Local Zero hat geschrieben:Meine These: Im Idealfall ist Strom in 50 Jahren weltweit kostenlos verfügbar. Man wird lediglich für die Technik etwas bezahlen müssen. Und diese Technik wird zu 100 % regenerativ sein.
Der Passus "Im Idealfall" relativiert Deine Aussage leider bis zur Unkenntlichkeit.
Was kann man also nicht idealerweise, sondern realistischer Weise aktuell erwarten?
Im Moment steigt der weltweite Energiebedarf pro Jahr um 2,2%
https://energiestatistik.enerdata.net/g ... istik.htmlDurch den verstärkten Einsatz von Algorithmen in Dienstleistungs- und Produktionsprozessen, ist für die kommenden Jahre sogar ein überproportional steigender Energiebedarf anzunehmen. Und völlig unabhängig vom Bevölkerungswachstum steigt der Energiebedarf pro Kopf weltweit, vorallem in den industriellen Schwellenländern.
Aktuell decken wir weltweit ca. 20% unsereres Energiebedarfs mit regenerativen Energien. Allerdings müssen die dazu nötigen Anlagen nicht einfach nur gewartet werden, sondern auch regelmäßig ersetzt werden. So ne Photovoltaikanlage z.B. alle 20-25 Jahre. Gleichzeitig werden aber Baustoffe immer teuerer, und zwar sowohl Baustoffe wie Sand, als auch solche für den Bau von leistungsfähigen Rechnern, wie z.B. die seltenen Erden. Dass man "
lediglich für die Technik etwas bezahlen müssen" wird, dürfte tatsächlich weiterhin zu einem nicht merklich sinkenden Strompreis führen, weil sich an den Zyklen von Anschaffungskosten und Amortisation nichts grundlegend ändern wird.
Mit dem Anstieg der Rechnerleistung erhöht sich übrigens auch die maschinelle Abwärme der Rechenprozesse. Um dem entgegen zu wirken muss wiederum immer energieaufwändiger gekühlt werden. Das ist heute schon in den modernen Rechenzentren ein erklecklicher Faktor (je nach Anlage, 20-40% des gesamten Stromverbrauchs). Je größer die Anlagen werden, umso höher wird die Wärmeabgabe pro Kubikmeter, so dass der Strombedarf für Kühlung überproportional zur reinen Rechenleistung Energie benötigt.
Hinzu kommt, dass wir die billigsten Arten regenerativen Strom zu erzeugen in einer Gesellschaft die profitorientiert ist, als erstes ausgebaut haben. Also z.B. in Form von hocheffizienten Wasserkraftwerken, die 100 Jahre und mehr nicht erneuert, sondern tatsächlich "nur" gewartet werden müssen (Österreich ist da ein gutes Beispiel). Nun müssen wir immer mehr in weniger günstige Systeme investieren, wie Windkraft oder Solarenergie, was das Preis-Leistungsverhältnis ebenfalls schwächt.
Bei einer rein ideellen Betrachtung wäre ein ganz anderer Punkt von Bedeutung:
Es existiert aktuell nur eine einzige Technologie in der Entwicklung, die das Erzeugen von Energie völlig verändern würde auf der Erde: Fusionsreaktoren. Wenn diese Technologie effizient anwendbar werden sollte, werden wir zuerst einmal einen sprunghaften Anstieg der Energiekosten sehen, nicht nur weil deren Bau schweineteuer ist, sondern weil wir über Jahrzehnte hinweg erstmal den superschweren Wasserstoff erbrüten müssten, den diese Reaktoren zum Laufen benötigen.