Gehe davon aus, dass der Hauptgrund nicht die Angst vor Konflikten ist, sondern Stressvermeidung im Alltag: du müsstest hundert Milliarden Fragen beantworten, dich ständig erklären, dir auf die Schulter klopfen lassen, vom Bäcker bis zur Kabine. Quasi ein weiterer Vollzeitjob, zumindest zu Beginn. Ungeheure Belastung.
Anfeindungen gäbe es sicherlich auch noch kostenlos dazu, aber man vergisst schnell, dass Leute eigentlich am liebsten in Ruhe gelassen werden wollen, vor allem wenn es um Sachen geht, die eigentlich niemanden was angehen.
Hitzlesberger hat mal einen Vortrag gehalten, da kam eine Frage aus dem Publikum von Sol Campbell – sicherlich abgesprochen: warum man denn überhaupt so viel zum Thema hören würde, nicht zuletzt auch von den Leuten selbst, wenn das doch eh Privatsache sei? Das gab Hitz die Gelegenheit zu erklären, dass eine Flutwelle von Anfragen über ihn hineinbricht und alle immer irgendwas wissen wollen, die Medien seien damit vollgestopft, egal ob man sich selbst äußert oder nicht, es interessiert jeden. Es sei keinesfalls so, dass er das Bedürfnis habe, die ganze Welt mit Geschichten über seine Schwulität zu beglücken, im Gegenteil.