In den Redaktionshäusern von kicker und Stuttgarter Zeitung würde ich, bei allem Respekt vor dem gedruckten Wort und der Mühsal des journalistischen Tageswerks, lieber nicht die sanitären Einrichtungen benutzen; und dies nicht aus jener flüchtigen Scheu, die man fremden Örtlichkeiten gewöhnlich entgegenbringt, sondern aus einer wohlüberlegten, fast schon prinzipiellen Vorsicht. Denn wer vermöchte mit Gewissheit zu sagen, wie oft Dietmar Hopp dorthin einen Spirituosenkorb gespendet hat, und welche stillen, kaum wahrnehmbaren Folgen eine solche Gabe im Gefüge eines Hauses zeitigt, das sich der Beobachtung und Beurteilung des Fußballs verschrieben hat?
Man bedenke nämlich, dass jede wiederholte Zuwendung, und sei sie noch so feierlich verpackt und mit Schleifen der Dankbarkeit versehen, eine Atmosphäre erzeugt, die sich nicht an der Garderobe abstreifen lässt. Der Geist, der aus einem solchen Korbe aufsteigt – eine Mischung aus Hochprozentigem, Wohlwollen und unausgesprochener Erwartung – durchzieht die Flure, setzt sich in den Polstern der Konferenzstühle fest und findet, wie alle Dünste dieser Art, früher oder später auch den Weg in jene stillen Gemächer, in denen der Mensch allein mit sich und seiner Blase ist. Und wie wollte man dort, auf kaltem Stein oder emailliertem Sitz, noch jene innere Unabhängigkeit verspüren, die nötig wäre, um sich unbelastet zu erleichtern?
Es ist nicht der Alkohol selbst, der mir Sorge bereitet, obgleich auch er bekanntlich Spuren hinterlässt, sondern die unsichtbare Verbindung von Gabe und Gesinnung, die sich wie ein feiner Film über alles legt. Wer weiß, ob nicht der Türgriff der Redaktionstoilette schon von Händen berührt wurde, die kurz zuvor einen solchen Korb entgegengenommen, begutachtet, vielleicht mit einem halb ironischen, halb dankbaren Lächeln kommentiert haben. Wer weiß, ob nicht im Waschbecken ein Echo jener Abende nachhallt, an denen man bei einem Glas mehr als gewöhnlich über Auslegungen von Spielszenen, über Grenzfälle der Neutralität und über die merkwürdigen Zufälle des Tabellenstands gesprochen hat.
So entsteht in meiner Vorstellung ein Raum, der zwar äußerlich sauber sein mag, dessen Hygiene jedoch eine andere, schwerer zu fassende Dimension verfehlt. Denn Reinlichkeit, um es mit kleistscher Strenge zu sagen, ist nicht bloß die Abwesenheit von Schmutz, sondern auch die Freiheit von Abhängigkeit. Und solange ich nicht sicher sein kann, dass die sanitären Anlagen dieser Redaktionshäuser niemals Zeugen einer allzu engen Verquickung von Berichterstattung und Spirituosengabe gewesen sind, ziehe ich es vor, mir meine Notdurft anderswo zu erleichtern – selbst wenn dies einen Umweg bedeutet. Denn nichts ist dem Menschen lästiger, als in einem Moment größter körperlicher Offenheit von dem Gedanken heimgesucht zu werden, dass selbst dieser Ort nicht ganz frei ist von fremdem Einfluss.
... weil diese Mannschaft 1.000 Mal besser ist als Wehrle es verdient.