Tamasi hat geschrieben:Bei Franks zuversichtlichen Prognosen (Charité, 18.000 Mitarbeiter, kein Problem) bin ich skeptisch.
Bei seinen düsteren Prognosen gehe ich mit.
Was das wohl über mich sagt?

Dass Du mir (immer) (noch) nicht zu 100% vertraust.
publicenemy hat geschrieben: Korrektur der Lieferketten
Nur mal als verallgemeinerbares Beispiel: Ich hatte am vorletzten Montag ein Gespräch mit dem Geschäftsführer* einer kleinen Firma (26 Mitarbeiter), die stellen chirale Moleküle her. Moleküle also die ein Stereozentrum haben und als Razemat vorliegen, das man erstmal in seine Stereoisomere trennen muss. Das ist aufwendig und teuer. Bis zu einigen Kilogramm kann er diese Dienstleistung am deutschen Markt anbieten, weil er sehr schnell ist als kleine Firma. Ab ca. 10 Kilo hat er keine Chance mehr gegen die Billigkonkurrenz aus China. Wenn diese kleine brandenburger Firma jetzt in der Krise den Löffel abgibt, hat sie keine Chance mehr zu reüssieren, denn sie hat ihre Nische vor über 20 Jahren gefunden, als die Konkurrenz aus Übersee noch gar nicht auf dem deutschen Markt war. Patente spielen da tatsächlich seltener eine Rolle, aber Innovationen in der Herstellung. So geht es ganz vielen kleinen, hoch innovativen Firmen located in Germany. Die stehen jetzt kurz vor der "Marktbereinigung".
Wie will der Staat später dann solch einen "Player" ersetzen? Soll er eine Pharmafirma verpflichten aufgetrennte Razemate als Ausgangsprodukt von Medikamenten bei einer 10x so teuren Firma aus Deutschland einzukaufen? Und falls er es könnte, wie will er den Krankenkassen verklickern, dass das Produkt jetzt 2-3x teurer geworden ist, weil Ausgangsstoffe in Deutschland hergestellt wurden? Und wenn die Krankenkasse dann höhere Beitragssätze nehmen muss, verteuert sich wiederum die Herstellung in Deutschland über die ohnehin schon hohen Lohnnebenkosten, weil die Krankenkasenbeiträge dafür steigen müssten. Das ist ja alles mitterweile miteinander verquickt.
Wir beziehen die Produkte ja nicht zufällig aus China. Wenn Du hoffst, dass Vieles nach der Krise auch in Deutschland hergestellt würde, müsstest Du auch den (teureren) Preis dafür zahlen. Wir redeten hier also über weitreichende Wirkungen auf die Inflation. Also über einen Effekt, der bei der letzten großen Weltwirtschaftskrise in den totalen Kollaps geführt hat...
Nach 6 Monaten Lock Down redete kaum noch ein Mensch über diesen Virus, da nehme ich Wetten drauf an. Dann reden wir nur noch über die fatalen wirtschaftlichen Folgen. Und die werden ebenfalls zu erheblichem menschlichen Leid, und ja, auch zu Toten führen.
Eher mal als wüste Mahnung gedacht:
Was ist nochmal nach 1929 auf der Welt passiert? Weltwirtschaftskrisen haben die sehr unangenehme Gewohnheit noch wesentlich Widerlicheres im Schlepptau mit sich zu führen als eine Virusepidemie bieten kann...
*Übrigens der letzte Mensch, der mir zur Begrüßung ohne zu zögern die Hand gab.