Frank N Furter hat geschrieben:Unter Westfalen hat geschrieben:Schließlich führte Erdogan in England Wahlkampf, was er zum Glück bei uns nicht mehr darf.
Siehe bitte auch mein Kommentar an Nice: hältst Du es eigentlich für so offensichtlich, dass Erdogan mit zwei Konvertiten die jetzt für Angela Merkel spielen, türkische Wähler überzeugen kann?
Unter Westfalen hat geschrieben:Aber dann sollten wir auch zur Kenntnis nehmen, dass bestimmt eine größere Minderheit der Deutschen sich von ihnen nicht repräsentiert fühlt und sie möglicherweise auch nicht im Nationalteam sehen wollen
Ja, aber das galt doch auch für Olli Kahn oder Steffan Effenberg oder Bernd-das-Brot Schuster?
Ich habe keine Ahnung wie andere da rangehen, aber für mich sind die Spieler in der deutschen Nationalmannschaft Soldaten, die gefälligst für ihr Vaterland sterben sollen alle vier Jahre. Ich käme nicht mal im Traum auf die Idee, dass mich eine dieser ewig adoleszenten, tätowierten Zementfrisuren "repräsentieren" dürfte. An den meisten wenn nicht allen Tagen im Jahr, erlaube ich es nicht mal mir selbst mich zu repräsentieren (technisch auch kaum zu leisten). Wenn mir ein Fan nun erzählt, er fühle sich von Özil nicht repräsentiert, dann fühle ich mich schon 3x nicht von so einem Landsmann repräsentiert.
Für mich ist die N11 ein "Team" (lies: Armee) wo "
Deutschland"* drauf steht, in einem gleichsam völlig irrational-archaischen wie ebenso zivilisierten, nationalistisch motivierter Krieg mit anderen Nationen - ohne Waffen und wenig Blutvergießen. Profisport halt. Aber Krieg, natürlich, sonst wärs doch kein Spaß! Wenn einer der 11 Spieler stirbt (oder die disfunktionale Memme sich auswechseln lässt), muss halt der nächste an die Front. Wichtig ist am Ende nur, dass der Panzergraben für Deutschland fertig wird (weiß der Henker wozu). Und wer jetzt behauptet, er schaut sich Spiele einer Nationalmannschaft aus ästhetisch-philosophischen Erwägungen an, darf das gerne weiter tun, ich glaube ihm keine Sekunde.
*Deutschland ist eine romantische Ideen-Figur aus dem Deutschland-Märchen von 1848oderso. Vor 100.000 Jahren war selbst das Land, noch nicht auf seinem heutigen Platz und in seiner heutigen Form. Und in 100.000 wird es, falls überhaupt, wieder wo anders sein in neuer Form. "Deutsch" hat keinerlei genetische Repräsentation - nur die San in Afrika haben unter allen Menschen auf der Welt eine genetische Repräsentation. Und wo "deutsch" einmal naheliegend historisch eine sprachlich beschreibare Kultur gewesen ist, ist es heute nur noch zum einen eine Sprache mit vielen Dialekten und kennzeichnend und definierend eine Solidargemeinschaft von Menschen, die sich gegenseitig Versicherung geben für die Notfälle im Leben, dort wo sie in das Renten-, Sozial- und Krankenversicherungssystem einzahlen und Gebühren und Steuern zur Aufrechterhaltung ihres Eco-Ökosystems leisten. Letzteres ist aber von so enormer Bedeutung, für das einzelne hilflose "Individuum", dass es extrem wichtig erscheint, diese deutsche Nationalmannschaft siegreich durch den Identitätskrieg zu führen.

(türkischer Kaffee, bin nicht so der Japaner

)
Schönes Wochenende
Dein Vergleich von Fußballmannschaften mit Armeen ist gar nicht so abwegig.
Ich bin zwar kein Vertreter dieser Theorie, da für mich der spielerisch-ästhetische Aspekt des Spieles wichtiger ist.
Aber er erinnerte mich an Konrad Lorenz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_LorenzDer Ethologe (Verhaltensforscher) hatte in der Tat in den 60er Jahren allen Ernstes propagiert, der Fußball erfülle in den Zeiten, in denen es keine Kriege gibt (ja, diese Zeiten gab es damals tatsächlich noch!) die Funktion der Triebabfuhr. Es sei doch besser, sich auf dem Fußbaldfeld abzureagieren, als an der Front die Köpfe einzuschlagen. Adrenalin pur halt, ohne das Beine und Köpfe weggeschossen werden müssen. Eibl-Eibesfeld hat dies im übrigen in seinen Forschungen versucht, weiterzuführen. Aber ich glaube, irgendwann hat sich diese Theorie in der Sackgasse verrannt. Für mich hatte sie von Anfang an keine Bedeutung.
Obwohl, damals gab es noch keine Fangruppen, kaum Symbole oder sonstige Stammeskennzeichen, die man dem Gegner hätte wegnehmen können und vor allem keine schlachtenmäßige Auseinandersetzungen zwischen intelligenzgeminderten und spätpubertären Fußballrowdys.
Der Tee war nur ordinärer Earl Grey.
Macha trinke ich, hoffe ich zu trinken, wenn ich am Königspalast von Kyoto oder in Matsushima mit Blick auf das Meer, ihn aus den Händen einer wunderschönen Geisha mit Mandelaugen mich verbeugend entgegennehmen darf.

@de mappes:
Kannst Du mir bestätigen, dass dies meine direkte Antwort auf Frank in diesem Thread ist und sie somit ausnahmsweise nicht als OT klassifiziert werden muss, auch wenn ich den Namen Özil nicht erwähnt habe?
Dangge!

Häggor, fliag iebor da Näggor, fliag iebor da Rai, fliag midda drennai