2597 Beiträge

Wen wählt ihr am 13. März in Baden-Württemberg?

Umfrage endete am 12. März 2016 21:26

CDU
5
7%
Grüne
21
31%
SPD
6
9%
FDP
8
12%
Linke
5
7%
AfD
10
15%
Sonstige
1
1%
Ich nix Baden-Württemberg
11
16%

redrum
Benutzeravatar
Lombaseggl
Dieses Einordnen der AfD-Wähler als Nazis bringt uns doch keinen Schritt weiter. Hier muss man meines Erachtens nach unterscheiden zwischen den Funktionsträgern der AfD und ihren Wählern. In den verschiedenen Ebenen der Partei bekleiden tatsächlich einige Neonazis – unter anderem ehemalige NPD'ler oder DVU'ler – Funktionen. Das zeugt davon, dass diese Partei sehr wohl für faschistische oder nationalsozialistische Einflüsse empfänglich ist. Aber trifft das dann automatisch auch auf ihre Wähler zu?

Ich denke nicht unbedingt. Vor allem nicht in der Masse. Für mich ist der typische AfD-Wähler eher ein paternalistischer Konservativer. Ein Regierter, der wenig Veränderung haben will. Man kann das ängstlich nennen, denn schließlich schiebt er die Verantwortung ab auf die jeweilige Regierung und ist nicht bereit, sich gesellschaftlichen Veränderungen positiv gegenüber zu stellen. Diese Leute begreifen die Flüchtlingsproblematik nicht als ein gegebenes Problem, das es zu lösen gilt, sondern als eine Invasion. Und gegen eine Invasion muss man sich verteidigen.

Diese Bürger rebellieren. Nicht gegen das Gesellschaftssystem, das für diese Probleme verantwortlich ist, sondern gegen die davon Betroffenen. Das ist insofern verständlich, als eine Veränderung des Systems ihrer Ängstlichkeit widerspricht. Hier in der marktkonformen Demokratie haben sie ihr Plätzchen gefunden. Das mag nicht unbedingt das bequemste zu sein, aber es ist bekannt. Und dann gibt es da auch noch das Versprechen des Kapitalismus, dass es jeder schaffen könne, der sich genügend anstrenge. Diese Fiktion ist für diese Leute ein Axiom. Den daraus entstehenden gnadenlosen Konkurrenzkampf nehmen sie als gegeben und unveränderlich hin. Auf der anderen Seite macht er ihnen Angst.

Empathie muss man sich eben leisten können. Sie können es nicht, dazu ist ihre Situation viel zu unsicher. Sie sind nicht empathielos aus eigenem Willen, sondern weil sie sich dazu gezwungen sehen.

Es wird wohl kaum einen AfD-Wähler geben, der sagt: „Lass die Syrer doch verrecken.“ Im Gegenteil sie sind sich im Grunde einig: Es muss geholfen werden, allerdings nicht hier und nicht auf „unsere“ Kosten. An dieser Stelle versagen die alteingesessenen politischen Parteien. Sie haben keinen Plan. Und noch schlimmer, sie haben keine politische Vision. Politik wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker zum reinen Verwaltungsakt von Partikularinteressen. Und das fällt den Parteien jetzt vor die Füße.

„Wir brauchen die Zuwanderer und Flüchtlinge wegen der Rente.“ So wird dann beispielsweise argumentiert. Das ist doch kein Argument, wenn es eigentlich um eine weltweite Umsetzung von Menschenrechten geht. Frau Merkels humanistische Tat der Grenzöffnung wird so vom status quo zerrieben.

Die Frage, ob dieser überhaupt erhaltenswert ist, wird überhaupt nicht gestellt. Sind acht oder mehr Stunden Lohnarbeit am Tag ein Naturgesetz? Ist Konkurrenz in einer Gesellschaft ein Naturgesetz? Sind ungleiche Verteilung von Vermögen oder ein auf ständiges Wachstum ausgerichtetes Wirtschaftssystem Naturgesetze? Ein gesellschaftlicher Diskurs über solche Fragen findet nicht statt. Das wäre jedoch auch eine Aufgabe der Politik. Wohin will unsere Gesellschaft. Wie kann dafür gesorgt werden, dass es trotz Zuwanderern, allen besser geht? Welche Art von Wachstum wollen wir, eine bessere Lebensqualität oder einfach nur mehr Konsum? Und wie können wir erreichen, was wir als Gesellschaft wollen? Das sind entscheidende Fragen.

Diese werden jedoch nicht gestellt. Es regiert ein „weiter so“. Das kann es jedoch objektiv nicht geben und daraus erwächst die Unsicherheit. Und in genau diese Lücke springt die AfD. Sie verspricht, dass man sich ohne die Flüchtlinge diese Fragen nicht stellen muss und alles so bleiben kann, wie bisher. Das ist natürlich kompletter Unsinn, denn die Flüchtlingsbewegungen werden in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen, wenn man weiter so agiert, wie bisher.

Aber stattdessen wird lieber über Integration geredet und Assimilation gemeint. Und so entsteht ein Rassismus. Ein Rassismus aus der Angst heraus. Der Angst um die eigene gesellschaftliche Stellung und der Angst vor einer anderen Kultur. Denn genau diese kulturellen Unterschiede werden nicht nur von der AfD als eine Besonderheit herausgehoben.

Es sind tatsächlich besorgte Bürger, die die AfD wählen. Das Bürgertum ist immer besorgt, denn es könnte ja etwas verlieren. Dass es durch Veränderung auch etwas zu gewinnen gibt, kommt in seinem Weltbild nicht vor. Seine Erfahrung zeigt etwas anderes, weil es dieses bürgerlich-kapitalistische System nie in Frage stellt, von dem es auch in einem, allerdings geringem Maße, profitiert. Das macht das Bürgertum anfällig für faschistische Ideen, ohne dass der einzelne tatsächlich ein Faschist sein muss.

higgi
Benutzeravatar
Grasdaggl
NPD, Republikaner, AfD
Wenn der Ausländer kommt, kommen auch die 10-15% aus ihren Löchern.
Es gibt einfach eine Grundmasse in Deutschland, und speziell in BaWü, die hier besonder empfänglich sind
von daher



redrum
Benutzeravatar
Lombaseggl
@higgi: Da hast du sicher recht. Dieses rechte Potenzial ist einfach vorhanden. Das ist hier nicht anders, als in anderen Ländern. Mal sind diese Leute mehr domestiziert, mal weniger. Zivilisiert sind sie nie. Das ist aber nur eine Seite. Zum einen, weil die Themen Flucht und Zuwanderung nicht morgen wieder in der Versenkung verschwinden und damit auch nicht diese Krakeeler. Zum anderen sehe ich den latenten Hang zum Rassismus bis weit in die Linke hinein nun offen zutage treten. Die Argumente mögen verschieden sein, das Ergebnis ist es nicht.

Die AfD selbst ist nur ein Popanz. Frau Petry beendet schließlich nur logisch die Gedanken eines Herrn Seehofer. Jetzt sind alle empört. Ein Herr Gabriel oder eine Frau Nahles können dann ungestört eine Residenzpflicht für anerkannte Asylbewerber verlangen, obwohl das dem Grundrecht der Freizügigkeit widerspricht. Ein Herr Janecek von den Grünen forderte derweil die Abschaffung der speziellen Flüchtlingsversorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, weil das zu teuer sei. Und eine Frau Wagenknecht präsentierte sich als politischer Vollhonk wenn sie „Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht eben auch verwirkt.“, vor sich hinsalbaderte. Da wurde eine Selbstverständlichkeit als neue Einsicht verkauft, um Ressentiments zu bedienen.

Rassismus ist hof- und politikfähig geworden und das wird sich meines Erachtens auch in den kommenden Jahren nicht legen. Die AfD ist dabei nur eine vorübergehende Erscheinung. Bleiben werden aber entscheidende Teile ihrer Agenda in der Politik der etablierten Parteien.

„Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr des Faschisten in der Maske des Faschisten, sondern vor dessen Rückkehr in der Maske des Demokraten“, dieses Adorno-Zitat ist im Moment ziemlich aktuell.

@iron und Kronenclub: Wirklich? Wieviel Prozent der Bevölkerung hier sind Muslime und wie viel politischen oder gesellschaftlichen Einfluss haben sie? Und ziehen sie alle am gleichen Strang?

Ich will die kulturellen Probleme nicht wegdiskutieren, aber sind sie tatsächlich so relevant? Oder gibt es nicht andere, die eher behandelt werden sollen?

Kronenclub
Granadaseggl
Redrum du redest schon wieder non stop von Rassismus.
Hier geht es aber in den meisten Fällen nicht um Rassismus.

Was die Moslems angeht, ich kenne übrigens genügend und verstehe mich mit den meisten auch sehr gut, da ist es doch vollkommener Quatsch nach der derzeitigen Anzahl zu fragen.
Frag dich lieber wie es wohl in 10-15 Jahren aussieht, das ist doch relevant. Wie sieht die Zukunft aus, darum geht es.
Für mich ist das kulturelle Problem in der ganzen Sache das a und o. Der Rest ist mir vollkommenen egal.
#verpisst euch alle#

redrum hat geschrieben:Ich will die kulturellen Probleme nicht wegdiskutieren, aber sind sie tatsächlich so relevant? Oder gibt es nicht andere, die eher behandelt werden sollen?


Viele konkretere Probleme haben eine Wurzel, die religiöser Natur ist. Das Thema ist schwierig, aber das hat man lange genug auf die lange Bank geschoben. Mir fällt überhaupt nichts ein, was im großen Ganzen relevanter wäre.

Kronenclub
Granadaseggl
http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Tuebinger-OB-Mehr-Fluechtlinge-gehen-nicht-249468.html


Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer spitzt in der Flüchtlingsfrage weiter zu. Der Grünen-Politiker fordert, den Zuzug zu begrenzen. Ein Mittel sei das Schließen der EU-Außengrenzen, notfalls bewaffnet.


Die Grüne Nazi Sau.

Eigentlich würde ich jetzt erwarten, dass ein shitstorm über die Grünen losbricht, aber ne ihr wählt hier zum großen Teil eine Partei die mit Waffengewalt auf Flüchtlinge losgehen will ;)
#verpisst euch alle#



redrum
Benutzeravatar
Lombaseggl
@thoreau: Natürlich ist Palmer ein Trottel. Aber ich frage mich schon, wie eine Partei einen ausgewiesenen Trottel als Aushängeschild nutzen kann. Außer, er verkündet in im Großteil seiner Aussagen die Linie der Wähler. Deswegen hat Kronenclub schon recht. Eine Partei deren führende Protagonisten ungestraft solche Dinge sagen können, ist zumindest für mich unwählbar.

@nice: Wer hat das gesellschaftliche Klima in GB denn nachhaltiger verändert: Tony Blair und sein Nachfolger oder die Pakistani im Land? Ich sehe die Rückständigkeit des Islam ebenfalls als ein Problem, aber eben nicht als erstes.

de mappes
Benutzeravatar
Spamferkel
@redrum
wen kannst du denn überhaupt noch wählen?
also wenn ich mir deine postings so durchlese, bleiben da ja nur noch parteien, die aller voraussicht nach die 5% nicht überschreiten
Don't criticize what you can't understand

redrum
Benutzeravatar
Lombaseggl
Tja, das ist tatsächlich ein Problem. Ich werde es vermutlich so machen, wie schon öfter : Ich gebe einen leeren Zettel ab und habe dabei wenigstens das beruhigende Gefühl, dass die fünf Euro Wahlerstattung für die Parteien dieses mal wieder nicht ausgezahlt werden. :)

RedBlues
Halbdaggl
Kronenclub hat geschrieben:http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Tuebinger-OB-Mehr-Fluechtlinge-gehen-nicht-249468.html


Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer spitzt in der Flüchtlingsfrage weiter zu. Der Grünen-Politiker fordert, den Zuzug zu begrenzen. Ein Mittel sei das Schließen der EU-Außengrenzen, notfalls bewaffnet.


Die Grüne Nazi Sau.

Eigentlich würde ich jetzt erwarten, dass ein shitstorm über die Grünen losbricht, aber ne ihr wählt hier zum großen Teil eine Partei die mit Waffengewalt auf Flüchtlinge losgehen will ;)

Palmer ist wie sein Vater, der eckt eben massiv an weil er sagt was er denkt.
Jetzt kann man sagen, er ist ein Trottel, aber wie glaub ihr eigentlich schließt Spanien die Außengrenzen der EU in Afrika?


de mappes
Benutzeravatar
Spamferkel
redrum hat geschrieben:Tja, das ist tatsächlich ein Problem. Ich werde es vermutlich so machen, wie schon öfter : Ich gebe einen leeren Zettel ab und habe dabei wenigstens das beruhigende Gefühl, dass die fünf Euro Wahlerstattung für die Parteien dieses mal wieder nicht ausgezahlt werden. :)


schreib doch was lustiges drauf...dann haben die wahlhelfer auch spaß dabei
Don't criticize what you can't understand

crastro
"redrum" schreibt mal wieder etwas über die Zusammenhänge - meinen Dank dafür. Wir verzetteln uns hingegen gern im Streit über an sich kaum wichtige Kleinigkeiten......Goldwaage halt.

Für mich ist die zentral richtige Aussage dabei
An dieser Stelle versagen die alteingesessenen politischen Parteien. Sie haben keinen Plan. Und noch schlimmer, sie haben keine politische Vision. Politik wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker zum reinen Verwaltungsakt von Partikularinteressen. Und das fällt den Parteien jetzt vor die Füße.




Manolo
Grasdaggl
redrum hat geschrieben:Aber ich frage mich schon, wie eine Partei einen ausgewiesenen Trottel als Aushängeschild nutzen kann.


naja die meinung, dass palmer ein trottel ist, ist auch innerhlab der grünen-partei mehrheitsfähig. die grüne-jugend war ja jüngst sogar für einen parteiausschluss. die mehrheitsmeinung der grünen in ba-wü (eher konservativ) und erst recht nicht im bund, vertritt er in der flüchtlingsfrage jedenfalls nicht. insofern sind seine aussagen für mich weit weniger relevant als die von seehofer oder petry.
Hier könnte ihre Werbung stehen.

RedBlues
Halbdaggl
Kronenclub hat geschrieben:Jo ich hatte das auch schon mal gegoogelt... schon extrem


Ja allerdings, nur nicht auf ganz Europa und vor allem die griechische Grenze anwendbar, da funktioniert nur das australische Model

http://blog.zeit.de/ladurnerulrich/2015 ... er-europa/

Deshalb fordere ich auch gerne dazu auf sich mit der Forderung so vieler Politiker die flüchtlingszahlen zu begrenzen intensiv auseinanderzusetzen.

Solange die Menschen auf der Flucht sind gibt es um die Alternative sie gewaltsam vor einer Einreise in die EU abzuhalten oder ihnen Zuflucht zu gewähren.

Manolo
Grasdaggl
RedBlues hat geschrieben:Palmer ist wie sein Vater, der eckt eben massiv an weil er sagt was er denkt.
Jetzt kann man sagen, er ist ein Trottel, aber wie glaub ihr eigentlich schließt Spanien die Außengrenzen der EU in Afrika?


der beste und für mich einzig sinnvolle grenzschutz ist, die leute dazu zu bringen, die grenze erst gar nicht überqueren zu wollen. denn solange sie dies wollen, werden sie auch wege dafür finden. diese werden "dank" schutzmaßnahmen nur immer gefährlicher für sie. insofern MUSS man die (noch) relativ stabilen nachbarländer in der region stärken und sie nicht weiterhin mit einer prozentual weit höheren anzahl an flüchtlingen als sie deutschland verkraften muss ziemlich alleine lassen.
Hier könnte ihre Werbung stehen.


RedBlues
Halbdaggl
Manolo hat geschrieben:
RedBlues hat geschrieben:Palmer ist wie sein Vater, der eckt eben massiv an weil er sagt was er denkt.
Jetzt kann man sagen, er ist ein Trottel, aber wie glaub ihr eigentlich schließt Spanien die Außengrenzen der EU in Afrika?


der beste und für mich einzig sinnvolle grenzschutz ist, die leute dazu zu bringen, die grenze erst gar nicht überqueren zu wollen. denn solange sie dies wollen, werden sie auch wege dafür finden. diese werden "dank" schutzmaßnahmen nur immer gefährlicher für sie. insofern MUSS man die (noch) relativ stabilen nachbarländer in der region stärken und sie nicht weiterhin mit einer prozentual weit höheren anzahl an flüchtlingen als sie deutschland verkraften muss ziemlich alleine lassen.


Das nennt sich dann wohl nachhaltig im ursprünglichen Sinn und ist mit Sicherheit die beste Lösung, schon allein damit diese noch relativ stabilen Länder unter dem Druck durch Flüchtlinge nicht noch weiter destabilisiert werden.

Nur gibt es da ein Problem, auch diese Nachbarländer wollen und können nicht unendliche viele Flüchtlinge aufnehmen, auch dort gibt es die gleichen Ängste und Befürchtungen wie in Deutschland und der EU.

Man kann dort die Lager finanzieren, trotzdem haben die Menschen dort keine Zukunft, bekommen keine arbeitsgenehmigung, sind nur Gäste auf Zeit. Wer schon ein paar Jahre in eine,Molchen Lager lebt ohne Aussicht zurück in sein Heimatland zu gehen, der wird sich weiterhin nach Alternativen umschauen. Die gibt es nur begrenzt in Afrika, der Weg nach Europa bleibt also auch mit besseren lagern die letzte Option.

Flüchtlingslager außerhalb der EU verlagern das Problem nur, die einzige wirklich Lösung ist eine befriedung von irak, Syrien, Libyen, Afghanistan, etc.
Das dürfte aber utopisch sein, daher bleibt meiner Meinung kurz und mittelfristig nur die Option der ziemlich unmenschlichen Schließung der Außengrenzen. Im Idealfall mit allen zusätzlichen Aktionen um das Problem im Kern anzugehen.