Mal was anderes als Windmühlen: Fliesen, Fliesenkleber und Ökoseife.

Auf folgenden Artikel bin ich heute morgen im Netz gestoßen und finde den sehr lesens- und daher auch teilenswert:
Stell Dir vor, die Firma macht dicht und keiner geht heimKurzzusammenfassung: Griechenland, Schuldenkrise, Firma meldet Insolvenz an, Chefs verpissen sich, Belegschaft besetzt Firma und produziert einfach weiter.
Kurz darauf ließen die Besetzer ihre Firma als Sozialkooperative S.E. Viome eintragen und kauften die meisten der wenigen Maschinen, die sie für die neue Produktion nutzen konnten, bei Insolvenzversteigerungen mit Gewerkschafts- rücklagen und Spendengeldern zurück. Nur das Gelände gehört ihnen nach wie vor nicht. Doch immerhin versucht die Polizei nicht mehr, es zu räumen. Als sie es noch versuchte, stellten sich stets Hunderte Menschen aus der Umgebung schützend vor die Werkstore und verwehrten jedem den Eintritt, der etwas gegen die neuen Spielregeln in der ehemaligen Klebstofffabrik hatte.
Das Kollektiv ist enttäuscht von den alten Spielregeln der Wirtschaft und hat seine eigenen aufgestellt: Es gibt keinen Chef, alle haben das gleiche Mitspracherecht, und jeder übernimmt fast jede Aufgabe – von der Buchhaltung übers Seifenschneiden bis zum Toilettenputzen. Alle bekommen den gleichen Lohn. So arbeiten sie seit bald sechs Jahren. Erfolgreich, finden sie.
Die ehemalige Eigentümerin von Viome und Tochter des Konzerngründers, Christina Philippou, bezeichnet die neue Belegschaft dagegen als Bettler. In einem Fernsehinterview sagte sie über die Menschen: „Sie wollen, dass die Regierung sagt, oh, ihr seid fantastische Arbeiter, also geben wir euch einfach die Fabrik. In welchem Wirtschaftssystem passiert so etwas?“ Philippou wurde in erster Instanz wegen nicht bezahlter Unternehmenssteuern und Löhnen zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde später in Sozialstunden umgewandelt, die binnen zwei Jahren geleistet werden sollten. Heute lebt Philippou als Frührentnerin in Thessaloniki.
„Unsere Produkte hatten einen exzellenten Ruf – und wer hat sie hergestellt?“, fragt Koumatsioulis. „Meine Kollegen und ich. Nicht die Chefs. Die haben uns am Ende bestohlen und im Stich gelassen. Wie kann man argumentieren, dass dieses System gerecht ist?“
„Ich war beeindruckt, wie viel Solidarität es schon in den ersten Monaten gab“, sagt er. Gerade jene, die kaum etwas hatten, kamen vorbei und teilten ihren Besitz. Manchmal war es nur eine Packung Spaghetti oder ein Zwei-Euro-Stück. Wichtiger war, dass jemand da war, der an einen dachte und glaubte. „Die Krise hat uns solidarischer gemacht“, sagt Vragoteris, der Vorsitzende. Als kürzlich Abgesandte der Stadtwerke mit der Polizei vor den Toren standen, um den Strom wegen einiger unbezahlter Rechnungen abzustellen, waren binnen einer Stunde wieder mehr als hundert Unterstützer vor Ort, die sich der Polizei in den Weg stellten. Der Strom blieb an. Und die Rechnungen sind heute bezahlt.
Die diplomierte Chemikerin deutet auf das Labor. Gewöhnlichen Arbeitern sei hier früher der Zutritt verwehrt gewesen. Heute darf, nein: soll jeder rein. Seitdem sieht es dort zwar aus, als hätte man grobe Fehler im Umgang mit Sprengstoff gemacht, dafür hat kürzlich erst ein Arbeiter durch Tüfteln einen teuren, synthetischen Ausgangsstoff durch einen viel günstigeren und ökologischeren ersetzt. Früher hätte man ihn von der Schwelle gejagt, heute hat er den Fortbestand der Firma gesichert.