In der Tat: sehr interessant und auch amüsant. Danke dafür!
Kennst Du John P.A. Ioannidis ein bisschen? Das ist ja in der Wissenschaft eine "kleine Berühmtheit". Er war einer der Autoren des Papers (es war glaube ich ein Science-Paper), das besagte, dass 90% dessen was lebenswissenschaftlich publiziert wird methodisch Grütze sei. Er ist assoziated Professor am BIH hier in Berlin und ein wirklich sehr lustiger Gesprächspartner.
Natürlich kann man auf Basis der veröffentlichten Zahlen nur schwer rechnen, aber Ioannidis hat ja einige Sonderfälle aufgezählt, wie das Kreuzfahrtschiff, wo man zur Sterblichkeit wenigstens bedingte Aussagen treffen kann. Ich hatte mich gestern "spaßeshalber" auch nochmal mit Kollegen an einer Rechnung probiert. Wir sind auf eine
geschätzte Sterblichkeit zwischen 0,1-0,4% gekommen. Also ganz in der Nähe von Ioannidis Kalkulation. Es ist bei mir zwar eher mein mathematisches Bauchgefühl, aber ich persönlich denke sogar, wir werden am Ende unter 0,1% landen. Vielleicht irgendwo bei 0,05%.
Es werden jetzt aus meiner Sicht immer mehr kluge Wissenschaftler aus allen Fachrichtungen der Naturwissenschaft aus der Deckung kommen und kritische Fragen stellen. Das dürfte angesichts der Massivität der Einschränkungen auch nur ganz normal sein. Natürlich bietet jemand wie Ioannidis schonmal ein sehr breites Kreuz für Windschatten.
Obwohl ich Herrn Drosten persönlich sehr gerne mag, denke ich, dass jetzt natürlich quasi die Hochzeit seiner Karriere ist. Er ist Virologe, die Virologie ist gerade das Welt-Top-Thema und er ist einer der absoluten Top-Spezialisten (und das ist er auch wirklich). Trotzdem ist gerade seine Perspektive dann natürlich alles andere als neutral, darüber muss man sich klar sein. Und Drosten ist auch kein Epidemologe, das muss vor allem den Medien auch klar sein. Wohin die Reise geht, was Ansteckungsgefahr und Todesraten betrifft, müssen verschiedene Spezialisten zusammenarbeiten. Dazu gehören dann auch Statistik-Spezialisten wie Ioannidis.
Und das Bild, das Ioannidis verwendet, also der Elefant der aus Angst vor der Maus über die Klippe springt, muss jetzt nach und nach sachlich und ohne Denkverbote diskutiert werden. Das gehört einfach zur Risikofolgenabschätzung in so einer Situation, wenn solch wirklich enorm drastische und weitreichende Maßnahmen des Staates im Raum stehen, wie Ausgangssperren.