Mal vom Ende her gedacht und zunächst ohne subjektive Bewertung des Verhaltens der einzelnen Akteure:
Szenario 1: Vogt bleibt Präsident. Sei es, weil aufgrund Corona keine MV stattfindet oder sei es, weil er aufgestellt und wiedergewählt wird.
Tritt dann Frieden im Verein ein? Die Strukturen, die jetzt von den Vogt-Befürwortern so heftig kritisert werden, bestehen ja weiter. Der "Riss" ebenfalls. Wird Vogt auf die Gegenseite zugehen, und falls ja, würden ihm das seine Anhänger verzeihen oder als Verrat empfinden? Oder wird er weiter dagegen ankämpfen, so wie das seine Anhänger von ihm erwarten? Letzteres hätte dann vermutlich zur Folge, dass der Verein auf absehbare Zeit - schlimstenfalls die nächsten Jahre - nicht zur Ruhe kommen wird und eine negative sportliche Entwicklung einsetzt (Stichwort H96), die vielleicht sogar wieder in Liga 2 mündet.
Szenario 2: Vogt ist weg, weil er zwar aufgestellt und aber nicht mehr gewählt wurde.
Man könnte hoffen, dass sich die Wut der Vogt-Befürworter irgendwann legt und wieder relative Ruhe einkehrt. Relativ deshalb, weil die Ultras und ihnen Wohlgesonnene (ich nenne sie mal Hardcore-Fans) natürlich nicht aufhören werden, das Vereinsestablishment zu attackieren.
Szenario 3: Vogt ist weg, weil er vom Vereinsbeirat nicht mehr zur Wiederwahl aufgestellt wurde.
Vorausgesetzt, der neue Präsident "hält sich raus", wird in der AG wieder Ruhe einkehren, natürlich unter Fortbestand der alten Strukturen. Die Wut der Hardcore-Fans wird dagegen grenzenlos sein und der Graben zwischen ihnen und den in der AG verantwortlichen Personen nochmals tiefer. Die sportliche Entwicklung dürfte darunter, siehe Szenario 1, ebenfalls heftig in Mitleidenschaft gezogen werden.
Ein Kandidat, der Szenario 2 wahrscheinlich macht, ist nicht in Sicht. Also steuert der VfB sehenden Auges auf den Eisberg zu, während sich die Verantwortlichen auf der Brücke darum kloppen, ob man rechts oder links dran vorbeifahren soll.
Achtung, jetzt wird's subjektiv

: Schließt man Szenario 2 aus, ist der Einzige, der jetzt noch die Kollision verhindern kann, CV. Hitz hat sich zunächst entschuldigt und dann seine Kandidatur zurückgezogen - was hat CV getan, das zu einer Deeskalation beigetragen hätte? Soweit mir bekannt ist nichts. Ganz im Gegenteil, mit seinem Statement, er habe "mit diesem Rückzug gerechnet" und der eigenmächtigen Absage der beschlossenen MV gießt er weiter Öl ins Feuer. Ich habe nirgends gelesen, dass CV seine Anhänger einmal zur Mäßigung aufgerufen hätte. Ich habe auch nicht gehört, dass Vogt, wenn er im Amt bleibt, irgend etwas an seiner Amtsführung ändern möchte.
Darf man voraussetzen, dass Vogt die eingangs beschriebenen Szenarien bekant sind? Natürlich. Darf man weiter voraussetzen, dass die Mission Vogts, als quasi Alleinkämpfer das Establishment aka alte Seilschaften zu sprengen, zum Scheitern verurteilt ist. Ja (man kann da - auch als Vogt-Skeptiker - auch ein "leider" dahinter setzen, es ändert nur nichts). Dann bedeutet das in letzter Konsequenz aber auch, dass Vogt für ein Ziel, das er nicht erreichen wird, die - um es einmal bewusst dramatisch auszudrücken - Zerstörung des Vereins in Kauf nimmt.
Die Hardcorefans wissen das. Sie gehen mit Vogt auch in Liga 2, 3 oder 4, wenn nur die verhassten Ausgliederer Porth und Co verschwinden (btw. was glauben die eigentlich, wer dann nachfolgt?).
Ich befürchte, dass es diejenigen, die nicht zur Hardcorefraktion zählen, aber dennoch Sympathien für das Vogt-Lager hegen, nicht wissen.
Ich jedenfalls will keinen Präsidenten, der für Ziele, mit denen ich mich allenfalls bedingt identifizieren kann, den Karren mit Vollgas und vorsätzlich an die Wand fährt.
"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."