Tamasi hat geschrieben:Spielgerät,
Karl Lauterbach hat fünf Kinder.
Ein Problem bei der obigen "Streeck vs. Hardliner"-Debatte:
Grundsätzlich dürften die Hardliner Recht haben: Nur mit harten Maßnahmen kriegt man das Virus unter Kontrolle. Dummerweise gibt / gab es bei uns immer nur Kompromisse und Wischiwaschi.
Wenn die Hardliner jetzt weiterhin harte Maßnahmen fordern, dann haben sie zwar weiterhin - theoretisch - Recht. Aber auch ihnen kann man vorwerfen, dass sie nach über einem Jahr Pandemie nichts gelernt haben. Wieso etwas fordern, was in Deutschland nicht umsetzbar ist?
Zu unserem Wischiwaschi-Kurs gehört aber auch, dass die Zügel punktuell immer wieder angezogen werden müssen. Der Zustand in den Krankenhäusern wird das erzwingen. Das wiederum sollte auch Streeck wissen.
In diesem einen Punkt hatte Streeck allerdings von Anfang an Recht:
Wir leben in einer Dauerwelle. Nur halt nicht so, wie er das eigentlich gemeint hat.
Welche harten Maßnahmen? Also ich meine diejenigen, die von den Menschen auch heute noch mitgetragen werden (in der ersten Welle war das anders), ohne dass man sie dazu knüppelt? Witziger Weise sagen in Umfragen ja immer noch ganz viele, dass sie "härtere Maßnahmen" befürworten. Die gleichen Befragten geben dann zu Protokoll, dass sie die Gefahr, sich bei ihnen bekannten Menschen anzustecken, als gering erachten und sich deshalb "ab und zu" auch mit mehreren Freunden treffen, obwohl es ihnen klar ist, dass sie damit gegen die Coronaregeln verstoßen. Mit harten Maßnahmen kommen wir bei einer Inzidenz unter 300 oder vielleicht sogar 400 nicht weiter, davon bin ich überzeugt. Der kurze Österreicher hat ja schon vor einiger Zeit festgestellt, dass die schönsten Lockdownbestimmungen nichts bringen, wenn sich niemand dran hält (seitdem öffnet Ö schrittweise dort, wo es die Zahlen zulassen, und - oh Wunder - die Katastrophe bleibt aus). Ganz abgesehen davon, dass sich vermutlich ein JoJo-Effekt einstellt, und der Erfolg der harten Maßnahmen ganz schnell wieder verpufft.
Der Weg kann also nur sein, die Menschen mitzunehmen, um Verständnis zu werben und intelligente Lösungen anzubieten . Meiner Meinung nach werden weder Lauterbach noch Brinkmann das mit ihren Ansätzen schaffen. Lauterbach spreche ich den guten Willen überhaupt nicht ab, der wird fest davon überzeugt sein, dass sein Kreuzzug gegen jedwede Öffnungsphantasien der einzig richtige Weg ist. Dabei schießt er halt meilenweit über das Ziel hinaus. Und er spielt sich in wirklich jeder Frage, die an ihn gerichtet wird, zum allergrößten Experten auf (im Gegensatz zu dem von mir zitierten Streeck, der öfter zugibt, keine Antwort zu haben), was ihn in meinen Augen eben extrem diskreditiert.
Das ging los bei den Masken, die seiner damaligen Meinung nach wenig bringen und die Menschen "dazu verführen würden, unvorsichtig zu sein". OK, Schwamm drüber, lange her.
Es ging weiter mit den Tests, die laut Karlchen viel zu fehleranfällig seien und die Menschen (Achtung, bekannt!) "dazu verführen würden, unvorsichtig zu sein".
Neulich wurde er mit der Feststellung der Aerosolforscher konfrontiert, dass ein Ansteckungsrisiko im Freien verschwindend gering sei. Er stammelte dann was davon, dass es darüber keine Studien gebe

, überhaupt die Feststellungen falsch seien und sehr wohl draußen ein Risiko bestehe. Das hatte schon sehr viel von einem trotzigen Kind.
Palmer und sein - unter Begleitung der Uni Tübingen und nicht der örtlichen Musikkapelle durchgeführtes - Tübingen-Experiment kanzelte er unlängst barsch mit dem Hinweis ab, es sei jetzt keine Zeit für Experimente. Als ob die Zahlen deutschlandweit explodieren würden, wenn das Ding unter Aufsicht (!) fortgeführt wird. Lächerlich.
Ausgangssperren hält Lauterbach selbstverständlich für "unverzichtbar", obwohl deren Wirkung alles andere als nachgewiesen ist. Gleichzeitig spielt er sich als Soziologe und Psychologe auf, weil er natürlich weiß, dass die Menschen - entgegen der Annahme der Soziologen und Psychologen

- dann nicht andere, noch riskantere Wege suchen werden, das Kontaktverbot zu umgehen.
Soviel zu Lauterbach, den man hier in Bayern als a rechts Gscheithaferl bezeichnen würde.
Streeck (und einige andere auch, der ist ja nicht alleine mit seiner Ansicht) dagegen spricht sich dafür aus, unter Einhaltung der auch im Tübingenmodell praktizierten Maßnahmen die Außengastronomie zu öffnen, um zu verhindern, dass die Menschen sich - siehe oben - in geschlossenen Räumen treffen, was wesentlich höhere Risiken beinhaltet.
Streeck spricht sich dafür aus, den Vereinssport für Kinder und Jugendliche im Freien zu erlauben, weil davon so gut wie keine Gefahr ausgeht, und es die (völlig unbestritten) katastrophalen Folgen des Lockdowns für diese Gruppe abmildern kann.
Streeck hat noch, wie ich finde, einige andere gute Ideen, wie man trotz Lockdownmaßnahmen (gegen die er sich, wie ich das verstehe, im Prinzip überhaupt nicht ausspricht) Wege in der Pandemie finden kann, die die Menschen vielleicht nicht ganz so sehr belasten, und vor allem die die Menschen auch besser "mitnehmen".
Am Ende läuft es vielleicht auch darauf hinaus, dass es eine Frage des Menschenbildes ist, wem man lieber folgt. Geht man davon aus, dass der Mensch nichts ohne Zwang und Verbote tut, dann wird man Zeuge Karls. Sieht man in mehr Eigenverantwortung die Lösung, tritt man den Zeugen Hendriks bei
Egal, ich bin weder ein Experte noch will ich irgendwen missionieren. Mir geht es in dieser Coronadiskussion nur mördermäßig gegen den Strich, wenn man jeden, der es wagt, andere Gedanken einzubringen, gnadenlos niederbügelt (das geht nicht gegen dich).
Ich habe fertig (und schaue mal, ob ich irgendwo ne Talkshow mit Karl finde

)
"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."