Tifferette hat geschrieben:
Wenn eine Krankenschwester in einem Krankenhaus in öffentlicher Hand arbeitet, dann erfolgt die Bezahlung in der Regel nach TVÖD.
Das ist mitnichten staatlich "reguliert", sondern unterliegt der Tarifautonomie und wird von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ausgehandelt.
Genauso gut hättest Du schreiben können, dass Du von unserem Gesundheitssystem keinerlei Ahnung hast.
Das Krankenschwestern so wenig verdienen, ist ganz sicherlich kein Ergebnis einer schlechten Verhandlungsposition von z.B. Verdi in Tarifverhandlungen. Das, was eine Krankenschwester in Deutschland verdienen kann, wird schon weit vorher reguliert, z.B. vom GBA:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsam ... sausschuss
Über die Erstattungssysteme der öffentlichen Krankenkassen existiert ein Leistungskatalog mit sogenannten Einheitlichen Bewertungsmaßstäben (EBM) wo geregelt ist, welche Leistung in der Diagnostik und Therapie von Patienten (nach ICD 10/11) wie abgerechnet werden darf. Das muss man sich wie eine Matrix aus vielen Zeilen mit mehreren Unbekannten vorstellen. In diese Kosten fließen auch die Kosten für das Pflegepersonal ein. Diese Matrices legen bereits sehr genau fest, was für eine Stunde Krankenpflege gezahlt wird. Da bleibt kein Verhandlungsspielraum, ganz egal was Verdi fordert.
Krankenhäuser können aus "der eigen Tasche" dann mehr bezahlen, wenn sie in toto Gewinne erwirtschaften. Allerdings erwirtschaften nur die privaten Ketten (wie z.B. die Asklepios oder Helios-Kliniken) regelhaft Gewinne. Und ausgerechnet die sind bekannt dafür, ihr Krankenpflegepersonal besonders schlecht zu behandeln und zu bezahlen, damit sie überhaupt Gewinne erzielen können....
Generell: Wenn man von unseren zugegeben wirklich sehr komplexen Gesundheitsystem keine Ahnung hat, sollte man sich mit Statements vielleicht dann doch lieber zurückhalt. Zu leicht kann ein "dämlich" ansonsten auf einen selbst zurückfallen....




Das Bestmögliche entspricht dem, was ich immer zu Hasenrupfers Entrüstung, "meine Demokratieformel" nenne: Also auf der einen Seite steht der Nutzen einer Entscheidung multipliziert mit der Anzahl der Menschen die davon profitieren würde und auf der anderen Seite der Gleichung steht der Schaden/Nachteil einer politischen Entscheidung und die Anzahl deren die darunter leiden würden. Man kann das bei politischen Entscheidungen sehr oft erstaunlich sachlich abschätzen. Wenn man nun ein konkretes Problem angehen will, schaut man einfach erst mal, welcher Lösungsvorschlag die positivsten Auswirkungen für die meisten Menschen erwarten ließe. Sozusagen: evidenzbasierte Politik. Das sollte unser Anspruch sein, auch wenn sich das natürlich nie immer so stringent und einfach ausrechnen läßt. Im Moment sind wir aber so weit von evidenzbasierter Politik entfernt, dass bereits jeder Versuch einer Annäherung eine Verbesserung darstellen würde.

