Ich weiß nicht, ob die taktisch nicht alle alles draufhaben. So schwer kann das nicht sein – der schwierige Teil ist die Umsetzung, die Entwicklung, das Managen der Mannschaft und die Vorbereitung auf den Gegner und so weiter. Ich glaube da liegen die Kompetenzen, die den Unterschied ausmachen – und mit den Großkopferten im Verein muss man auch zurechtkommen.
Von Arrigo Sacchi gibt’s die Geschichte, dass er im Training 15 Minuten lang 10 Leute gegen seine Viererkette plus Torwart hat spielen lassen, und die haben kein einziges Tor reingekriegt. Einzige Zusatzregel war, dass sie bei Ballverlust hinter die Mittellinie gehen und neu anfangen müssen. Das Besondere ist aber nicht nur, dass Sacchi gezeigt hat wie man mit gut organisierter Raumdeckung Tore verhindern kann, sondern auch, dass er Schuhverkäufer war und sich in einer Zeit durchgesetzt hat, als immer nur ehemalige Profis Trainer wurden. Taktik ist das eine, das andere ist, dass man sich behaupten muss.
Ich hab in letzter Zeit auf YouTube in ein paar Interviews, Vorträge und Podiumsdiskussionen mit Trainern reingeguckt. Klopp und Tuchel fallen da auf wie bunte Hunde: bei denen ist im Vergleich zu Leuten wie Slomka oder Hecking sooooo viel Pfeffer drin – und zwar inhaltlich, nicht nur was ihre Art angeht.
Ein Urteil ist natürlich leicht, jetzt wo man ihre Arbeit in der Bundesliga kennt (obwohl – wie lange wurden beide als Biotoptrainer abgestempelt? Lächerlich). Die Frage ist, ob ein Verein wie der VfB nicht in der Lage sein muss, solche Typen zu identifizieren. Selbst wenn man sich auf die Sprache versteift: es muss im deutschsprachigen Raum plus Holland eine Handvoll Trainer geben, die als Kandidaten sofort in Frage kommen. Ich gestehe zu, dass ein guter Trainer schwer zu finden ist, aber das sind doch keine blauen Mauritiusse – vor allem wenn man nicht Manchester United ist und die allerhöchsten Ansprüche hat, sondern der VfB Stuttgart. Müsste man nicht eine Liste von Leuten haben, die man kontaktiert, wenn man einen Trainer braucht?
Der Haken an der Sache ist natürlich, dass mich zum Beispiel der Zorndinger a) im Gespräch und b) mit seiner Arbeit in Leipzig wahrscheinlich auch überzeugt hätte, und es hat mit ihm eben nicht geklappt. Seine Spielweise war sehr riskant, aber da müssen auch ein paar andere Dinge schiefgelaufen sein. Geschenkt – die Frage ist jetzt eher, warum der arme Kramny da rudern muss, der sieht doch wirklich überfordert aus, Verletzte hin oder her.
Der nächste Witz ist dann, dass der vielgelobte Christian Heidel seine zwei Erfolgstrainer wo gefunden hat? Im eigenen Verein, direkt unter seiner Nase. Vielleicht ist das alles eine kulturelle Geschichte und man braucht in so einem Verein nicht drei, sondern 30 oder 40 Leute, die was draufhaben und da Kompetenz reinschmuggeln – vom C-Jugend-Betreuer bis zum Vorstand.