AxelKruse_FG hat geschrieben:Ich habe die Frage nach der Zeitdauer von der Ansteckung bis zum Krankenhausaufenthalt selbst recherchiert:
https://www.rki.de/SharedDocs/Bilder/In ... oster&v=13Von Symptombeginn bis Krankenhaus 4 Tage
Von Symptombeginn bis Intensivstation 9 Tage.
Streeck sprach wörtlich von "gut einer Woche". Hätte er vielleicht noch ein oder zwei Tage gewartet, würde die Entwicklung sicher besser zu beschreiben sein. Die angegebenen Tage sind aber sog. Mediane, also Mittelwerte, das heißt, nicht alle kommen am Tag 9, sondern es gibt eine Entwicklung dorthin. Man kann also vielleicht die Entwicklung ein oder zwei Tage vorher prognostizieren, was ich einem hochqualifizierten und erfahrenen Fachmann wie ihm durchaus zutraue. Die Aussage "zwei bis drei Wochen" von Coaching Zone ist hingegen sicher nicht zutreffend.
Edit: Genau lesen hilft: Die Rede ist von "Symptombeginn". Da es aber einen erheblichen zeitlichen Verzug von Symptombeginn über Arztbesuch, Test, Testergebnis bis zu den RKI-Meldungen gibt (war da nicht die Rede von bis zu einer Woche? - jedenfalls mehrere Tage) liegt der Symptombeginn weiter zurück als der Nachweis. Die 9-Tagesfrist solte also gewahrt sein.
Danke für die Recherche! Tatsächlich hatte ich mit den zwei bis drei Wochen die Zeit zwischen Ansteckung und Intensivstation gemeint, mich aber wohl undeutlich ausgedrückt. Außerdem liegt mein (nebenberuflicher) Fokus bei der Informationsverarbeitung bezüglich SARS-CoV-2 auf der Art der Ansteckung und der Ansteckungsvermeidung sowie auf der Symptomatik von Covid-19, so dass ich den zeitlichen Ablauf bislang nur am Rande, also eher gar nicht, registriert hatte. Mein Fehler.
Dennoch ist es so, dass man erst zwei bis drei Wochen nach einem signifikanten Anstieg der Infektionen auch einen signifikanten Anstieg der Intensivpatienten bemerkt. Einfach weil bei zunächst wenigen Infizierten mehr die Anzahl der Intensivpatienten auch zufallsbedingt leicht höher oder niedriger sein kann. Erst wenn die Welle wieder am Anrollen ist, wenn man also eine (exponentiell) deutlich höhere Zahl an Infizierten hat, macht sich das auch bei den Intensivpatienten richtig bemerkbar. Insofern ist die Aussage von Herrn Prof. Streeck meiner bescheidenen Meinung nach verfrüht. Lasse mich da aber gerne eines Besseren belehren!
Und nochmal: Das Problem bei der ganzen Testerei ist, dass die Zahlen immer davon abhängig sind, wer wann weswegen wie oft getestet worden ist. Bei 600000 Tests wöchentlich (was wirklich eine große Menge ist!) habe ich noch nicht einmal 1% der Bevölkerung getestet, und das auch nur dann, wenn ich tatsächlich
in dieser Woche 600000 Personen teste. Aber dem ist eben nicht so. Da werden Fußballspieler mehrfach getestet, jeder Senior, der beispielsweise tageweise in die Tagespflege geht, muss vorher zeitnah getestet werden, genauso wird mittlerweile beim klinischen und pflegerischen Personal verfahren. Hinzu kommen auch beispielsweise Tests am Ende einer Quarantäne, um nachzuweisen, dass keine Viruslast mehr vorhanden ist. Und zusätzlich werden die Personen mit stillen (symptomlosen) Infektionen in der Regel gar nicht getestet. Mit unvollständigen Informationen aber solche Aussagen zu machen - nun, meins ist es nicht...
Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.
- Charles Maurice de Talleyrand -