Dieses Einordnen der AfD-Wähler als Nazis bringt uns doch keinen Schritt weiter. Hier muss man meines Erachtens nach unterscheiden zwischen den Funktionsträgern der AfD und ihren Wählern. In den verschiedenen Ebenen der Partei bekleiden tatsächlich einige Neonazis – unter anderem ehemalige NPD'ler oder DVU'ler – Funktionen. Das zeugt davon, dass diese Partei sehr wohl für faschistische oder nationalsozialistische Einflüsse empfänglich ist. Aber trifft das dann automatisch auch auf ihre Wähler zu?
Ich denke nicht unbedingt. Vor allem nicht in der Masse. Für mich ist der typische AfD-Wähler eher ein paternalistischer Konservativer. Ein Regierter, der wenig Veränderung haben will. Man kann das ängstlich nennen, denn schließlich schiebt er die Verantwortung ab auf die jeweilige Regierung und ist nicht bereit, sich gesellschaftlichen Veränderungen positiv gegenüber zu stellen. Diese Leute begreifen die Flüchtlingsproblematik nicht als ein gegebenes Problem, das es zu lösen gilt, sondern als eine Invasion. Und gegen eine Invasion muss man sich verteidigen.
Diese Bürger rebellieren. Nicht gegen das Gesellschaftssystem, das für diese Probleme verantwortlich ist, sondern gegen die davon Betroffenen. Das ist insofern verständlich, als eine Veränderung des Systems ihrer Ängstlichkeit widerspricht. Hier in der marktkonformen Demokratie haben sie ihr Plätzchen gefunden. Das mag nicht unbedingt das bequemste zu sein, aber es ist bekannt. Und dann gibt es da auch noch das Versprechen des Kapitalismus, dass es jeder schaffen könne, der sich genügend anstrenge. Diese Fiktion ist für diese Leute ein Axiom. Den daraus entstehenden gnadenlosen Konkurrenzkampf nehmen sie als gegeben und unveränderlich hin. Auf der anderen Seite macht er ihnen Angst.
Empathie muss man sich eben leisten können. Sie können es nicht, dazu ist ihre Situation viel zu unsicher. Sie sind nicht empathielos aus eigenem Willen, sondern weil sie sich dazu gezwungen sehen.
Es wird wohl kaum einen AfD-Wähler geben, der sagt: „Lass die Syrer doch verrecken.“ Im Gegenteil sie sind sich im Grunde einig: Es muss geholfen werden, allerdings nicht hier und nicht auf „unsere“ Kosten. An dieser Stelle versagen die alteingesessenen politischen Parteien. Sie haben keinen Plan. Und noch schlimmer, sie haben keine politische Vision. Politik wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker zum reinen Verwaltungsakt von Partikularinteressen. Und das fällt den Parteien jetzt vor die Füße.
„Wir brauchen die Zuwanderer und Flüchtlinge wegen der Rente.“ So wird dann beispielsweise argumentiert. Das ist doch kein Argument, wenn es eigentlich um eine weltweite Umsetzung von Menschenrechten geht. Frau Merkels humanistische Tat der Grenzöffnung wird so vom status quo zerrieben.
Die Frage, ob dieser überhaupt erhaltenswert ist, wird überhaupt nicht gestellt. Sind acht oder mehr Stunden Lohnarbeit am Tag ein Naturgesetz? Ist Konkurrenz in einer Gesellschaft ein Naturgesetz? Sind ungleiche Verteilung von Vermögen oder ein auf ständiges Wachstum ausgerichtetes Wirtschaftssystem Naturgesetze? Ein gesellschaftlicher Diskurs über solche Fragen findet nicht statt. Das wäre jedoch auch eine Aufgabe der Politik. Wohin will unsere Gesellschaft. Wie kann dafür gesorgt werden, dass es trotz Zuwanderern, allen besser geht? Welche Art von Wachstum wollen wir, eine bessere Lebensqualität oder einfach nur mehr Konsum? Und wie können wir erreichen, was wir als Gesellschaft wollen? Das sind entscheidende Fragen.
Diese werden jedoch nicht gestellt. Es regiert ein „weiter so“. Das kann es jedoch objektiv nicht geben und daraus erwächst die Unsicherheit. Und in genau diese Lücke springt die AfD. Sie verspricht, dass man sich ohne die Flüchtlinge diese Fragen nicht stellen muss und alles so bleiben kann, wie bisher. Das ist natürlich kompletter Unsinn, denn die Flüchtlingsbewegungen werden in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen, wenn man weiter so agiert, wie bisher.
Aber stattdessen wird lieber über Integration geredet und Assimilation gemeint. Und so entsteht ein Rassismus. Ein Rassismus aus der Angst heraus. Der Angst um die eigene gesellschaftliche Stellung und der Angst vor einer anderen Kultur. Denn genau diese kulturellen Unterschiede werden nicht nur von der AfD als eine Besonderheit herausgehoben.
Es sind tatsächlich besorgte Bürger, die die AfD wählen. Das Bürgertum ist immer besorgt, denn es könnte ja etwas verlieren. Dass es durch Veränderung auch etwas zu gewinnen gibt, kommt in seinem Weltbild nicht vor. Seine Erfahrung zeigt etwas anderes, weil es dieses bürgerlich-kapitalistische System nie in Frage stellt, von dem es auch in einem, allerdings geringem Maße, profitiert. Das macht das Bürgertum anfällig für faschistische Ideen, ohne dass der einzelne tatsächlich ein Faschist sein muss.
Ich denke nicht unbedingt. Vor allem nicht in der Masse. Für mich ist der typische AfD-Wähler eher ein paternalistischer Konservativer. Ein Regierter, der wenig Veränderung haben will. Man kann das ängstlich nennen, denn schließlich schiebt er die Verantwortung ab auf die jeweilige Regierung und ist nicht bereit, sich gesellschaftlichen Veränderungen positiv gegenüber zu stellen. Diese Leute begreifen die Flüchtlingsproblematik nicht als ein gegebenes Problem, das es zu lösen gilt, sondern als eine Invasion. Und gegen eine Invasion muss man sich verteidigen.
Diese Bürger rebellieren. Nicht gegen das Gesellschaftssystem, das für diese Probleme verantwortlich ist, sondern gegen die davon Betroffenen. Das ist insofern verständlich, als eine Veränderung des Systems ihrer Ängstlichkeit widerspricht. Hier in der marktkonformen Demokratie haben sie ihr Plätzchen gefunden. Das mag nicht unbedingt das bequemste zu sein, aber es ist bekannt. Und dann gibt es da auch noch das Versprechen des Kapitalismus, dass es jeder schaffen könne, der sich genügend anstrenge. Diese Fiktion ist für diese Leute ein Axiom. Den daraus entstehenden gnadenlosen Konkurrenzkampf nehmen sie als gegeben und unveränderlich hin. Auf der anderen Seite macht er ihnen Angst.
Empathie muss man sich eben leisten können. Sie können es nicht, dazu ist ihre Situation viel zu unsicher. Sie sind nicht empathielos aus eigenem Willen, sondern weil sie sich dazu gezwungen sehen.
Es wird wohl kaum einen AfD-Wähler geben, der sagt: „Lass die Syrer doch verrecken.“ Im Gegenteil sie sind sich im Grunde einig: Es muss geholfen werden, allerdings nicht hier und nicht auf „unsere“ Kosten. An dieser Stelle versagen die alteingesessenen politischen Parteien. Sie haben keinen Plan. Und noch schlimmer, sie haben keine politische Vision. Politik wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker zum reinen Verwaltungsakt von Partikularinteressen. Und das fällt den Parteien jetzt vor die Füße.
„Wir brauchen die Zuwanderer und Flüchtlinge wegen der Rente.“ So wird dann beispielsweise argumentiert. Das ist doch kein Argument, wenn es eigentlich um eine weltweite Umsetzung von Menschenrechten geht. Frau Merkels humanistische Tat der Grenzöffnung wird so vom status quo zerrieben.
Die Frage, ob dieser überhaupt erhaltenswert ist, wird überhaupt nicht gestellt. Sind acht oder mehr Stunden Lohnarbeit am Tag ein Naturgesetz? Ist Konkurrenz in einer Gesellschaft ein Naturgesetz? Sind ungleiche Verteilung von Vermögen oder ein auf ständiges Wachstum ausgerichtetes Wirtschaftssystem Naturgesetze? Ein gesellschaftlicher Diskurs über solche Fragen findet nicht statt. Das wäre jedoch auch eine Aufgabe der Politik. Wohin will unsere Gesellschaft. Wie kann dafür gesorgt werden, dass es trotz Zuwanderern, allen besser geht? Welche Art von Wachstum wollen wir, eine bessere Lebensqualität oder einfach nur mehr Konsum? Und wie können wir erreichen, was wir als Gesellschaft wollen? Das sind entscheidende Fragen.
Diese werden jedoch nicht gestellt. Es regiert ein „weiter so“. Das kann es jedoch objektiv nicht geben und daraus erwächst die Unsicherheit. Und in genau diese Lücke springt die AfD. Sie verspricht, dass man sich ohne die Flüchtlinge diese Fragen nicht stellen muss und alles so bleiben kann, wie bisher. Das ist natürlich kompletter Unsinn, denn die Flüchtlingsbewegungen werden in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen, wenn man weiter so agiert, wie bisher.
Aber stattdessen wird lieber über Integration geredet und Assimilation gemeint. Und so entsteht ein Rassismus. Ein Rassismus aus der Angst heraus. Der Angst um die eigene gesellschaftliche Stellung und der Angst vor einer anderen Kultur. Denn genau diese kulturellen Unterschiede werden nicht nur von der AfD als eine Besonderheit herausgehoben.
Es sind tatsächlich besorgte Bürger, die die AfD wählen. Das Bürgertum ist immer besorgt, denn es könnte ja etwas verlieren. Dass es durch Veränderung auch etwas zu gewinnen gibt, kommt in seinem Weltbild nicht vor. Seine Erfahrung zeigt etwas anderes, weil es dieses bürgerlich-kapitalistische System nie in Frage stellt, von dem es auch in einem, allerdings geringem Maße, profitiert. Das macht das Bürgertum anfällig für faschistische Ideen, ohne dass der einzelne tatsächlich ein Faschist sein muss.


