Ansonsten ergibt sich für mich so langsam schon ein Bild.
Die Datenaffäre (für einen Skandal, reichts nicht) hat sich verselbstständigt und bedroht nun gewisse Funktionäre darin, ihre Aufgabe beim VfB fortsetzen zu können. Man ist sich zwar durch die Bank bewusst, dass die Vorgehensweise, Stimmen pro Ausgliederung durch gezielte Mitgliederbeeinflussung/Datenweitergabe an Schlittenhardt zu generieren, weder datenrechtlich noch ethisch in Ordnung war. Aber man hat nicht damit gerechnet, dass der Präsident des e.V. diesen Ballon so groß aufbläst, dass daraus eine Nummer wird, die (in der Öffentlichkeit) immer größere Kreise zieht, womit ein Wegtauchen und Aussitzen für die maßgeblich beteiligten Kräfte nahezu unmöglich wird. Man hätte -so mglw. das Kalkül- mit einer Untersuchung des Landesdatenschutzbeauftragten leben können, der dann ein Verwarnung ausspricht, transparentere Strukturen im Umgang mit denn Daten einfordert und obendrein möglicherweise eine Geldstrafe verhängt. Bestenfalls hätte man sich infolge bei den Fans entschuldigt und Besserung gelobt ... und der Käs wär gegessen gewesen.
Aber da hat man die Rechnung ohne Vogt gemacht.
Der sich selbst nicht nur als brutaler Aufklärer in der Datenaffäre definiert, sondern sich als Chef des AR dazu auserkoren sieht, jeden investierten Euro unter seinem Auge dreimal umgedreht zu sehen. Hitz und sein Team, die die Strategie der AG entwickeln, merken nach und nach, dass sie in der Umsetzung, im täglichen Geschäft, daran gehindert werden, weil der AR-Chef vom Weg der AG nicht in Gänze überzeugt ist. Die einen wollen investieren und gestalten, die anderen mokieren sich darüber, dass mit den bislang eingesetzten Geldmitteln doch schon weit mehr zu sehen sein sollte. Und stellen blöde Fragen wie warum man bspw. mit einem Materazzo in der Rückrunde verlängern muss. Und so schaukeln sich die Wellen immer höher, man beäugt sich zusehends misstrauischer.
Team Hitz sagt Team Vogt hat keine Ahnung vom Profifußball und bemängelt das fehlende Vertrauen in das mittel- bis langfristige Konzept, das nun Mal Zeit und Invest benötigt. Zudem wirft man dem AR-Chef vor seine Stellung zu missbrauchen um ins Geschäft der AG einzuwirken, bewusst Prozesse zu verschleppen und Entscheidungen hinaus zu zögern. Und das man so nicht zielgerichtet arbeiten könne.
Team Vogt sagt das Team Hitz so vorgeht wie schon zu früheren Zeiten. Eigenbrödlerisch, ohne sich groß in die Karten schauen lassen zu wollen. Man jedoch als e.V. Vertreter schließlich den Mitgliedern auch Rechenschaft abzulegen hat, was wann wie getan wird. Und man daher genau abwägen muss, was im Sinne des größten Anteilseigners ist und was nicht. Da stünde man nach Dietrich in der Pflicht und er sieht sich (plus sein beratendes Team hinten dran) als taugliches Korrektiv.
Die Pattsituationen mehren sich, woraufhin Vogt die Muskeln spielen lässt und sich in seiner Rolle als restloser Aufklärer der Datenaffäre zu profilieren sucht. Es wird aus seiner Sicht immer mehr zur Notwendigkeit, Fans und Mitglieder in den eigenen Rücken zu bringen, um Hitz damit indirekt die Grenzen aufzeigen zu können. Den er zusehends auf einem Solotrip wähnt, während er nur die großen Radstellungen der AG abnicken und ansonsten die Schnauze halten und seine Repräsentationspflichten wahrnehmen soll. Aber so lässt er sich nicht unterbuttern und die Lager verhärten sich, bis einem der Kragen platzt.
Und das war bekanntlich Hitzlsperger's.
Der damit ja nun an alle stimmberechtigten Mitglieder nicht weniger als die grundsätzliche Frage stellt, ob man Vertrauen in ihn, sein Team und den skizzierten Weg hat oder ob man sich lieber in internen (kleingeistigen, provinziellen, kompetenzbefreiten) Richtungsstreitigkeiten aufzehrt und somit weiter der Klepperlesverein bleiben will, der zu zwei Abstiegen in kürzester Zeit geführt hat.
Ich kann beide Parteien mit ihren jeweiligen Beweggründen verstehen, dennoch muss jedes Mitglied die von Hitz indirekte gestellte Frage annehmen und für sich klären.
Setzte ich die sehr erfreuliche sportliche Entwicklung, die zudem auf einem klar vermittelten Konzept fußt (wenn man denn Mislintat mal etwas näher zugehört hat) aufs Spiel, damit ich mir ein wie auch immer geartetes, abstraktes Mitspracherecht bewahren kann? Das ich doch eh nur indirekt über die Wahl eines Vertreters ausüben kann, von dessen Interpretation des Mitgliederwillens ich wiederum abhängig bin?
Brauch ich dieses Konstrukt um mich gut zu fühlen oder ist das nostalgische Fanfolklore?
Will ich Bundesliga oder will ich "Stop den Kommerz".
Wenn es nach den Ultras ginge, dann hätte man ja gar nicht ausgliedern brauchen. Man müsste dann aber in Kauf nehmen, mit seiner Tradition den traditionellen Weg von 1860, MSV Duisburg & Co. zu gehen ... und damit in die nationale/internationale Bedeutungslosigkeit abzusteigen. Das man auf Dauer nicht länger oben mit schwimmen und gleichzeitig an überkommene Strukturen festhalten kann, ist im Grunde Gegenstand dieses Machtkampfs. Oder besser Richtungsstreit.
Ich war klar pro Ausgliederung und bin deshalb nun auch pro "Weg Hitz".
Wer A sagt... darf nicht Vogt sagen.