Papa hat geschrieben:Liebe Mitglieder der Familie Hempel, liebe Kinder,
ich habe am 18. Dezember 2020 beim Jugendamt meine Kandidatur für das Amt der Mama der Familie Hempel fristgerecht eingereicht. Hinter mir lagen Tage und Nächte des Grübelns und Abwägens: Es waren auch Tage und Nächte vieler Gespräche in unserer Ehe.
Die Hempels liegen mir, wie Euch, am Herzen. Die Hempels sind ein wichtiger Teil meines Lebens, ja, sie sind Teil von mir. Meine Kandidatur reichte ich voller Überzeugung ein. Trotzdem wird dieser Schritt einige von Euch überraschen. Ich will Euch die Gründe deshalb erklären.
Ein tiefer Riss geht durch unsere Familie. Dieser Riss gefährdet alles, worauf wir zu Recht stolz sind. Anders als es einigen erscheint, verläuft dieser Riss nicht zwischen Eltern und Schwiegereltern – und nein, dieser Riss ist auch nicht „typisch Hempels“. Der Riss verläuft zwischen unserer Mama auf der einen Seite und dem gesamten Teil der männlichen Linie und zahlreichen Angehörigen aus Verwandtschaft, Oma und Opa sowie Nachbarinnen und Nachbarn auf der anderen Seite. Dieser Zustand ist nun endgültig unzumutbar geworden.
Es geht hierbei leider – und leider nur unter anderem – auch um Sorgerechtsfragen und den viel zitierten „Bausparvertrag“, also um eine transparente, zielgerichtete und risikobewusste Finanzierung unseres gemeinsamen Häusles und der Familie Hempel überhaupt.
Wenn wir dieses Thema unterschätzen, werden die Hempels in mehrfacher Hinsicht teuer dafür bezahlen. Im Verlauf der vergangenen Monate hat sich ein Kreis um die Mama gebildet, der seine
Ziele in einer Art und Weise verfolgt, die uns Hempels massiv schadet.
Der zuletzt öffentlich über Tante Edeltraut ausgeübte Druck auf Oma und Opa ist hierfür ein Beispiel. Schwerer wiegt aber der Umgang mit der Taschengeldaffäre. Es war und ist richtig, diese Vorgänge extern und kritisch untersuchen zu lassen. Wenn die Hempels Fehler machen, müssen sie dafür geradestehen. Die externen Prüfer vom Finanzamt machen ihren Job. Gerade wenn man sich Transparenz und Integrität auf die Fahne schreibt, muss aber auch die Aufklärung professionellen und rechtlichen Kriterien entsprechen. Mit der Autorität der Ämter als Mutter und Taschengeldbeauftragte hat die Mama jedoch eine Dispoüberziehung ohne Ausschreibung, ohne Kostenschätzung und ohne Projektplan durchgedrückt und bei der Projektleitung die nötige Sorgfalt, Kompetenz und Abstimmung vermissen lassen. Die unkontrolliert ausufernden Kosten führten dazu, dass der Papa die Mama unterstützen muss, um sie vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.
Der Profilierungswunsch einer Einzelnen bedroht so die Existenz des ganzen Hempel-Clans.
Während die Mama über sich selbst als „transparent und glaubwürdig“ spricht und sich Kinder-nah präsentiert, kommt sie intern ihren Informationspflichten nicht nach – und sensible Interna landen allzu oft bei Nachbarn außerhalb des Häusles.
Es war zu keiner Zeit eine Strategie oder Vorgehensweise erkennbar, wie wir gemeinsam die Hempels voranbringen wollen, vor allem: Was der Beitrag der Mama und Taschengeldbeauftragten sein soll. In der Hausarbeit verliert sie sich in Details, sie kocht nicht, sie putzt zu wenig, sie fällt selten Entscheidungen, sie pflegt keinen offenen Austausch und keinerlei Streitkultur. Gerade aber das leidenschaftliche, interne Austragen von Konflikten ist wichtig. Eine Ehe, in der sich immer alle einig zu sein haben, eine Familie, in der man es sich gemütlich macht, hat keinen Erfolg. Kein kritisches Kind kann sich so einen Ehe wünschen.
Jetzt steht die Wahl der Mama an. Und damit die Entscheidung darüber, ob wir in den kommenden Jahren in dieser Konstellation weitermachen können. Meine Antwort ist eindeutig: Nein. Das bedeutet für mich: Ich kann mich mit meiner Geschichte, meiner Leidenschaft, meiner Verantwortung und in meiner Position jetzt nicht wegducken.
An dieser Stelle ist mir wichtig, zu betonen: Die Mama hat in einem Übergangsjahr ihren Beitrag zur positiven Außendarstellung der Hempels geleistet. Insbesondere hat sie sich dem Verhältnis zwischen Familie und Nachbarn gewidmet. Dafür bin ich ihr dankbar. Es ist uns gelungen, nach außen ein Bild der Gemeinsamkeit aufrechtzuerhalten. Die Wahrheit ist aber auch: Es ist uns trotz aller aufrechten Versuche nicht gelungen, eine gemeinsame Linie und eine Form der Zusammenarbeit in der Familie und zwischen den Eheleuten zu finden, die für die Hempels weiter tragbar ist. Ich bin mit der Mama auch an diesem Punkt offen umgegangen, ich habe ihr meine Kandidatur deshalb persönlich mitgeteilt und erläutert. Dass ich in meiner Position als Papa das Risiko einer Kandidatur gegen die Mama in Kauf nehme und dass dieses Risiko in der Verwandtschaft Zustimmung findet, zeigt deutlich genug, wie dramatisch die Situation ist. Ich könnte mich durchwurschteln oder raushalten. Aber es wäre Euch und meinem eigenen Gewissen gegenüber verantwortungslos, einfach so weiterzumachen.
Ihr kennt mich inzwischen hoffentlich gut genug. Ihr wisst: Ich bin der Letzte, der bei den Hempels Selbst-zufriedenheit und Bequemlichkeit retten und Veränderung unterbinden will. Die Familie wird unter meiner Führung derzeit bewusst umstrukturiert. Wir wollen im Wohnzimmer eine Aufbruchsstimmung erzeugen und diese aufrechterhalten. In den vergangenen Monaten sind innerhalb der Hempels jedoch nicht Gräben zugeschüttet, sondern neue Gräben aufgerissen worden. In dieser Situation sollte die Mama der Hempels eine Hilfe sein, ein Vorbild, einfach: Die eine Frau mehr!Diese Frau will ich für die Hempels sein, indem ich neben meiner Aufgabe als Papa das Amt der Mama übernehme. Natürlich ehrenamtlich. Die derzeitigen Reibungsverluste und Konflikte gefährden unsere gemeinsamen Ziele. Als ehrenamtliche Mama und hauptamtlicher Papa werde ich diese Grabenkämpfe nicht befeuern, sondern beenden. Mit Begriffen wie „Ehestreit“ kann ich nichts anfangen, auch wenn sie nun die Runde machen werden.
Liebe Kinder,
ich weiß, welche Risiken mit meinem Schritt verbunden sind. Eine Auseinandersetzung wie diese ist hart und kann dem Image der Hempels einen Kratzer zufügen. Einige werden sagen: Typisch Hempels, kaum läuft es mal, fallen sie übereinander her. Aber ein Kratzer ist besser als ein Totalschaden. Eine Familie hat keinen Erfolg, wenn die Eltern unterschiedliche Vorstellungen über die Zusammenarbeit und Probleme einfach weglächeln. Für diese Form der Gemütlichkeit bin ich der Falsche. Verantwortung zu übernehmen bedeutet, mit Mut und Tatkraft Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie unbequem sind und man dafür ins Risiko gehen muss. Für die Hempels gehe ich jetzt ins Risiko. Weil es sein muss.
Mit familiären Grüßen,
Euer Papa