ersten Runde des Pokals sprechen? Manche Vereine können kurzfristig das Transferspiel mitspielen, aber beim Gehalt kann keiner mithalten und dieser Fakt wird immer dazu führen, dass Bayern uneinholbar bleibt. Egal was passiert.
Das sind jetzt keine bundesligaspezifischen Probleme und auch andere Fußballligen haben gleiche Systeme, aber das ändert nichts daran, dass dieses System für die Tonne ist. Eben auch, weil manche Vereine perfekt arbeiten können, aber niemals in diese Umsatzsphären aufsteigen werden, um langfristig mitzuhalten. Ganz einfach gesagt: Wenn Freiburg jede Entscheidung richtig trifft, selbst dann haben sie nie die Chance oben mitzuspielen. Ist das noch der Gedanke des Sports?
Und diese Unterschiede hören nicht auf beim Spieleretat. Die besseren Vereine können sich die besseren Mitarbeitenden leisten, bessere Trainingsmöglichkeiten, etc. Es ist ein ungerechtes Spiel.
Billy Bean hat es passend ausgedrückt: „Es gibt reiche Teams und es gibt arme Teams, dann kommt ne ganze Weile Schrott und dann kommen wir“ Und so ist es in der Bundesliga auch. Die Unterteilung in arm und reich ist da schon lange nicht mehr auszureichend.
Ich weiß nicht wie es anderen geht. Ich kann nur von mir sprechen. Aber bei mir ist es so, dass ich Fußball zwar weiterhin gerne schaue, aber mein Interesse nachlässt. Ich will nicht sagen, dass es nur an der Dominanz der Spitzenclubs liegt, aber diese bestärken das Gefühl. Es ist schwierig dazu evidenzbasierte Daten zu finden, aber der Konsens der Allgemeinheit geht auch in diese Richtung.
Es geben jedes Jahr weniger Menschen an, dass sie besonders interessiert an Fußball sind und auch die TV-Quoten sinken. Auch wenn ich anmerken muss, dass Korrelation natürlich nicht gleich Kausalität ist.
Aber für mich ist der Gedanke logisch, dass Sport weniger attraktiv ist, wenn es eine klare Nahrungskette gibt, an der fast nicht zu rütteln ist. Wenn ich weiß, dass der Sieger nicht auf dem Platz ermittelt wird, sondern daran welcher Verein sich besser vermarkten kann. Dass ich weiß, dass Freiburg viel bessere Arbeit als wir leisten kann, aber niemals unseren Umsatz erreichen wird. Dass ich weiß, dass man vor der Saison schon das obere sechstel festsetzen kann. Ich kann einzelne Spiele genießen, aber ich kann nicht so tun, als würde mich das alles kalt lassen.
Seit einigen Jahren verfolge ich sehr intensiv die NBA. Und, ja, auch hier ist nicht alles glänzt was golden aussieht. Aber eines hat mich fasziniert. Das waren nicht 2,13 Menschen, die über den Court rennen, nicht mit Inbrunst vorgetragene Nationalhymnen vor jedem Spiel und auch nicht die krachenden Dunks. Es war die Variation an der Spitze. Es gibt hier zwar auch Rekordmeister und Dauerchampions, aber das ist immer nur eine Frage der Zeit und jederzeit zu brechen.
Wenn ich die besten vier Teams jedes Jahres mit den vier besten Teams der Bundesliga (den CL-Teilnehmern) vergleiche, dann sehe ich in der NBA eine große Spannung darin, dass es immer wieder neue Teams gibt, die entweder Meister werden oder schon schlicht zu den besten Vieren gehören. In der NBA gab es in den letzten fünf Jahren kein Team, das öfter als dreimal unter die besten vier Teams geschafft hat. Insgesamt haben es 14 (von 30!!) Teams geschafft unter die besten vier zu kommen. Es ist also für jeden möglich diese Sphären zu erreichen. Durch gute Arbeit, gutes Scouting und gute Talententwicklung. Es entscheidet also nicht nur das Geld, sondern auch das sportliche Know-How.
Die amerikanischen Sportligen werden oft als Zirkusligen verpönt, bei denen es nicht um Sport, sondern um die Unterhaltung geht. Die Ironie darin ist aber mittlerweile, dass es dort noch einen sportlichen Wettbewerb gibt, der bei uns völlig ausgesetzt wurde. Es messen sich bei uns keine gleichen Vereine, sondern ungleiche. Es ist kein sportlicher Wettbewerb, sondern ein finanzieller.
Und hier ziehe ich den Bogen zu meinem ersten Absatz: Es ändert sich nichts. Aber wie auch? Neunmalkluge Vorschläge, wie das Einführen eines Salary Caps, könnten zwar Abhilfe schaffen, aber sind im europäischen System kaum umsetzbar. Es müsste das ganze System umgekrempelt werden, was nicht passieren wird, da die oberen Vereine (verständlicherweise) kein Interesse daran haben. Bedauernswerterweise wird es über lang oder kurz zur Super League kommen, welche beide Nachteile vom amerikanischen und europäischen System vereinen wird.
Für viele wird nicht viel neues dabei gewesen sein. Zu sehr kennt man die Zahlen, die Bayerns Dominanz beschreiben. Aber der Fakt und die doch immer wieder erschreckenden Zahlen wollte ich niedergeschrieben haben.
Vielen Dank fürs Lesen!
Tamasi hat geschrieben:Nochmal zu Freiburg-Dortmund:
Genauso wichtig für den Spielverlauf wie Flekkens Patzer war Sallais Schwalbe - kurz vor dem 1-0. Sallai wollte im linken Mittelfeld durchbrechen, halbwegs freie Bahn. Meunier ist bei ihm, berührt ihn leicht an der Schulter. Meunier berührt ihn aktiv, leider sehr dumm. Aber es war minimal, nur ein ganz kurzer Moment und ohne Druck. Absolut nichts, was den bulligen Sallai aufhalten oder gar umwerfen muss. Nachdem Meunier wieder abgelassen hat, dauert es auch einen Augenblick - erst dann zuckt Sallai zusammen und fällt. Mit großem Geschrei, sehr theatralisch. Der Schiri gibt Gelb und an der Steitenlinie verleiht Christian Streich dem Ganzen durch sein wildes Ausrasten eine scheinbare Berechtigung.
Dabei war's genau wie geplant. Freiburg nutzt jede Möglichkeit, rechts oder links vom Strafraum Freistöße "rauszuholen". Es folgt ein Freistoß, der führt zur Ecke, Freiburg behält den Ball, baut neu auf, der Strafraum ist noch mit Spielern von Freistoß/Ecke besetzt - Flanke Günther, Kopfball-Vorlage Ginter, Kopfball-Tor Gregoritsch.
Sauber umgesetzt, was vorab einstudiert wurde. Ich meine das Freistoßschinden am 16er.

Bundes-Jogi hat geschrieben:Vizekusen mit zwei Niederlagen...