"Machen Sie sich keine Sorgen, ich hatte auch schon Corona, es ist nicht schlimm."
Wir wissen zwar Stand heute immer noch nicht, wo uns die Pandemie noch hinführt, aber ein erstes Zwischenfazit könnte durchaus lauten: Je später man Corona bekommt, umso gefährlicher wird es. Ich meine natürlich nicht das eigene Alter, sondern den zeitlichen Verlauf der Pandemie. Wobei es bei den Varianten P1 oder B117 nicht nur darum geht, ob sie tödlicher sind, sondern, dass die Verläufe und damit die Langzeitfolgen schwerwiegender sein können.
Nach wie vor werde ich das Gefühl nicht los, dass wir im Frühjahr 2020 in einer unangemessenen Hysterie begonnen haben vor etwas wegzurennen und uns verstecken zu wollen, was ohnehin jeder bekommen wird.
Jeder! Ob 2021 oder erst 2024, jeder wird Corona bekommen. Auch Impfen wird das nicht verhindern. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Man muss das offensichtlich immer mal wieder sagen, weil das vielen Menschen gar nicht klar zu sein scheint.
Dieses Wegrennen und sich Verstecken könnte tatsächlich zu einem Bumerang werden. Ich sage bewusst "könnte", weil man den aktuellen Fluchtmutationen noch nicht wirklich eine Tendenz ansehen kann. Aber falls es so kommt, wäre es natürlich tragisch, weil dann auch jüngere Menschen schwer erkranken oder gar sterben würden, denen Anfangs nahezu überhaupt nichts gedroht hätte durch die Ursprungsvariante.
Wir gehören heute nahezu alle zu den 2-3 Generationen in der westlchen Welt, die entgegen unserer kollektiven Menschheitserfahrung eigentlich nie am Leben bedroht wurde. Demzufolge haben wir auch einige merkwürdige Probleme in unserem Freund:innen:kreis...
Aber vielleicht macht uns das ja auch betriebsblind.
Merkwürdig, beobachtet auf Basis von wissenschaftlichen Erhebungen, ist jedenfalls, dass, obwohl das menschliche Leben im Alltag nie weniger bedroht war als heute, die Angststörungen (darunter leider auch gerade die sehr schwerwiegenden) kontinuierlich zunehmen. Es scheint fast so, als wären wir so darauf geeicht in unserer Evolution, der potentiell feindlichen Umwelt immer in Habachtstellung zu begegnen, dass wir in dem Moment, wo sich die Zahl der Gefahren immer weiter mindert, anfangen uns welche zu halluzinieren....
Ich weiß nicht, wie ihr das empfindet: ich rede manchmal mit Leuten und merke, dass die wirklich überzeugt davon sind, dass sie auf keinen Fall an Corona erkranken dürfen, weil sie sonst wahrscheinlich sterben müssen. Also mit so einer gefühlten Wahrscheinlichkeit von 1:2 bis 1:4. Tatsächlich wäre man an der Urvariante höchstens mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 1:10.000 gestorben, jedenfalls wenn man unter 60 Jahre alt ist. Aber die Menschen rekognizieren eben leider keine Gefahren, sondern fühlen sie. Mit Wahrscheinlichkeiten kann man da kaum etwas ausrichten...