Hat jemand gestern den ersten Teil von "Mitten in Deutschland - NSU" gesehen? Für die, die's nicht wissen: Es gibt eine Trilogie, drei Spielfilme zum NSU-Komplex, einer aus der Sicht der Ermittler, einer aus der Sicht der Opfer - und gestern eben aus der Sicht der Täter.
Ich bin erst nach 20 Min. eingestiegen und ich fand's stark. Theoretisch weiß man ja, dass es im Osten diese dunkle Gegenwelt gab (gibt). Tatsächlich war ich auch mal Mitte der 90er für ein Wochenende in Jena - zu dieser Zeit und an diesem Ort ging's los mit Bea und den Boys. Und all das rechte Gesocks dazu. Aber ich hab null davon mitgekriegt. Klar, nur ein Wochenende, nur ein bisschen Studentenpartys... Was ich meine: Theoretisch weiß man's. Selbst miterleben ist aber was anderes. Der Film gestern hat's geschafft, da eine fühlbare Realität zu erschaffen. Allein die beliebten Gruppenausflüge an den "Kult-Ort" Buchenwald... Und das Gedankenspiel, eben da einen Sprengstoffanschlag zu machen, um die Öfen wegzusprengen. Krasse Scheiße.
Und wenn "einen Ali abknallen" in der Szene eh so beliebt war, ist es einmal mehr lächerlich, dass bei der Mordserie - angeblich - niemand 1 und 1 zusammengezählt hat. Die wussten doch alle, dass die drei im Untergrund sind und es waren genug Leute vom V-Schutz mit dabei. Ist ja keine neue Erkenntnis, aber das, was da abgelaufen ist, ist echt eine Schande. Aber zurück zum Film:
Was für mich nicht so glaubhaft war, war die Dreieinigkeit zwischen Zschäpe und dem Uwe-Doppel. Warum die so fest aneinander hingen. Aber vielleicht fehlen mir da einfach die ersten 20 Minuten. Und wenn Anna Maria Mühe als Beate Zschäpe bewusst vielsagend direkt in die Kamera schaut, fand ich das beim ersten Mal sehr gut, ab dem zweiten Mal aber übertrieben und zu dick. Egal, die drei Darsteller waren insgesamt klasse.
In manchen Momenten hat der Film bei mir sogar ein bisschen das Christiane-F.-Feeling erzeugt: Ich weiß, dass es scheiße ist. Aber ich kann den Sog verstehen, der einen reinzieht. In der Realität ist sowas natürlich schlecht, aber für den Film ist das ein Kompliment.
Ich zitiere nochmal schnell das Fazit der FAZ-Kritik:
Wir sehen drei Filme, die Fiktion, aber nicht fiktional sind. Wir sehen auf eine Serie von Hassverbrechen, und wir sehen unser Land durch die Augen der Täter, der Opfer und der Ermittler. Vielleicht erkennen wir das Land nicht mehr. Wahrscheinlich erkennen wir es aber besser als vorher.
Falls jetzt jemand den ersten Teil nachträglich sehen will, hab ich die Erwartungen natürlich sehr hoch gesetzt und sowas ist nie gut. Also zum Abschluss mein persönliches Fazit: Der Film ist voll mies.

Hier der Trailer zu Teil 1:
http://www.daserste.de/unterhaltung/fil ... r-100.html