Nilkheimer hat geschrieben:über....den Rechtsdrift allüberall....sprechen.
Vielleicht ist der
allüberall interpretierte Rechtsdrift gar kein Rechtsdrift?
Meinen höchst subjektiven Beobachtungen zu Folge spielt auch das Nachfolgende eine wichtige Rolle:
These: nach 1945 war Deutschland weiterhin sehr
rechts, bzw. verstockt, nicht zur Aufarbeitung und Verantwortung bereit, rücksichtslos, unempathisch usw.
Antithese: dann kam die dringend notwendige Korrektur durch die Nachkriegsgeneration. Diese
Linkskorrektur entwickelte aber im Verlauf eine (genauso) unkontrollierte Dynamik (Vielleicht ist so ein Überschießen sogar normal, bzw. unvermeidlich, wenn man einen Blick in die Geschichte wagt). Man diskutierte z.B. plötzlich darüber, ob Kindesmissbrauch, also Pädophilie, nicht doch auch was ganz Natürliches sei, oder jetzt, ob es nicht statt zwei Geschlechtern doch eher 7,6 Milliarden unterschiedliche Geschlechter gibt und ob man in Astrid Lindgren und vielen anderen ehemaligen Held*Innen*Figuren nicht doch eine Faschist*Innen sehen muss etc.
Tbd: Man könnte jetzt auch interpretieren, dass das, was einige als
Rechtsruck verstehen, einfach ein Wunsch nach Korrektur ist (Dialektik im Sinne des nachweislichen Juden&Nazis Karl Marx sozusagen).
Ich würde am liebsten weder von
Linksruck noch von
Rechtsruck reden. Basierend auf persönlichen oder kollektiven Vorurteilen, wünschen sich unterschiedliche Gruppen in der Gesellschaft, dass anders/stärker/gerechter
zur Verantwortung gezogen wird - das ist soweit offensichtlich, oder? Einge wollen eben zuerst mal vermeintliche Asylbetrüger für Kapitalverbrechen zur Verantwortung gezogen sehen, andere wollen lieber die Herrschaften hinter dem frei flottierenden Kapital in stärkerer Verantwortung für dessen desaströse Kollateralschäden sehen. Und gemeinsam wollen die meisten, dass z.B. die Autounternehmen die Verantwortung für ihre Lügen, ihren Betrug übernehmen müssen oder Cum-Cum-Banken das Handwerk gelegt wird und den Digitalisierungsfetischisten das dystopische Handwerk gelegt wird.
Meine Prognose für das nun bald anstehende nächste (und vielleicht sogar die darauf folgenden nächsten 20) Jahre lautet daher etwas anders: Wir werden erleben, dass von unterschiedlichen Seiten der Gesellschaft wieder mehr Verantwortung gefordert wird. Das Fordern von immer weitergehenden Rechten wird zwar auch nicht erlahmen, nur liegt in dieser Stoßrichtung nicht mehr dieselbe politische Dynamik und Energie wie....sagen wir mal zwischen 1965-2015.
Wir erleben also eher einen
Verantwortlichkeits-Drift, der typischer Weise mit wachsender Unzufriedenheit mit den Verantwortlichen (Politiker) einhergeht, als auch mit einem stärkeren innergesellschaftlichen Diskurs über die
richtigen Werte, welche nun mal die Grundlage für die Beurteilung von Verantwortlichkeiten darstellen. Natürlich auch mit der klassischen rechts-links-Debatte über größere Verantwortung eher der wenigen Reichen oder eher der vielen Wenigerreichen.