
Eine Hand, die schiebt, ist besser als 100 Hände, die ziehen.
Tifferette hat geschrieben:Spielt der Frederöffner eigentlich gerade an sich rum? Bei solch argumentativ-emotionaler Selbstverstümmelung finde ich es immer schwer, mich reinzudenken.
Hauptsache junger, attraktiver Offensivfussball.
Tamasi hat geschrieben:Und heute so?
Mein Kopf sagt: Verdient!!
Die Seele weint trotzdem.

VfB STUTTGART | KOMMENTAR
Abstieg: Kein Mitleid mit dem VfB Stuttgart
GÜNTHER SCHROTH
Der VfB Stuttgart ist zum dritten Mal abgestiegen. Trotz langer Überlegenheit beim Zweitligadritten wartete Stuttgart vergeblich auf das benötigte Auswärtstor und muss wie schon 2016 und 1975 ins Unterhaus. Ein
Kommentar.
Ganz ehrlich: Ich habe keinerlei Mitleid mit dieser Mannschaft und dem Verein. Mit den Spielern nicht, mit den Trainern nicht, mit den Funktionären nicht. Das hat seine Gründe: Denn was hat man sich eigentlich gedacht beim VfB, als man Michael Reschke diese Mannschaft zusammen kaufen ließ? Reschke, beim FC Bayern noch der Spielerbeobachter im Schatten der Stars, hat sich im Stuttgarter Licht sonnen wollen - und merkte nicht, wie die Mannschaft vor sich hin welkte.
Der Fußball entwickelt sich im rasenden Tempo – nur beim VfB hat’s keiner gemerkt. Während sie, nur mal zum Beispiel, in Liverpool promovierte Mathematiker einstellen, die die Mannschaft per modernster Daten-Analyse zusammenstellen, verlassen sie sich in Stuttgart auf einen, der das macht, was er immer schon machte: beim Spielerverpflichten frei seiner Nase zu folgen. Der auf diese Weise Spieler kaufte, die freimütig zugeben, dass ihnen mittlerweile die Dynamik fehlt. So Mario Gomez zuletzt überraschend offenherzig im Interview.
Geld hatte man beim VfB genug
Wir stellen fest: Namen schießen keine Tore. Geld schießt Tore. Und Geld hatte man beim VfB genug. Aber die fußballerische Expertise fehlte. Beim Manager, aber auch beim Chef. Wolfgang Dietrich hat zwar nachgewiesen, dass er als Investor mit Fußball Geld verdienen kann. Aber er hat keine Ahnung vom Fußball selbst. Insofern ist er mit dem Modell Reschke gnadenlos gescheitert.
Tayfun Korkut trainiert den VfB Stuttgart zu Saisonbeginn, doch der Start misslingt. Erst am sechsten Spieltag gelingt der erste Saisonsieg. Nach dem 2:1 gegen Werder Bremen liegt der VfB auf Tabellenplatz 16.
Die 1:3-Niederlage am siebten Spieltag in Hannover wird die letzte Partie von VfB-Coach Tayfun Korkut. Die Vereinsführung zieht die Konsequenz aus Platz 18 und entlässt den türkischen Trainer am 7. Oktober 2018. Andreas Hinkel übernimmt für wenige Tage als Interimstrainer.
Am 9. Oktober wird Markus Weinzierl als neuer Mann an der Seitenlinie vorgestellt. Aber auch der Bayer kann nicht für neuen Aufschwung sorgen. Sein erstes Spiel als VfB-Trainer geht mit 0:4 gegen Bor. Dortmund verloren.
Es folgen Niederlagen gegen Hoffenheim (0:4) und Frankfurt (0:3). In Stuttgart merken viele: In dieser Saison wird es gegen den Abstieg gehen. Nach den ersten zehn Spielen hat der VfB gerade einmal fünf Punkte.
Der VfB Stuttgart überwintert auf dem Relegationsplatz. Die Vereinsführung steht in der Kritik, zieht aber noch keine Konsequenzen aus der katastrophalen Hinrunde. Nach der Winterpause folgen vier Niederlagen in fünf Spielen, darunter ein 1:4 beim FC Bayern.
Am 12. Februar 2019 trennt sich der Verein vom umstrittenen Sportvorstand Michael Reschke. "Leider hat seine Arbeit bislang nicht den gewünschten sportlichen Erfolg gebracht", verabschiedet ihn Präsident Wolfgang Dietrich. Ab Juli darf sich Reschke als Technischer Direktor bei Schalke 04 wieder versuchen.
Kurz danach wird Ex-VfB-Profi Thomas Hitzlsperger als neuer Sportvorstand vorgestellt. Der Meisterspieler von 2007 deutet an, dass er die Saison mit Markus Weinzierl als Trainer beenden will - trotz schlechter Ergebnisse.
Nicht nur die Mannschaft steht schlecht dar, auch Präsident Wolfgang Dietrich hat sich bei vielen Fans unbeliebt gemacht. Gründe: Wirtschaftliche Verflechtungen mit einem Investor und fragwürdige Personel-Entscheidungen. Im April sagte Dietrich dem SWR, dass er auch im Abstiegsfall Präsident bleiben werde.
Einer der wenigen Lichtblicke der Saison: Der 5:1-Heimsieg gegen Hannover 96 am 24. Spieltag. Es bleibt einer von nur sieben Siegen in dieser Spielzeit. Kabak und Zuber treffen doppelt und bringen die Hoffnung auf den Klassenerhalt zurück.
In den nächsten sechs Spielen gelingt kein Sieg mehr. Der Tiefpunkt der Saison ist nach dem 0:6 in Augsburg erreicht. Es ist die höchste Bundesliga-Niederlage der Schwaben. Aber: Der VfB profitiert von der schwachen Konkurrenz aus Hannover und Nürnberg und kann Platz 16 halten.
Nach dem Debakel in Augsburg muss mit Markus Weinzierl auch der zweite VfB-Trainer dieser Saison seine Sachen packen. Der Verein begibt sich auf die Suche nach einem "Feuerwehrmann". Alle Zeichen stehen auf Relegation.
Als "Retter" übernimmt Nico Willig für die letzten vier Spiele. Der 38-Jährige hatte zuvor die U-19 des Vereins trainiert und soll nach Saisonende wieder dorthin zurückkehren. Kurzzeitig scheint der Trainerwechsel Wirkung zu zeigen. Der VfB gewinnt seine nächste Partie gegen Mönchengladbach mit 1:0.
Schon vor dem letzten Spieltag steht fest: Der VfB Stuttgart muss in die Relegation. Für eine Aufholjagd hat es auch unter Nico Willig nicht gereicht. Gegner in der Relegation: Zweitligist Union Berlin.
Lange wurde spekuliert, offiziell wurde es dann noch vor dem Relegations-Hinspiel: Neuer Trainer in Stuttgart ab der kommenden Saison wird Tim Walter. Der 43-Jährige Badener trainierte zuletzt den Zweitligisten Holstein Kiel.
Auch weil der mit Markus Weinzierl einen unterdurchschnittlichen Trainer verpflichtete, weil er den für überdurchschnittlich hielt. Das Modell alte erfahrene Fußball-Männer ist beim VfB grandios den Bach runter gegangen.
Profis steigen gleich wieder auf
Das einzig Gute daran: die jungen, völlig traditionsbefreiten Männer um Thomas Hitzlsperger können es jetzt nur besser machen. Allein vom Verkauf von Benjamin Pavard kommen weit über 30 Millionen Euro herein. Insofern, liebe VfBler: Lasst jetzt endlich mal die Profis ran. Sonst landet ihr endgültig bei den Amateuren. Mit denen hätte ich dann auch Mitleid. Profis brauchen das nicht. Profis steigen einfach gleich wieder auf.
Tamasi hat geschrieben:Und heute so?
Mein Kopf sagt: Verdient!!
Die Seele weint trotzdem.