Strafraumgitarre hat geschrieben:An dieser Stelle frage ich mich halt aber auch in all meiner naiven küchenpsychologischen Unschuld, inwiefern hierbei ausgerechnet Männer das Recht haben, zu kritisieren, wenn Frauen selbstbestimmt sexistische Klischees bedienen, um daraus für sich selbst Vorteile zu ziehen, die sie ohne ausreichend gepolte männliche Rezipienten gar nicht ziehen könnten.
Umgekehrt: Warum sollen Männer nicht das Recht haben? Wenn man Frauen ein "Patent" darauf gäbe Sexismus kritisieren zu dürfen, wird man nie die nötige Anzahl von Männern mobilisieren die es braucht, um hier etwas gesamtgesellschaftlich zu verändern. Außerdem, wie Darkred auch schon zu recht angedeutet hat, müssen sich Männer auch dafür kritisieren lassen, wenn sie Frauen nur auf ihre sexuellen Reize reduzieren. Dann ist es schon auch durch Männer diskutabel, finde ich, warum Frauen das dann selbst machen. Hier entsteht Erklärungsbedarf. Wir reden hier ja nicht über Pussy Riot, die ihre körperliche Nacktheit nutzen um für demokratische Ziele die Öffentlichkeit zu provozieren. Flache9 hatte ehemals auch auf Instagram und Social Media in toto abgehoben.
Strafraumgitarre hat geschrieben:Ich gehöre sicher nicht zur Zielgruppe für diese Art Musik im allgemeinen und schon allein aus diesem Grund auch nicht für die dazugehörenden Videos. Aber wenn Männer anprangern, dass es Frauen gibt, welche die Emanzipation ihres eigenen Geschlechts torpedieren, indem sie aktiv einem männlich dominierten Sexismus Vorschub leisten, dann hat das für mich eben auch ein Gschmäggle. Sie könnten ja stattdessen ebenso ihre männlichen Geschlechtsgenossen kritisieren, die diese kommerziell offenbar durchaus ergiebigen Darbietungen überhaupt erst ermöglichen. Letzteres wäre aber vermutlich die unbequemere Variante.
Warum konstruierst Du hier ein "Entweder oder"? Mann und Frau kann doch beides krisisieren, also die jungen Frauen, die nur mit ihren sexuellen Reizen "argumentieren" wollen, als auch die Jungs und Männer, die diesen Mädels nur deshalb Aufmerksamkeit schenken?
Strafraumgitarre hat geschrieben:Und manchmal ist es vielleicht auch gar nicht verkehrt, wenn man sich aus einem gewissen Respekt heraus zu bestimmten Sachverhalten erst gar nicht äußert.
Wenn man Sexismus beobachtet, geht es ja gerade darum nicht mehr wegzuschauen. Das "Wegschauen" dann mit "Respekt" zu begründen, hat etwas Abenteuerliches.
Strafraumgitarre hat geschrieben:Und ganz grundsätzlich fällt mir hierzu gerade noch eines meiner Lieblingszitate überhaupt ein.
Geschrieben hat diesen Satz Gisbert Haefs in irgendeinem seiner Bücher und er lautet
Gisbert Haefs hat geschrieben:Es gibt mehr schlechte Männer als gute Frauen.
Das bringt für mich den gesamten Komplex bestmöglichst auf den Punkt.
Da es hier nicht um gut und böse/schlecht geht, ist das für mich eher so ein Zitat auf Mario-Barth-Niveau, tut mir leid, ich hoffe das kränkt Dich nicht. Frauen und Männer leben aktuell noch in einer patriarchal geprägten Gesellschaft. Darunter leiden Frauen und Männer gemeinsam (darüber müssten wir dann im Falle der Männer auch mal reden). Um dies zu ändern, sollten man besser nicht gleich mit den alttestamentarischen Schuldkategorien beginnen. Keiner von uns hat sich die Gesellschaft ausgesucht in die er/sie hineingeboren wurde. Und man braucht ja auch erst mal 30-40 Jahre, bis man die Mechanismen so halbwegs versteht, wenn man sich überhaupt dafür interessieren möchte.
Strafraumgitarre hat geschrieben:Wer irgendetwas verändern oder verbessern möchte, der (oder die...) muss bei sich selbst beginnen anstatt kritisierend mit dem Finger auf andere zu zeigen. Das ganz grundsätzlich, weil es eben so ist und auch nur so funktioniert.
Sorry, aber das ist auch so ein oft zitiertes, aber deshalb meist nicht weniger naives Verdikt. Vieles kann man nur gemeinsam mit vielen Anderen ändern. Da nutzt es nichts, wenn jeder glaubt bei sich selbst beginnen zu können. Die patriarchialen Strukturen ändern wir so jedenfalls nicht. Zumindest nicht effizient.