Strafraumgitarre hat geschrieben:higgi hat geschrieben:Alles klar Mr. "der Iran"

Ich wollte Euch nur wissen lassen, dass ich gerade aktiv zur Deeskalation beitrage, weil ich entgegen meinem ersten Impuls auf einen Kommentar hierzu verzichte.
Mal schauen, wie lange mir das gelingt.
Bin doch noch nicht ganz raus, da ich das Interview mit dem sehr
geschätzten Etgar Keretmehr als lesenswert finde.
13.10.2023
https://www.stern.de/politik/ausland/is ... 10462.htmlEtgar Keret: "Die Hamas ist nicht das palästinensische Volk. Und Netanjahu ist nicht Israel."Auszüge aus dem Interview - es lohnt sich, alles zu lesen.
Fühlen Sie sich von Ihrer Regierung im Stich gelassen?
Ich habe mir Bidens Rede angehört. Und ich habe geweint. Und ich bin wirklich nicht jemand, der besonders emotional wird, wenn ältere Amerikaner langsam reden. Aber Bidens Rede füllte dieses riesige Loch an fehlender Humanität. Endlich sah ich einmal jemanden auf dem Bildschirm, der nicht irgendwelche Linksliberalen attackierte oder seine eigenen egoistischen Interessen vertrat oder irgendwelche Lügen verbreitete. Da stand einfach jemand, der sagte: "Ich bin geschockt. Ich bin entsetzt. Das ist schrecklich." So etwas sagt Netanjahu nicht. Er sagt: "Unser Feind wird für Generationen leiden." Aber was ist mit all unseren Opfern? Was ist mit all den Menschen, die nur deswegen starben, weil so viele Soldaten vom Gaza-Streifen an die Grenze zu Jordanien abgezogen wurden? Menschen, die nicht für Netanjahu stimmen, wurden einfach vernachlässigt.
Sie klingen zutiefst enttäuscht.
Jetzt sprechen alle von Einheit. Und währenddessen sagt der Rechtsberater von Netanjahus Likud-Partei, dass dieser Krieg ein Ergebnis des linksliberalen Krebsgeschwürs ist. Das sagt er vier Stunden, nachdem Netanjahu unsere Einheit beschwor. Nicht einmal die Likud-Partei schert sich darum, was ihr Chef Netanjahu sagt. Und der Mann, der an der Macht war, als die größte Anzahl an Juden seit dem Zweiten Weltkrieg massakriert wurde, ging nicht einmal ins Fernsehen, gab kein Interview, beantwortete keine einzige Frage, sagte nicht ein nachdenkliches Wort. Als ich Bidens Rede hörte, habe ich mich wie ein Waisenkind gefühlt, das jemanden sieht, der einen Vater hat. Und ich sagte mir: "Ich möchte jemanden haben, der sich um mich kümmert. Und der nicht nur an die nächste Wahlperiode denkt und versucht, eine Gefängnisstrafe zu vermeiden. Ich möchte jemanden, der nach mir schaut und sieht, dass ich verletzt und verwirrt ist. Aber das wird niemals Netanjahu sein."
Was ist ihre Utopie für Israel?
Israel sollte die Sackgasse einer Politik im Stile Trumps verlassen, wo man immer nur irgendeinen Feind ins Visier nimmt. Israel sollte einfach die Realität anerkennen, dass wir hier Menschen sind, die zusammenleben wollen. Wenn es gelingt, das überhitze Trump-Klima zu verlassen und eine Politik zu finden, bei der es nicht mehr darum geht, Leute gegeneinander aufzuhetzen, sondern darum, Lösungen anzubieten und an gehaltenen Versprechungen gemessen zu werden, dann wäre das der Himmel.
Und was wünschen Sie sich für die Palästinenser?
Dass sie eine Führung bekommen, die wirklich in ihrem Interesse handelt. Die Hamas hat nicht an palästinensische Interessen gedacht, als sie Israel angegriffen hat. Sondern an iranische Interessen. Natürlich will Iran, dass Israel die Hamas attackiert und Bomben auf Gaza wirft, statt auf Teheran. Dies ist ein Stellvertreter-Krieg. Die Palästinenser haben es verdient, eine Führung zu bekommen, die sich wirklich um ihre Interessen kümmert. Genau wie Israel.
Sie sprechen sich seit langem für eine friedliche Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts aus. Halten sie eine Aussöhnung überhaupt noch für möglich?
Ja, das tue ich. Denn ich lebe hier. Und ich glaube, dass das, was hier gerade passiert, ein Weckruf sein sollte. Die Menschen beider Konfliktparteien sollten sagen: "Okay, wir haben es 23 Jahre lang mit extremistischer Gewalt versucht. Es hat nicht geklappt." Also sollten wir einen Strich drunter machen und sagen: "Diese Zeit liegt hinter uns." Jetzt sollten beide Seiten eine Führung suchen, die uns eine Zukunft verspricht, die optimistisch ist und nicht darin besteht, deinen Nachbarn zu zerstören.
Von Etgar Keret las ich das Buch
Die sieben guten Jahre: Mein Leben als Vater und SohnIn seinem bisher persönlichsten Buch erzählt der israelische Autor Etgar Keret von seinem Leben als Vater und als Sohn. Es sind glückliche und einzigartige sieben Jahre: Angry Birds und Raketenangriffe, alles muss man dem kleinen Sohn erklären, den man beschützen will, wie man selbst behütet wurde; und langsam wird man zum Hüter des eigenen Vaters, der immer älter wird… Vor dem düsteren Hintergrund Israels leuchten der Witz, der Humor und die erzählerische Großherzigkeit Etgar Kerets nur noch heller. Niemand kann so schnell von tiefsinnig und bewegend zu grotesk und komisch wechseln wie Keret – es sind Geschichten, deren Wahrheit wie Songs wirken und für immer bleiben -- kongenial übersetzt von Daniel Kehlmann. »In seinem Buch ›Die sieben guten Jahre‹ gelingt dem israelischen Autor Etgar Keret etwas Seltenes: schwereloses Erzählen.« Süddeutsche Zeitung »Und Gott schuf Etgar Keret, den besten Kurzgeschichten-Autor seit Kafka und Hemingway.« Maxim Biller