29227 Beiträge

Jerry Falwell junior? Gut, sollte mich nicht überraschen – der hat von seinem viel zu spät verstorbenen Vater gelernt, wie man Menschen betrügt und bestiehlt. Erinnert mich an einen der besten Fernsehauftritte aller Zeiten, anlässlich des Todes von Falwell senior:



Alle, die mir persönlich nahe stehen, sind noch am Leben; Christopher Hitchens ist der einzige Mensch, der mir wirklich fehlt und den ich oft vermisse. Übrings, weil wir’s grad noch von Putin hatten: der Präsident, den er gegen Ende des Interviews anspricht, ist George W.

Tamasi
Benutzeravatar
Allmachtsbachel
Das Mittel der Wahl: Angst.

Über den Parteitag der Republikaner:
Es fehlte zum Auftakt des republikanischen Parteitags nicht an drastischen Worten. Das ist nicht ungewöhnlich in Zeiten des Wahlkampfs, aber wie scharf, wie bitter und wie böse viele der Reden klangen, war doch überraschend. Insbesondere, weil die republikanischen Parteistrategen gesagt hatten, sie würden eine optimistische Veranstaltung inszenieren. Eine Veranstaltung, auf der das Gute im Mittelpunkt stehen werde und der Blick in eine bessere, oder, in ihren Worten, noch bessere Zukunft gerichtet sei.

Das Gegenteil war der Fall.

Der Auftakt dieses republikanischen Parteitags drehte sich in erster Linie darum, dass die USA im Chaos versinken würden, in Gewalt und ökonomischem Niedergang, in wahlweise Sozialismus oder Kommunismus, wenn nicht Präsident Donald Trump am 3. November für vier weitere Jahre im Amt bestätigt werde. Wenn dieser erste Tag das Thema der Zusammenkunft vorgegeben hat, dann lautet es: Angst.

Wenngleich:

Insofern ist der Parteitag der Republikaner dem der Demokraten aus der vergangenen Woche nicht unähnlich. Auch dieser war oft düster und bestand vor allem aus der Warnung: Sollte Donald Trump nicht abgewählt werden, gehen die USA unter. Diese Botschaft haben die Republikaner schlicht umgedreht: Falls Biden gewählt wird, sind die USA am Ende. Wenn man es grob verknappt, haben die Demokraten den Amerikanern in der vergangenen Woche gesagt: Stimmt ihr nicht für Biden, siegt der Faschismus. Und die Republikaner antworten nun mit: Stimmt ihr nicht für Trump, hat der Kommunismus gewonnen.

Ich fand die Parteitagsrede von Obama sehr gut - aber sie war auch spaltend. Nach dem Motto: "Wir gegen die und wir sind die Besseren!"

All das erinnert an die BBC-Doku "The Power of Nightmares" von 2004.

Kurz gesagt: Früher haben Politiker im Wahlkampf oft positive Visionen aufgezeigt... Was alles möglich ist, was alles toll werden wird, wenn man sie wählt. Viele dieser Versprechen konnten nie eingelöst werden und - auch - deshalb hat sich mittlerweile die Strategie geändert. Längst werden die Wähler nicht mehr mit positiven Visionen umworben - sondern mit Angst. Das funktioniert:
Those with the darkest nightmares became the most powerful.

Es gab und gibt natürlich immer wieder Ausnahmen. Die Angst-Strategie gab's auch schon vor 2001ff und auch nach dieser Hochzeit der Angst gab es mit Obama ("Change / Yes We Can") wieder mal einen erfolgreichen positiven Ansatz.

Inzwischen sind wir aber eindeutig wieder bei der Angst als Mittel der Wahl angelangt. Ich habe neulich mit einem Freund gewettet, dass Trump wieder gewählt wird. Wenn in den nächsten Wochen nichts Überraschendes mehr passiert, werde ich diese Wette gewinnen.

"The Power of Nightmares" - hier die 4minütige Anfangssequenz, die eine gute Zusammenfassung ist:



Bei yt gibt's natürlich auch die gesamte Doku.

Obige Text-Zitate aus:
https://www.sueddeutsche.de/politik/tru ... -1.5009396

Auswurf
Benutzeravatar
Grasdaggl
Inzwischen sind wir aber eindeutig wieder bei der Angst als Mittel der Wahl angelangt. Ich habe neulich mit einem Freund gewettet, dass Trump wieder gewählt wird. Wenn in den nächsten Wochen nichts Überraschendes mehr passiert, werde ich diese Wette gewinnen.

hanoi

hin zu trump werden die wenigsten wechseln,
aber die mobilisierung auf der anderen seite,
wird weit stärker sein, als beim letzten mal
- würde ich wetten
das ist doch keine Musik









Tifferette
Benutzeravatar
Grasdaggl
Aber der Ballweg ist zum Schreien. "Verfassungsgebende Versammlung", "Regierung soll abdanken", ganz großartig.
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)

Southern Comfort
Benutzeravatar
Grasdaggl
https://www.zeit.de/2020/36/streitkultu ... eskalation

Bezahlschranke, leider, leider. Den Artikel (Gastbeitrag von Thea Dorn)fand ich so gut, dass ihn die ZEIT meines Erachtens verschenken sollte. Den wesentlichen Inhalt zitiere ich mal:

Vermutlich neigte der Mensch schon immer dazu, schneller selbst beleidigt zu sein, als einzusehen, dass auch er andere Menschen beleidigt. In den vergangenen Jahren ist jedoch eine Subspezies schnell beleidigter Schnellbeleidiger herangewachsen, die unseren politischen und kulturellen Raum, unser gesellschaftliches Miteinander zunehmend vergiftet. Nennen wir sie die "aggressive Mimose".

Exemplare der rechten Spielart explodieren zuverlässig, sobald sie irgendwo ein Gendersternchen entdecken, das Wort "Polizeigewalt" hören oder von Plänen, koloniallastige Straßennamen zu ändern. Je nach Aggressions- und Gesamtniveau wird dann höhnisch gejohlt, "linksgrün versifft" gebrüllt, werden Hasstweets abgesetzt, Morddrohungen verschickt. Und wenn alle Vernunft, alle Menschlichkeit und aller Anstand totkrakeelt sind, wird tatsächlich gemordet.

Exemplare der linken Spielart explodieren zuverlässig, sobald sie einem Zeitgenossen begegnen, der daran glaubt, dass es natürliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, der vom "christlich-jüdisch geprägten Abendland" spricht oder die grassierende "Political Correctness" beklagt. Je nach Aggressions- und Gesamtniveau wird dann über die "alten, weißen Männer" hergezogen oder gleich "Nazi" gebrüllt, wird zum Shitstorm mobilisiert, wird verlangt, dass "white privilege people" die Klappe halten, wenn Opfer reden.

...

Weil ich befürchte, dass wir uns in einem Eskalationsspiel befinden, das in Wahrheit schon lange kein Spiel mehr ist, sondern grässlicher Ernst, der unsere freiheitlich verfassten, offenen Gesellschaften zu vernichten droht. Wer Rechtsradikalismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homo- und Transphobie bekämpfen will, muss besonnener, souveräner, geduldiger, verzeihender sein als diejenigen, die er bekämpft. Aggressives Mimosentum von rechts lässt sich nicht eindämmen, indem man ihm mit aggressivem Mimosentum von links begegnet. Wer es – zu Recht – als Bedrohung unserer Demokratie ansieht, dass immer mehr Bürger aus dem konservativen Milieu bereit sind, sich aus Frustration und Trotz mit rechtspopulistischen Scharfmachern zu solidarisieren, darf sich nicht seinerseits mit zunehmend dogmatisch und autoritär auftretenden linken Scharfmachern solidarisieren. Feuer löscht man nicht mit Benzin.

Der jüngste Verfassungsschutzbericht lässt keinen Zweifel daran, dass wir es mit einer wachsenden Zahl gewaltbereiter Rechtsradikaler zu tun haben. Glaubt die identitätspolitisch hypersensibilisierte Linke wirklich, dieses Problem eindämmen zu können, indem sie die Detektoren für rassistische Beleidigungen – oder das, was sie dafür hält – immer feiner einstellt?


Passt imho ganz gut zu habers Artikel im Coronathread... Ich lass es hier, weil allgemeiner gefasst.
Bruno Labbadia ist wie ein Aschenbecher in einer Kneipe, die schon vor 20 Jahren hätte abgerissen werden sollen. Du weißt nicht, warum, aber er steht stetig in der Ecke, voller kalter Kippen und mit dem beharrlichen Geruch von verbrannter Vergangenheit.

Cantona
darkred hat geschrieben:Apokalyptiker, Esoteriker, Berufsquerulanten, überbesorgte Bürger und rechtes Pack stürmen symbolisch den Reichstag.

Was einer derart unseligen Allianz an solch einem Ort alles möglich ist. Unfassbar eigentlich.

https://twitter.com/AintNobody86/status/1299763564425732096?s=19


...und interessanterweise habe ich von denjenigen, die in den letzten Wochen so vehement das Thema Polizeigewalt in Deutschland etc... thematisiert haben, keine Klagen über den Einsatz bzw. die Einsätze der Polizei in Berlin am heutigen Tag gehört.

Zum Thema Identitäre & co. ganz Interessantes in F:



Es ist ein "Anti-Separatismus" Gesetz in Vorbereitung, mit dem man sich dem wachsenden Kommunitarismus entgegenstellen und ganz nebenbei den Grundsatz des Laizismus stärken will.

Finde die Schiappa ganz gut, wird sicherlich noch politisch Karriere machen... (wobei ich Korsinnen grundsätzlich ganz gut finde, wie mir immer wieder auffällt... :mrgreen: :bounce: ).

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Marlène_Schiappa
Zuletzt geändert von Cantona am 29. August 2020 23:43, insgesamt 2-mal geändert.

Cantona
"Der jüngste Verfassungsschutzbericht lässt keinen Zweifel daran, dass wir es mit einer wachsenden Zahl gewaltbereiter Rechtsradikaler zu tun haben. Glaubt die identitätspolitisch hypersensibilisierte Linke wirklich, dieses Problem eindämmen zu können, indem sie die Detektoren für rassistische Beleidigungen – oder das, was sie dafür hält – immer feiner einstellt?"

...schon lange meine Rede...

Das einzig Gute an der Veranstaltung in Berlin, das von der Zusammensetzung her recht "diverse" :bounce: Gruppen vereint hat, ist, dass es den politisch Verantwortlichen in Berlin vor Augen geführt hat, was es alles für Gruppierungen gibt, die sie nicht mehr erreichen... sofern sie überhaupt hingeschaut haben... ich weiss auch gar nicht, wie da überhaupt eine Kommunikation zu Stande kommen könnte, sind ja zum Teil völlig unterschiedliche Galaxien. Wobei....
Diese Veranstaltung erinnert mich von der Zusammensetzung her zum Teil ein wenig an die Anti-S21-Bewegung (war bekanntlich auch recht "divers", von der Zusammensetzung her :bounce: ), die ja meine Freunde von den Grünen recht clever politisch instrumentalisiert haben.

War jedenfalls wieder ne richtig illustre Gruppe am Start, alle Achtung...

Cantona
A propos politische Bewegungen:

die 5 Stelle in Italien, die ja quasi aus dem nichts in kürzester Zeit in Regierungsverantwortung gekommen sind, anfangs mit den ihr eigentlich politisch überhaupt nicht nahestehenden Rechten, ist auch auf kommunaler Ebene aktiv; verfolge mit Interesse auf facebook und instagramm, wie die OB von Rom ihr politisches Wirken promotet, und finde, sie macht das ganz gut:

https://instagram.com/virginiaraggim5s? ... xgs0lbvcdo

Bin nach wie vor am überlegen, wie und in welcher Partei ich mich politisch weiter engagieren werde, nachdem es mit mir und der SPD nichts mehr wird. Vielleicht muss auch was Neues her, abseits von den aktuell (noch) etablierten Parteien.


Auswurf
Benutzeravatar
Grasdaggl
cantona
wenn Du über die mehrheitsfähigkeit Deiner sichtweisen nachdenkst,
wirst Du vielleicht zum schluß kommen, dass Deine neue, neueste noch zu gründende partei ein rohrkrepierer werden könnte.


Es ist schon krass, dass leute mit unterschiedlichst verquerer Denke kämpferisch euphorisiert und revolutionär vereint marschieren.
Das licht Ihrer hoffnungen ein einziges trugbild.
Sind die alle am arsch und wir mit Ihnen,
oder wie zur hölle soll man mit denen umgehen?

Wie soll man leute mitnehmen, die jeden tag mehr ihr weltbild festigen?
Ich nehme an, dass auch von euch die meisten ständig auf leute treffen,
mit denen man kontroverse gespräche zu den aktuelle heissen themen führen könnte - wohlwissend absolut nichts zu bewirken.
Ich beschränke mich derzeit darauf, klar und knapp stellung zu beziehen
um dann das thema zu wechseln
das ist doch keine Musik


Cantona
publicenemy hat geschrieben:Es würde mich nicht wundern, wenn bei querdenken711 oder wie die sich nennen, viele S21 Gegner dabei wären. Dribbelkönig und Schlurger zum Beispiel.


Genau, der Verdribbler, ein typisches Beispiel... Passt perfekt. :D :D :D

Cantona
Auswurf hat geschrieben:cantona
wenn Du über die mehrheitsfähigkeit Deiner sichtweisen nachdenkst,
wirst Du vielleicht zum schluß kommen, dass Deine neue, neueste noch zu gründende partei ein rohrkrepierer werden könnte.


Das ist ein Gedanke, der mir nicht fremd ist... ;)

Auf der anderen Seite ist die Alternative, deswegen politisch gar nichts mehr zu machen, für mich jedenfalls keine sonderlich beglückende Option; insbesonders, wenn man sieht, was alles für komplett Geistesgestörte unterwegs sind.... von gruen ( :mrgreen: :bounce: ) bis zu den Demovögeln gestern in Berlin.

Auswurf
Benutzeravatar
Grasdaggl
publicenemy hat geschrieben:Es würde mich nicht wundern, wenn bei querdenken711 oder wie die sich nennen, viele S21 Gegner dabei wären. Dribbelkönig und Schlurger zum Beispiel.


das wird auch mit sicherheit so sein, aber hatte nicht haber den schlurger auf der gegen gegen demo gesehen?(ich denke schon)
Damals war ich noch kein stuttgarter, aber alle "aktivisten" von damals
die ich kenne, würden sich aus tiefster überzeugung nicht an den derzeitigen protesten beteiligen.
Da haben einige den staatstragenden teil in sich entdeckt :cyclops:
das ist doch keine Musik

redrum
Benutzeravatar
Lombaseggl
publicenemy: Schlurger garantiert nicht, denn Schlurger ist kein durchgeknallter Schreihals. Im Gegenteil.

Und zu den S21-Gegnern: In den meisten Belangen hatten sie doch recht. Die Kosten explodieren und es muss permanent nachgebessert werden, weil das ursprüngliche Konzept einfach unzureichend war. Nur wenn man S21 als das betrachtet, was es eigentlich ist, ein Immobilienspekulationsprojekt kann man von einem Erfolg sprechen.

Übrigens diese Bezeichnung "Wutbürger" ist ein Wort aus der Propagandakiste der Befürworter. Sie passt nur nur auf einen Teil der damals an den Demos Beteiligten.

Tifferette
Benutzeravatar
Grasdaggl
Aber auf einen ziemlich großen und sehr lauten Teil, der die ganze Zeit was von Demokratie gebruddelt hat und gleichzeitig demokratische Prinzipien mit Füßen getreten hat. Das kann man in dieser Verkürzung schon sagen, no problemo.
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)