Tifferette hat geschrieben:Bedeutet aber nicht, dass man die Siedlungspolitik ursächlich für den Anschlag machen darf. Denn dann .... Relativierung .... siehe oben.
Natürlich ist das mit ursächlich. Wie viele andere Dinge auch. Was denn sonst? Ich zitiere mal Dich sinngemäß: Dir als Juristem sollte der Unterschied zwischen Kausalität und Schuld bewusst sein. Hitlers Mutter trägt nicht deswegen Schuld am zweiten Weltkrieg, weil sie einen gewissen Irren in die Welt gesetzt hat. Und doch haben wir da eine Kausalkette. Vielleicht mache ich einen Fehler, weil ich Dich bei solchen Dingen genau beim Wort nehme.
Ja, von der conditio-Formel habe ich schonmal was gehört

Wir führen aber keine juristische Diskussion, und dein Beispiel mit Klara zeigt ja auch, wie absurd das wäre.
Ich habe gelesen, dass der Angriff der Hamas erfolgte, WEIL (=Kausalität) die Hamas befürchtet hat, durch die Annäherung von Israel mit verschiedenen arabischen Staaten an Einfluß und Bedeutung zu verlieren. Also schlachtet man 1400 Juden ab, was nicht tot ist, nimmt man als Geisel. Weil sich die Hamas aber nicht sicher war, ob das ausreicht, um die erwünschte Reaktion Israels zu provozieren, hat man noch etwas an der Art und Weise der Abschlachtung gefeilt. Baby in Backofen, Menschen lebendig verbrennen, Gliedmaßen abhacken, und was man halt so macht. Und zack, die Rechnung der Hamas geht auf. Die halbe Welt (vermutlich reicht das nicht) diskutiert nicht mehr über die Grausamkeiten des 7. Oktobers, sondern darüber, inwieweit Israel sich das selbst zuzuschreiben hat (das sind die Wohlmeinenden) oder ob man das Judenpack nicht gleich im Meer versenken sollte - from the river to the sea trallala.
Wenn das falsch sein sollte, was ich gelesen habe, und du andere Informationen hast, dann lasse ich mich gerne eines Besseren belehren. Wir sind dann aber an dem Punkt, wo ich nicht mehr diskutieren, sondern nur noch zuhören und Fragen stellen kann. Ich unterhalte mich zwar sehr gerne über Sachen, von denen ich keine Ahnung habe (am liebsten natürlich Fußball

), aber dieses Thema ist mir dann doch zu ernst. Ich kann einordnen, dass das Gemetzel vom 7. Oktober durch nichts gerechtfertigt ist. Daraus leite ich ein Selbstverteidigungsrecht Israels ab. Wie weit das geht, darüber kann man streiten. Das war's für mich, mehr muss ich erstmal auch nicht wissen.
Ganz erstaunlich finde ich ja, wer sich bei diesem Thema so alles mit einer Vehemenz zu Wort meldet, als habe er sich sein halbes Leben lang mit dem Nahost-Konflikt beschäftigt. Nicht immer, aber ganz oft ist das übrigens die "aber Israel"-Fraktion. Ich Dummerle dachte ja immer, das Thema sei was ganz kompliziertes. Und weil es so kompliziert ist, habe ich dazu ganz viele Fragen, aber wenig Antworten. Und die wenigen Antworten, die ich habe, die führen leider dazu, dass sich mein Mitleid mit der Situation der Palästinenser (ich spreche hier nicht vom Sterben der Palästinenser in Gaza) dann doch arg in Grenzen hält. Ich unterhalte mich mit Freunden und Verwandten, und den Meisten geht es so. Viele Fragen, wenig Antworten. Damit das nicht so bleibt, habe ich mir jetzt mal ein paar Bücher besorgt und hoffe auf Erleuchtung. Ich melde mich wieder, wenn ich damit durch bin. Bis dahin wünsche der versammelten Expertenrunde spannende und beleidigungsfreie Gespräche. Letzteres erscheint mir aber beinahe so wahrscheinlich wie der baldige Frieden in Nahost.
"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."