Das Mittel der Wahl: Angst.
Über den Parteitag der Republikaner:
Es fehlte zum Auftakt des republikanischen Parteitags nicht an drastischen Worten. Das ist nicht ungewöhnlich in Zeiten des Wahlkampfs, aber wie scharf, wie bitter und wie böse viele der Reden klangen, war doch überraschend. Insbesondere, weil die republikanischen Parteistrategen gesagt hatten, sie würden eine optimistische Veranstaltung inszenieren. Eine Veranstaltung, auf der das Gute im Mittelpunkt stehen werde und der Blick in eine bessere, oder, in ihren Worten, noch bessere Zukunft gerichtet sei.
Das Gegenteil war der Fall.
Der Auftakt dieses republikanischen Parteitags drehte sich in erster Linie darum, dass die USA im Chaos versinken würden, in Gewalt und ökonomischem Niedergang, in wahlweise Sozialismus oder Kommunismus, wenn nicht Präsident Donald Trump am 3. November für vier weitere Jahre im Amt bestätigt werde. Wenn dieser erste Tag das Thema der Zusammenkunft vorgegeben hat, dann lautet es: Angst.
Wenngleich:
Insofern ist der Parteitag der Republikaner dem der Demokraten aus der vergangenen Woche nicht unähnlich. Auch dieser war oft düster und bestand vor allem aus der Warnung: Sollte Donald Trump nicht abgewählt werden, gehen die USA unter. Diese Botschaft haben die Republikaner schlicht umgedreht: Falls Biden gewählt wird, sind die USA am Ende. Wenn man es grob verknappt, haben die Demokraten den Amerikanern in der vergangenen Woche gesagt: Stimmt ihr nicht für Biden, siegt der Faschismus. Und die Republikaner antworten nun mit: Stimmt ihr nicht für Trump, hat der Kommunismus gewonnen.
Ich fand die Parteitagsrede von Obama sehr gut - aber sie war auch spaltend. Nach dem Motto: "Wir gegen die und wir sind die Besseren!"
All das erinnert an die BBC-Doku "The Power of Nightmares" von 2004.
Kurz gesagt: Früher haben Politiker im Wahlkampf oft positive Visionen aufgezeigt... Was alles möglich ist, was alles toll werden wird, wenn man sie wählt. Viele dieser Versprechen konnten nie eingelöst werden und - auch - deshalb hat sich mittlerweile die Strategie geändert. Längst werden die Wähler nicht mehr mit positiven Visionen umworben - sondern mit Angst. Das funktioniert:
Those with the darkest nightmares became the most powerful.
Es gab und gibt natürlich immer wieder Ausnahmen. Die Angst-Strategie gab's auch schon vor 2001ff und auch nach dieser Hochzeit der Angst gab es mit Obama ("Change / Yes We Can") wieder mal einen erfolgreichen positiven Ansatz.
Inzwischen sind wir aber eindeutig wieder bei der Angst als Mittel der Wahl angelangt. Ich habe neulich mit einem Freund gewettet, dass Trump wieder gewählt wird. Wenn in den nächsten Wochen nichts Überraschendes mehr passiert, werde ich diese Wette gewinnen.
"The Power of Nightmares" - hier die 4minütige Anfangssequenz, die eine gute Zusammenfassung ist:
Bei yt gibt's natürlich auch die gesamte Doku.
Obige Text-Zitate aus:
https://www.sueddeutsche.de/politik/tru ... -1.5009396