Aleksiander hat geschrieben:Papperger liess sich im Moment wahrscheinlich durch die niedrigen Grundsstückspreise im Donbass auf diese Idee bringen.
Wenn meine Lesekompetenz ausreichend ist, brannten im letzten Jahr mehr Raffinerien und Ölläger in der Ukraine statt in Russland. Vielleicht beginnen wir die Diskussion besser nochmal bei null, bevor wir uns in die Kontroverse begeben?
Du fragst, wie blöde man sein kann, in der Ukraine eine Panzerfabrik zu bauen, stellst also die Sinnfrage. Wenn man dichotomisch an die Beantwortung dieser Frage herangeht, kann man drauf schauen, ob 1. der Besitz und die Produktion solcher Waffen für die Ukraine politisch und/oder militärisch Sinn ergibt und ob 2. die Ukraine dazu in der Lage wäre, diese Fabrik vor Zerstörung zu schützen. Also quasi eine strategische und eine taktische Fragestellung.
Zu 1. Ich glaube muss man nicht mehr viel drum rum reden: Die Ereignisse der letzten zwölf Monate in der Ukraine lassen gar keinen anderen Schluss zu als die Aussage, dass die Ukraine in Zukunft Panzer brauchen wird. Weil sie das Material, was sie selbst bislang besaß irgendwann aufgebraucht haben wird. Und selbst das „großzügige“ Überlassen

von Panzertechnik durch die Russen gleicht diesen Schwund nicht aus. Zudem ist diese Panzertechnik mehr oder weniger in die Jahre gekommen. Wenn man also konzediert, dass die Ukraine ein souveräner Staat ist und deshalb das Recht hat, selbst darüber entscheiden zu dürfen ob sie eine Armee haben möchte oder nicht, dann muss man auch konzedieren, dass sie diese Armee mit Waffentechnik ausstattet. Und ob sie diese Waffentechnik im Ausland einkauft oder selber herstellt. Um also auf den Punkt der „Blödigkeit“ zurückzukommen: Ja, es ergibt einen Sinn in der Ukraine eine Panzerfabrik zu errichten. Weil alles andere entweder das Infragestellen der Souveränität der Ukraine oder dumpfe Geschichtsvergessenheit wäre. Oder beides zusammen.
Zu 2. Rheinmetall baut ja nicht nur Panzer. Mit Skynex und Skyguard sowie dem neuen Mantis produziert die Firma ja auch Luftabwehrsysteme. Ich glaube deshalb, dass der Rheinmetall-Boss besser als wir zwei zusammen wissen wird, was heutzutage nötig und möglich ist, um ein Objekt gegen einen Luftangriff schützen zu können. Und auch die Amerikaner dürften dafür sorgen, dass die Ukraine ihre Infrastruktur zukünftig adäquat schützen kann. Zudem sprach Papperger davon, in der Ukraine KF 51-Panther-Panzer bauen lassen zu wollen. Das könnte der Nachfolger des Leopard 2 werden, da Rheinmetall von dem ursprünglichen Projekt MGCS offenbar Abstand genommen hat (möglicherweise quatschen ihm die Franzosen zu viel rein). Vom Panther wurde im letzten Jahr aber gerade einmal ein Prototyp auf einer Messe vorgestellt. Es wird also noch ein bisschen dauern, bis die Katze durch den Urwald streift. In der Zwischenzeit könnte aber die aktuelle russische Führung wenn nicht Geschichte, so doch wirtschaftlich, politisch und konventionell-militärisch so stark geschwächt sein, dass ein nochmaliger Angriff auf die Ukraine vielleicht militärisch nicht unmöglich, aber zumindest strategisch völlig sinnlos wäre. Denn möglicherweise ist zu diesem Zeitpunkt die Ukraine bereits NATO-Mitglied. Weitere Erklärungen erspare ich mir an dieser Stelle.
Hat denn Papperger davon gesprochen, die Panzerfabrik in den Donbas stellen zu wollen? Ich habe dazu keine Informationen gefunden, wenn Du die hast wäre ich Dir dankbar, wenn Du mir da einen Link schicken könntest. Das wäre natürlich ein starkes politisches Zeichen. Aber produktionstechnisch unnötig. Diese Fabrik könnte genauso gut auch tief in der Westukraine errichtet werden, zum Beispiel im Dreiländereck Slowakei, Ungarn und Ukraine. Das wäre auch ein mächtiges politisches Zeichen hin zu mehr europäischer Integration. Dort liegt die Stadt Uschgorod, der größte Industriestandort der Umgebung (Personal und Infrastruktur vorhanden). Und nur knapp 100 Kilometer entfernt liegt die Stadt Kosice, das größte Stahlproduktionszentrum der Slowakei. Zudem ist Papperger quasi in eigenem Unternehmensinteresse dazu gezwungen, sich über einen neuen Produktionsstandort Gedanken zu machen. Denn momentan ist es so, dass die Südkoreaner von Hanwha Defence sich gerade mit ihrem K2 bei den Polen breitmachen, die haben letztes Jahr 1000 Stück davon gekauft. Da scheint mir so ein Vorschlag, wie ihn Papperger gemacht hat sehr sinnvoll und nachvollziehbar.
Und zu deiner Aussage:
Aleksiander hat geschrieben:Wenn meine Lesekompetenz ausreichend ist, brannten im letzten Jahr mehr Raffinerien und Ölläger in der Ukraine statt in Russland.
Ja, das wird wohl so gewesen sein. Und die Ursache dafür dürfte sein, dass Russland die Ukraine überfallen hat und nicht die Ukraine Russland. Und gerade aus diesen Gründen heraus ist es umso sinnvoller, wenn die Ukraine überlegt, wie sie sich zukünftig besser dagegen schützen kann.
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