CoachingZone hat geschrieben:Der VB, in dem so ehrenwerte Leute wie Prof. Bühler sitzen, hat Claus Vogt als Kandidaten aufgestellt. Möglicherweise waren die Argumente gegen ihn doch nicht so valide, sondern eher vorgeschoben. (Achtung: Spekulatius!)
Ich möchte dagegen spekulieren.
Zunächst vorab:
Warum gilt André Bühler als ehrenhaft? Weil du ihn Prof. Bühler nennst? Der Titel ist ja korrekt, nur: Kommt das Ehrenhafte automatisch mit dem Titel? Das wird hier suggeriert und das finde ich nicht nötig. (Das musste vorab raus, ab jetzt versuche ich es sachlich.)
Zu den Argumenten gegen Vogt:
In Hitzlspergers Brief standen mehrere Kritikpunkte, die nach dem Vogt-Votum des reduzierten VB nicht auf einmal wertlos sind. Vorwürfe wie "hält sich nicht an Absprachen" sind ganz sicher nicht erfunden gewesen. Da hätte sich viel zu leicht das Gegenteil beweisen lassen. Die Frage ist halt, wie man diese Vorwürfe bewertet. Die Bandbreite geht von "Mit so einem kann man nicht zusammen arbeiten" bis zu "Jeder hat das Recht, nochmal über eine Meinung zu schlafen und es dann anders zu sehen". Der reduzierte VB dürfte zu letzterem neigen. Wir - von außen - können das nicht einschätzen.
Entscheidend dürfte sein, wie die zwei Akteure in Zukunft damit umgehen: Akzeptiert Thomas Hitzlsperger, dass es solche Meinungsänderungen auch weiterhin gibt? Wird Claus Vogt verlässlicher bzw. kann er seine Meinungsänderungen im Anschluss besser vermitteln? Letzteres ist immens wichtig, da der Vorwurf im Raum steht, Vogt lasse sich von seinen externen Beratern beeinflussen. Es dürfte normal sein, dass Vogt mit seinen Kumpels spricht und dass das ein bisschen abfärbt. Wenn die neu dazugekommenen Argumente gut sind und Vogt sie gut vermittelt, sollte das machbar sein. Vogt hat nunmal eine andere Herkunft (Fan statt Profi), das muss Hitzlsperger akzeptieren. Es braucht einfach von beiden Seiten mehr Verständnis und Kompromissbereitschaft.
Einige Kritikpunkte lassen sich so einordnen. Heikel, aber lösbar.
Dazu stand noch im Raum, Vogt habe Infos durchgestochen. Auch das ist eine Frage der Bewertung. Vielleicht sagt die eine Seite: "Vor zwei Tagen haben wir intern über Thema X gesprochen - heute steht's in Prechtls Kolumne. Das KANN nur Vogt gewesen sein!" Andere halten dagegen, dass das a) nicht bewiesen ist und b) Prechtl sicher auch andere Quellen beim VfB hat, hatte er ja auch schon vor Vogt. Beide Seiten können Recht haben - knifflig ist hier, dass es eine Glaubenssache ist. Also eine andere Kategorie als das oben ausgeführte Problem und deshalb deutlich schwerer zu lösen. Hier kann man nur hoffen, dass nach und nach wieder Vertrauen aufgebaut wird.
Hitzlsperger, in seiner nun geschwächten Position, wird notgedrungen Kompromisse machen müssen. Vogt stünde das auch gut zu Gesicht. Nur so kann der Graben zugeschüttet werden.
Wie das intern zwischen den beiden läuft, kann ich nicht beurteilen. Ich nehme halt einen Präsidenten wahr, der sich über seine Filmrechte freut und seine Freunde applaudieren. In der Tat ein ganz eigener Film.
Edit:
Noch zwei andere Aspekte:
A) Wenn Hitzlsperger in seinem Brief Claus Vogt attackiert und ihm bspw. eine berufliche Eignung abspricht, ist das etwas anderes als wenn VB-Mitglieder von einem anonymen Social-Media-Mob (mutmaßlich) bedrängt, beschimpft oder bedroht werden. Beides hat vernichtendes Potenzial - aber in ganz anderen Bereichen. Das kann man m.E. absolut nicht vergleichen.
B) Die Info, dass im VB über eine sechsstellige Honorierung des Präsidenten diskutiert wird/wurde, stand zwar in der BLÖD - aber es war ein Interview. Das ist kein BLÖD-Gerücht, das hat Zeh ganz konkret gesagt. (Er hat es zumindest noch nicht widerrufen.) Wenn Zeh hier gelogen hat, wird der VB das sicher bald klarstellen.