darkred hat geschrieben:Jemand gerade Maischberger zum Thema Chemnitz gesehen?
Finde ja, dass der Bosbach einen sehr vernünftigen Standpunkt eingenommen hat.
Er meinte es wäre an der Zeit damit aufzuhören, die unübersehbaren Probleme infolge der Flüchtlingspolitik seit September 2015 zu ignorieren oder gar zu tabuisieren.
"Wir schaffen das!" wird sich nur dann bewahrheiten, wenn auch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass wir das schaffen können, was wir schaffen müssen.
Dazu gehört auch die bittere Erkenntnis, dass sich die Sicherheitslage unseres Landes verändert hat. Aber wehe dem, der das offen ausspricht. Da wird man reflexartig in die rechte Ecke gestellt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Es sind ja angeblich alles "nur Einzelfälle", die man natürlich "nicht politisch instrumentalisieren darf". Heißt übersetzt: Nur nicht offen darüber reden.
Die allermeisten gehören nicht in die rechte Ecke. Aber sie wollen besser geschützt werden – ganz gleich, aus welcher Richtung sie von Gewalt bedroht werden. Aber wenn man sie trotzdem in diese Ecke stellt, dann darf man sich nicht wundern, dass sich viele auch so verhalten.
Keine Frage, diese organisierten Nazihorden, die ja aus der ganzen Republik nach Chemnitz gereist sind, sind an niederträchtiger Widerwärtigkeit schwer zu überbieten und gehören mit der ganzen Härte des Rechtsstaat verfolgt. Aber all die aus der bürgerlichen Mitte erodierenden Menschen, die sich von der Politik der Volksparteien im Stich gelassen fühlen, sollte man nicht über den Kamm scherend in Sippenhaft nehmen. Auch nicht wenn Sie in ihrem Protest das Kreuz bei der AfD machen. Wäre es nicht angebrachter die zu hinterfragen, die das nahezu kometenhafte Erstarken der Populisten durch ihre weitestgehend nur reagierende, gestaltungs- und vermittlungsarme Politik erst möglich gemacht haben?
Darkred, ich verstehe schon was du meinst, aber ich finde nicht, dass das zu Ende gedacht ist und mir ist da zu viel Verständnis für Dinge dabei die kein Verständnis in diesem Ausmaß verdient haben - bei allem Verständnis.
Inwiefern hat sich die Sicherheitslage verändert? Was sind die konkreten unübersehbaren Folgen der Flüchtlingspolitik? Und warum darf man darüber nicht sprechen? Es wird doch mit allerletzter Konsequenz darüber gesprochen. Und genau das ist doch das Problem. Mit Schaum vor dem Mund und dem stetigen Hinweis, man dürfe nicht darüber sprechen - während man genau das tut. Inwiefern ist das denn ein Versuch sachlich zu sein und zur Lösung beizutragen?
Und aus meiner Sicht tust du von der anderen Seite nichts anderes. Du verharmlost Probleme indem Du Verständnis zeigst für Entwicklungen und Verhalten, die nicht verständlich sind. Warst du mal in Dresden? Lauf da mal über die Haupteinkaufsstraßen und stell dir vor du bist auf der Königstraße. Das erste was dir auffallen wird ist, dass es da eigentlich keine Moslems gibt. Und von dort entwickelt sich PEGIDA? Aus Sachsen? Was ist in Stuttgart und Umgebung? Haben wir in die ganzen Käffer um Stuttgart andere Migranten und Flüchtende bekommen? Da sind teilweise Zahlen gekommen, die über 5% der Stadtbevölkerung ausmachen. Und natürlich gibt es da oft Mentalitätsunterschiede. Aber die gibt es auch wenn der Deutsche/Engländer... in Malle auf den Gehweg kotzt. Sind die wirklichen Probleme wirklich so schwerwiegend? Man muss darüber sprechen und sprechen können, dass es Probleme gibt in bestimmten Bereichen mit bestimmten Menschen. Und die gibt es definitiv und die bekomme auch ich täglich mit. Aber und hier ist der springende Punkt:
Die Diskussion wird nicht von denen unterdrückt, denen man das so gerne vorwirft, nämlich die, die differenzieren wollen. Sondern von denen, die jeden Einzelfall instrumentalisieren und nutzen, um erst laut geifernd zu verallgemeinern um dann aber zu sagen man dürfe ja nicht darüber reden - und mit genau dieser Kombination JEDE sachliche Diskussion von Vorneherein verhindern.
Und Menschen wollen besser geschützt werden? Wovor konkret? Von einem Arschloch, das mit einem LKW auf einen Weihnachtsmarkt rast? Davor schützt kein Einwanderungsgesetz und kein Grenzzaun der Welt. Im Osten herrscht massive Unzufriedenheit aus verschiedensten Gründen. Zu entschuldigen, dass diese von vielen Seiten verursachte Unzufriedenheit auf dem Rücken von Flüchtenden und anderen Migranten ausgetragen wird, ist nicht der richtige Weg damit umzugehen.
Und wenn, wie hier geschehen, betont wird, dass man ja nicht mal dagegen (Wogegen?) demonstrieren darf - während ausschließlich die Angriffe auf Fremdaussehende (Ein anderer hier hat ja auch diese Angriffe relativiert und angezweifelt) kritisiert werden, dann zeigt sich doch wieder ganz klassisch diese vermeintliche Opferrolle, die in diesen Fällen seit Jahrzehnten immer wieder angewendet wird. Und darkred... es werden nicht alle Menschen blind als rechts bezeichnet, auch das ist eine Anschuldigung die immer wieder jegliche Diskussion mit dem Hammer erledigt. Natürlich gibt es unterschiedlichste Meinungen und Ausprägungen verschiedenster Denkrichtungen und ich glaube, dass dieser Vorwurf der Verallgemeinerung sehr reflexartig kommt und eigentlich gar nicht begründet ist.
Auf der anderen Seite: Wenn etwas aussieht wie ein Pferd, riecht wie ein Pferd, wiehert wie ein Pferd und sich verhält wie ein Pferd, ist es meistens eigentlich nicht mehr nötig es als Pferd zu bezeichnen.
Und nein. Ich habe kein Verständnis für Menschen, die ihr Kreuz bei der AfD machen. Auf keinen Fall und unter keinen Umständen. Nicht nach dem wie sich diese Partei entwickelt hat. Es gibt dafür keine Begründung. Wer keine bessere Protestpartei für sich findet muss sich diesen Schuh eben anziehen. Da brauche ich keine Relativierung mehr.