Da ist viel Schönes dabei... Und mit "schön" meine ich auch einige Finger in den Wunden. Sehr gut.
Aber so ein bisschen Nachhilfe im Gesellschaftsrecht, insbesondere der Gremienstruktur, wäre schon auch notwendig.
Ein paar Kleinigkeiten dazu.
Der Vorsitzende eines AR hat eine Art Sprecherfunktion. Manchmal entscheidet er auch bei Patts, aber im Wesentlichen ist er ein Grüßonkel und Aushängeschild.
Den Vorstand einer AG, die durch diesen AR kontrolliert wird, ebenso mit einem vermeintlichen Primus inter pares zu besetzen halte ich für gefährlich. Es ist völlig üblich, dass ein Vorstand aus einem Board mit mehreren Gleichberechtigten und demokratischen Entscheidungsprozessen besteht. Jeder hat sein Spezialgebiet (seine Abteilung), aber große Entscheidungen werden miteinander getroffen. Hier nun einen Obermufti zu installieren... hmmm, das klappt in ehrenamtlichen Vereinen super, und sind wir ehrlich, da findet man eh nie genügend Leute, die sich engagieren. Das bleibt automatisch an Einem hängen, der sich entweder profilieren will, oder sich nicht rechtzeitig genug gegen diese Ehre gewehrt hat.
Davon abgesehen: Hätte man eine derartige Struktur bei unserem VfB, wäre die Kritik doch ebenso deutlich an dieser Person: Gutsherrenmentalität, Sonnenkönig, etc... (Woher weiß man das so genau? Hatten wir alles schon...)
Dass mehr sportliche Kompetenz in die Gremien muss, ist hingegen völlig sonnenklar. "Sport" ist unser Kernprodukt! Konzentration auf das Kernprodukt ist immer ratsam, wenn das Schiff mal schlingert. Derzeit ist unsere Vorstandschaft verteilt in: Marketing ()Röttgermann), Finanzen (Heim), Sport (Reschke)... Im Zweifel also 2:1 für die Kohle. Mindestens den Hitzelsperger könnte man als "Vorstand Nachwuchs" mit hochziehen.
Aber noch was anderes scheint mir entscheidender zu sein, als diese Struktur- und Personendebatten... Man kämpft seit Jahren mit so Begriffen wie "Mentalität und Kultur etablieren..." Ich hab den Eindruck, als würden in der Geschäftstelle lauter Bähmulle hocken. Da wieder eine Begeisterung zu entfachen, dass jeder ein paar Meter extra geht... Das muss doch grade in einem Unternehmen, das Sport als Produkt hat, in der DNA liegen. Wenn das passt, geht es nachhaltig aufwärts! Und dann führen wir keine Debatten wie da oben. Und das geht narürlich einfacher, wenn man Ruhe hat. So knallt einem der Blätterwald und das Stadion alle zwei Wochen wieder was um die Ohren (Keine Schuldzuweisung meinerseits, sondern Zustandsbeschreibung). und wieder geht Zeit und Energie flöten für eine regelmäßige Fokussierung und Konzentration auf das, was Erfolg bringt. Das schließt das Scheitern trotzdem nicht aus, aber meiner Erfahrung nach verbessert es die Chancen. Und soviel Einsicht muss auch sein: Dieses Produkt ist nicht bis ins letzte Detail ausplanbar. Manches IST irrational, manches IST Glück (Gruß an mappes), manches IST schlicht Zufall. Und dann jazzt man einen, der dreimal richtig entschieden hat, zum Experten hoch (wegen mir auch Perlentaucher...) Warum ist Mislintat von Arsenal wieder weg...? Hatte der nicht einen noch glänzenderen Ruf in der Branche als Reschke?
Ist jetzt ne sehr gewagte These, aber vielleicht auch ne Diskussion wert:
Wenn wir alle Positionen optimal besetzt hätten, Vorstand, Trainerteam, Manschaft, etc. - So Guardiola-Messi-mäßig, nur die gleichen Rahmenbedingungen hätten, wie jetzt, würde ich immer noch behaupten, dass wir in der unteren Hälfte rumkrebsen. Will sagen: Der menschliche Einfluss wird massiv überschätzt. Kapital ist viel entscheidender. Wolfsburg pumpt pro Jahr wieviel in den Kader - immer noch? Deswegen geht es da auch wieder langsam aufwärts. Die Zyniker schieben es natürlich auf den Ginczek-Wechsel, schon klar... Zwei Fliegen mit einer Klappe

Es ist halt immer so, dass sie das an Personen und Posten entzündet. Kann ich verstehen. Der Kapitän gibt beschissene Interviews, der Trainer stellt beschissen auf, der Manager holt beschissene Spieler, der Vorstand baut nur Scheiße und der AR kontrolliert beschissen (zuviel und zuwenig gleichzeitig). Der Zeugwart ist auch ein Depp, und der Busfahrer vermutlich auch...
Bruno Labbadia ist wie ein Aschenbecher in einer Kneipe, die schon vor 20 Jahren hätte abgerissen werden sollen. Du weißt nicht, warum, aber er steht stetig in der Ecke, voller kalter Kippen und mit dem beharrlichen Geruch von verbrannter Vergangenheit.