RedBlues hat geschrieben:https://youtu.be/wGlG1jSk-Ow?si=cKlFRzM9R0SRDit8Das Interview / Gespräch in welchem er das gesagt hat.
Ich finde man kann darüber diskutieren ob es richtig ist was er sagt, aber es ist definitiv ein anderer Blickwinkel auf die Wahl und den Umgang mit der AfD
Palmer hat naturgemäß einen anderen Blickwinkel. Sonst wär er ja nicht Palmer. Allerdings ist das im Falle von Merz ein sehr spitzer. Und aus dieser Perspektive betrachtet, kann man schon mal was übersehen. Was er richtig erkennt: das Merz hilflos wirkt. Wo er granatenmäßig danebenliegt: Wenn er ihn trotzdem nicht zum Sündenbock machen möchte. Ja, scheiß doch drein: Wen denn dann? Fritze hat literally die Richtlinienkompetenz (Art. 65) für dieses Land. In traditioneller Unionsmanier versteht er sie als Kompetenzkompetenz. Also gar nicht oder eben partikulär. Und da der Urnenpöbel in kritischer Masse dazu übergegangen ist, Landtagswahlen als Zeugnisvergabe an die Bundesregierung umzufunktionieren, muss sich ein Brunzkanzler nun einmal dazu verhalten.
Was Palmer auch richtig benennt (und was ja ein bisschen an das anknüpft, was ich gestern hier schrubte:
viewtopic.php?p=606925#p606925), ist das Lichtgestalt-Gequatsche/Personalauswahl. Wiewohl Persönlichkeit in einer repräsentativen Demokratie - die Herrschaftsform, die wir hier nun mal praktizieren - nicht ganz unwichtig ist. Aber dazu muss man nicht bioluminiszierend durch die Wahlkreise levitieren. Es reicht ein hinlängliches Maß (nicht mal gerütteltes, Politik ist nun mal auch das Stellen und Beantworten von Machtfragen) an street credibility, die sich aus einer Mischung aus Glaubwürdigkeit, Authentizität, strategischer Klugheit, Loyalität und (gesellschafts-)politischer Weitsicht speist. Die nun aber seit dem Brandt keiner mehr in notwendigem Ausmaß hatte. Lustigerweise benennt der Boris dann bei 4:04 ja tatsächlich, was es bräuchte: Erfahrung im Bohren dicker Bretter. Diese Arbeitserfahrung, typischerweise erwerbbar durch echte Arbeit in Verwaltungen und Bürokratien, hat Fritze aber nie - hatte das vor einiger Zeit ja schon mal geschrieben - gesammelt.
Merz ist also weder Lichtgestalt noch ein erfahrener Handwerker, ja nicht mal - um ihn an seinen eigenen Worten zu messen, ist bei ihm immer zielführend - ein "
Klempner der Macht". Er kann also weder auf die Menschen
zugehen (wozu auch gehört, beim Einfordern von Akzeptanz für unbequeme Entscheidungen Verständnis zu bekommen), noch die Probleme lösen, unter denen ein Großteil der Menschen leidet. Er ist aber ebensowenig in der Lage, dem Pöbel klar aufzuzeigen, wo er falsch liegt (um auf die 44%-AfD-Wähler in SA zurückzukommen). Weil er selber weiß, dass das, von der Kanzel eines Multimillionärs herab gepredigt, von maximaler Bigotterie wäre.
Trotzdem möchte die schwäbische Version des verwuschelten Boris am Fritze festhalten. Weil man ja sonst dem ostzonalen Pöbel einen Treffer geschenkt hätte. Ich kann diesen Impuls nachvollziehen, das juckt wie´n Pickel an einer Stelle am Arsch, wo man mit den eigenen zwei Händen nicht so richtig rankommt. Aber manchmal ist es besser, ein Gegentor zu kassieren, wenn man danach endlich anfängt, das Spiel anzunehmen. Um zu raffen, dass man Spiele (oder Demokratien) verlieren kann. Der bloße Wille reicht da aber manchmal einfach nicht aus, dann brauchts auch "
neue Impulsgeber" (G. Moissidis).
Bei 4:22 legt der Palmer dann - wohl eher ungwollt, weil typische outro-Phrase - dem Schreiber den Ball auf den Punkt. Und der geht dran vorbei. Job verfehlt, Herr Ex-Tagesbeschauender.
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
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"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."