Solche Diskussionen über links und rechts bringen überhaupt nichts. Vor allem, weil diejenigen, die über die „Linken“ schimpfen, meist doch eigentlich gar nicht wissen wovon sie reden. Sie haben Marx nie gelesen, aber seine ökonomischen Thesen taugen nichts. Das wissen sie genau. Lasalle essen sie beim Italiener, Kropotkin und Bakunin sind russische Eishockeyspieler aus der WM-Mannschaft von '74 und Lafargue ein Sekt aus Frankreich. Rosa Luxemburg kennen sie, denn die hat die gleiche Frisur wie Frau Wagenknecht. Oder war das umgekehrt?
Das reicht dann vollkommen als Grundlage zum Dialog. Denn schließlich gibt es noch die DDR. Diesen Unrechtsstaat. Und Stalin. Stalin ist absolute Pflicht bei so einer Diskussion. Weil der Stalin, der war noch viel schlimmer als wie der Hitler. Obendrauf setzen sie noch Claudia Roth und die Genderdebatte und dann ist klar, was für ein lächerlicher Haufen diese Linken sind.
Und gewaltbereit. Das ist ganz wichtig. Die sind gewaltbereit. Alle. Immer. Die haben alle Kalaschnikows im Keller liegen. Und Steine. Und leere Weinflaschen zum Molli bauen. Pol Pot lässt grüßen. Nein, das ist die Nummer 38 beim Chinesen.
Paul Potts, so war der Name.
Und auf der anderen Seite stehen sie. Die Vernünftigen. Diejenigen, die wissen, dass nur der Kapitalismus funktionieren kann. Weil Kapitalismus ist Demokratie. Kapitalismus macht frei. Mit genügend Kapitalismus geht es allen blendend. Das sind Axiome. Die stellt man nicht in Frage. Chef und Untergebener: Das ist die natürliche Ordnung der Welt. Und wer das nicht hinnehmen will ist blöd. Ein Gleichmacher.
Diese doofen Linken werden nie begreifen, dass Menschen ungleich sind. Sieht man doch. Da gibt es zum Beispiel den Neger, den Chinesen, den Araber und den Deutschen. Sehen doch schon unterschiedlich aus. Also können sie nicht gleich sein. Ist doch logisch. Deshalb muss den einen besser gehen und den anderen eben schlechter. Von gleichen Freiheiten faseln, das ist Gutmenschentum. Wachstum ist entscheidend und Export. Alles andere ist Larifari.
Was diese Leute negieren, dass sie nur deshalb so leben können, wie sie leben, weil es eben linke Organisationen gab. Der Acht-Stunden-Tag, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Tarifverträge, Arbeitslosengeld, Rente. All diese Errungenschaften entstanden in einem Jahrzehnte langen Kampf. Dafür haben Gewerkschafter, Kommunisten und Sozialdemokraten teilweise ihr Leben gelassen. Das ist keine Gnade der Kapitaleigner. Im Gegenteil. Mit Polizei und Militär versuchten sie jeglichen Einbruch der Profitrate zu verhindern. Und die bürgerlichen und rechten Parteien klatschten Beifall.
Der Daimler, der heute vielleicht bei einigen vor der Hütte steht, ist das Ergebnis eines Klassenkampfs. Ups, ich habe Klassenkampf gesagt. So ein böses Wort. Das hat die Soziologie doch abgeschafft.
Sozialer Fortschritt muss gegen die Kapitalinteressen erkämpft werden. Das ist heute noch genauso, wie vor hundert oder zweihundert Jahren. Die Kapitaleigner finden die Welt gut so, wie sie ist. Denn sie profitieren davon. Gut, die Löhne und Steuern könnten noch ein bisschen niedriger sein, damit die Margen ein wenig ansteigen, aber im Allgemeinen passt es ihnen schon. Profite zu verringern, um Armut und Hunger in der Welt zu beenden oder die Arbeitsbedingungen zu verbessern, steht nicht auf der Agenda des Kapitalismus.
Übrigens steht auch Demokratie nicht auf der Agenda des Kapitalismus. Der kann auch ganz gut ohne. Meist sogar besser.
Ich werfe niemandem vor, wenn er die Schriften der oben genannten nicht kennt. Das Zeug ist staubtrocken und man kann es nicht mal Abends nebenbei lesen. Was ich den Leuten vorwerfe ist die Oberflächlichkeit, mit der sie urteilen und ihre Geschichtsvergessenheit. Es waren ihre Großväter und Urgroßväter, die für die Verbesserung auf die Straße gegangen sind. Die haben auch keinen Marx gelesen, aber begriffen, dass Gerechtigkeit nicht geschenkt wird. Dass es Klassengegensätze gibt. Und von ihren Enkeln und Urenkeln werden sie dafür verhöhnt. Weil die Neue Soziale Marktwirtschaft und die marktkonforme Demokratie so toll sind. Sauber.
Da wird dann die Genderdebatte lächerlich gemacht. Dabei ist diese wichtig, denn Sprache ist eben auch ein Instrument der Unterdrückung. Wie diese Debatte geführt wird, ist teilweise unsäglich. Aber geführt werden muss sie trotzdem.
Es gibt in der Linken viele verschiedene Strömungen. Das ist gut, denn schließlich ist die politische Linke auch ein Produkt der Aufklärung. Manche wollen den Kapitalismus retten, manche nicht. Es gibt Sozialdemokraten, nicht mit der SPD zu verwechseln, Kommunisten, Sozialisten, Stalinisten. Mit manchen kann man diskutieren und andere, vor allem Letztere, fasse ich nicht mal mit der Kneifzange an. Das ist nicht anders als im sogenannten bürgerlichen Lager auch. Und ja, es gibt Krawallos die Steine werfen und Autos anzünden. Diese aber in einem Atemzug mit Gewerkschaftsdemonstrationen zu erwähnen ist an Niedertracht kaum zu überbieten.
Und wenn sich hier über das Plakat echauffiert wird. Was bitte ist den Volk als politischer, nicht ethnischer Begriff? Nur eine Propagandafloskel. „Für Volk, Führer und Vaterland“. Darauf kann ich verzichten. Deswegen kann dieser Begriff von mir aus ruhig sterben. Klar, da gibt es die Antideutschen, die meinen das wörtlich. Aber die sind nicht links, denn sie finden Imperialismus in Form von Zionismus ganz Klasse. Aber Imperialismus gehört nicht zum linken Denken, er wird dort abgelehnt. Das sollte man wissen, bevor man alles vermengt und behauptet. Aber zurück zu den Antideutschen, die nimmt niemand ernst, denn die haben nicht alle Tassen im Schrank. Ich empfehle in einem solchen Fall den Gang zum Psychiater.
Man kann linke Ideen kritisieren. Aber man sollte sich wenigstens damit auseinandersetzen, bevor damit beginnt. Alles andere ist Propagandaniveau und keiner weiteren Zeile mehr wert.
Übrigens finde ich Claudia Roth lustig.