29265 Beiträge


Spielgerät
Benutzeravatar
Halbdaggl
Mustermann hat geschrieben:Ja, den "merkelschen Konsens" gibt/gab es in der Tat, denke ich. Allerdings war das doch zumindest zu Kohlschen Zeiten schon genauso. Und die Schröder-/Fischer-Regierung ist dann spätestens am Hindukusch unsanft aufgewacht.



Korrekt, ich bin nur grade ziemlich pissed was die Merkeljahre angeht, deshalb habe ich versucht, da ein wenig zu retuschieren…mea culpa ;)

Mustermann hat geschrieben:Es würde, fürchte ich, nicht bei einer "ernsten Kriegs- und damit Todesgefahr" bleiben - da würden nämlich wirklich auch deutsche Soldaten sterben.

Absolut richtig.

Mustermann hat geschrieben:Ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass es nicht mehr wie früher mal heisst: "The germans to the front!"
Die - ich nenn's mal - Kriegslüsternheit wurde "uns" nach 2 Weltkriegen doch ziemlich gründlich ausgetrieben.


Da wird dir kaum jemand widersprechen. Aber genau hier liegt das Problem. Deutschland muss seine Rolle irgendwo zwischen den beiden Extremen Kriegslüsternheit und Raushalterei finden. Und ich glaube, das wird schwer.
"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."

Tifferette
Benutzeravatar
Grasdaggl
Mustermann hat geschrieben:
Aber:
Es würde, fürchte ich, nicht bei einer "ernsten Kriegs- und damit Todesgefahr" bleiben - da würden nämlich wirklich auch deutsche Soldaten sterben.


Das war in Afghanistan und anderen Auslandseinsätzen auch der Fall (über 100). Wir würden hier wohl über andere Dimensionen reden. Aber das wird leider in Deutschland gerne vergessen und passt ins Bild der kaputtgesparten Bundeswehr.
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)

schwaebi
Benutzeravatar
Grasdaggl
Er ist ein ganz stinknormaler Imperialist, wie sie die Welt schon Hunderte, wenn nicht Tausende gesehen hat.


Tja, und für mich ist das ein Psychopat, weil "normale" Menschen tun sowas nicht. Sorry, ist bestimmt naiv, die Sichtweise.
Die Dauer einer Minute hängt sehr davon ab auf welcher Seite der Klotüre man sich befindet.

Unter Westfalen
Benutzeravatar
Grasdaggl
Wie kann jemand "stinknormal" sein, der seine politischen Gegner mit Gift und Pistole beseitigen lässt, Krieg gegen ein demokratisch regiertes Land führt und ganze Städte ausradiert?

Der ist genau so wenig stinknormal wie Assad, Hussein oder Bin Laden.
Häggor, fliag iebor da Näggor, fliag iebor da Rai, fliag midda drennai

Tamasi
Benutzeravatar
Allmachtsbachel
Wir im Westen verstehen Kriege falsch, sagt der Politikwissenschafter Richard Ned Lebow. Es gehe schon lange nicht mehr um Geld oder Macht.

Hier ein paar Auszüge aus dem Interview mit Richard Ned Lebow:
Aber glauben Sie wirklich, dass er irrational ist? Stephen Kotkin, der grosse Sowjet- und Stalin-Forscher, sagte kürzlich in einem Interview: Putin tut nur so, als sei er verrückt, damit wir glauben, er sei tatsächlich zu allem, also auch einem Nuklearangriff, fähig.

Daran könnte etwas sein. Richard Nixon hat dasselbe versucht. Er behauptete, der beste Weg, mit den Sowjets umzugehen, sei es, den Eindruck zu erwecken, ein Verrückter zu sein. Aus sowjetischen Dokumenten wissen wir heute, dass er sie überzeugt hat. Sie hatten Angst vor ihm. Bei Putin könnte ich mir vorstellen, dass die Androhung von Atomwaffen einfach den Westen einschüchtern soll.

(...)
Es gibt ein drittes Motiv für Krieg, das die bisherigen Theorien nicht berücksichtigen: den Wunsch nach einem guten Selbstwertgefühl. Das erreicht man, wenn man Dinge tut, die von unserer Peer-Group oder der Gesellschaft geschätzt werden, indem man ihre Anerkennung gewinnt und im Gegenzug denkt: Hey, wir sind ziemlich gut.

Sie nennen diesen Wunsch nach einem guten Selbstwert in Ihrer Theorie der internationalen Beziehungen Thymos, der griechische Begriff für Geist oder die Sehnsucht des Menschen nach Anerkennung. Sie sagen, dass der Selbstwert auch für Nationen und Staatsoberhäupter einer der zentralen motivierenden Faktoren sei und dass man dies in der Analyse von Kriegen stärker berücksichtigen müsse.

Genau, Thymos ist auch das, was Putin motiviert. Aristoteles und Platon haben uns klugerweise gesagt, dass, wenn das Selbstwertgefühl bedroht ist, der eigene Status infrage gestellt wird. Dann wird man sehr wütend. Der Soziologe Max Weber argumentiert, dass eine Beleidigung der Ehre eines Landes viel schwerwiegender ist als eine Bedrohung seiner Sicherheit. Und damit hatte er recht. Das ist also zum Teil das, was nun in Russland und der Ukraine vor sich geht. Und dieses Streben nach Ansehen oder der Wunsch nach Rache, wenn man sich gekränkt fühlt, war im 20. Jahrhundert die Hauptursache für internationale Kriege. Meiner Meinung nach ist es auch die Ursache für das, was jetzt passiert.

(...)
Aber ist dieses Verständnis von Ehre, von Heroismus in Russland nicht auch noch vorherrschend? Der historische Bezugspunkt ist dort immer noch der Grosse Vaterländische Krieg, dazu kommen die Ideen vom russischen Grossreich, das aus ganz vielen Quellen konstruiert wird.

Ja, auch viele Russen definieren ihre Identität über das Land. Aber Putins Rhetorik vor dem Krieg war sehr aufschlussreich. Er konnte ja nicht einfach mit dieser Theorie von einem Grossrussland vor der Bevölkerung einen Angriffskrieg rechtfertigen. Er musste es als eine Art Rettung der Ostukrainer vor ukrainischen Nazis darstellen.

Mit welchen Gefühlen spielt er hier?

Es geht darum, Grösse für den Staat zu erreichen. Aber nicht um seiner selbst willen, sondern um das Brudervolk der Ukraine vor dem Unterdrücker zu retten. Es ist wieder ein Appell an das Selbstwertgefühl. Und wenn Sie Ihr eigenes Bedürfnis nach Selbstwertgefühl auf den Staat Russland projiziert haben, bestätigt Sie diese Botschaft. Es gibt viele gute Untersuchungen, die zeigen, dass Menschen sich gut fühlen, wenn ihre Sportmannschaft gewinnt, und dass sie sich schlecht fühlen und ein geringes Selbstwertgefühl haben, wenn die Mannschaft verliert. [ :shock: :bleich: :arr: ] Dieses Phänomen verstärkt sich, wenn es um Staaten geht.

Ein sehr primitiver Trieb.

Es gibt nur sehr wenige Länder, die es geschafft haben, sich dem zu entziehen. Ich denke, man kann sagen, dass die Deutschen einen sehr guten Job gemacht haben, aber das ist keine Erfahrung, die man wiederholen möchte.

(...)
Es gibt zwei Arten von Kriegen, die besonders blutig sind: innerstaatliche Kriege, die das Ergebnis des Zerfalls von Kolonialreichen sind, in denen lokale Bevölkerungen jeweils dasselbe Gebiet beanspruchen. Der irische Konflikt, Israel, Palästina, Indien, Pakistan. Der zweite Fall sind Kriege, die in einer Pattsituation enden. Das klassische Beispiel ist der Erste Weltkrieg, in dem alle Seiten nach Möglichkeiten suchten, sich aus dem Patt zu befreien, und dafür auf immer grausamere Waffen wie Giftgas zurückgriffen. Oder der U-Boot-Krieg und die Bombardierung von Städten im Zweiten Weltkrieg. Völkermord-Kriege sind noch eine Sonderform.

Was heisst das für die Ukraine?

Kriegsherren stellen sich zu Beginn selten eine grosse Eskalation vor. Putin hat sich den Krieg in der Ukraine auch anders vorgestellt. Ich glaube, er dachte wirklich, dass die Menschen Blumen in die Rohre der Panzer stecken und die Russen als Befreier begrüssen würden. Das Problem jetzt ist, dass für ihn das Überleben als politischer Führer auf dem Spiel steht. Eine Niederlage kann er sich nicht leisten. Eine lange Pattsituation kann er sich auch nicht leisten. Leichensäcke, die zurückkommen, und westliche Medien und ukrainische Hacker, die die russische Bevölkerung darüber informieren, was wirklich passiert ist. Er glaubt also, dass er schnell gewinnen muss. Um das zu erreichen, eskaliert er und wendet jede Art von Gewalt an, die er für geeignet hält.

(...)
Wie enden Kriege?

Auf zwei Arten: Eine Seite gewinnt, oder niemand gewinnt, und es gibt ein Patt. Dann wird es spannend, dann gibt es die Möglichkeit, eine Einigung auszuhandeln. Das kann auch so aussehen, dass beide Seiten den Sieg für sich beanspruchen. Die chinesische Invasion in Nordvietnam war für die Chinesen so kostspielig, dass sie sich zurückzogen. Die Chinesen haben also eigentlich verloren. Aber sie beanspruchten den Sieg für sich, weil sie behaupteten, sie hätten Nordvietnam eine Lektion erteilt. Eines der interessantesten Dinge über das Ende von Kriegen sind also die Behauptungen, die die Menschen darüber aufstellen. Und wenn Kriege tatsächlich zu politischen Zwecken geführt werden, dann ist die richtige Bewertung der Ergebnisse in der Tat kein objektiver, sondern ein politischer Prozess.

Könnte das ein Ausweg für Putin sein?

Das ist sein persönlicher Krieg, so wie der Feldzug in Kuwait Saddam Husseins persönlicher Krieg war. Das heisst auch, dass eine militärische Niederlage sein Sturz bedeutet – zumindest fürchtet er das. Und für eine Lösung am Verhandlungstisch müssten die Russen ihre Truppen aus der Ukraine abziehen. Das kann Putin zu Hause nur schwer rechtfertigen, auch wenn es nicht unmöglich ist. Aber seine Mission, die Grösse Russlands wiederherzustellen, wird Schiffbruch erlitten haben. Es könnte also ein Ausweg sein. Aber ich bin nicht sehr optimistisch.

https://www.nzz.ch/gesellschaft/wieso-w ... obal-de-DE
Zuletzt geändert von Tamasi am 22. März 2022 16:56, insgesamt 1-mal geändert.

AxelKruse_FG
Granadaseggl
Der Imperalismus ist ja nichts anderes als Gier. Gier nach Macht, Größe, Einfluss, Ruhm. Das halte ich tatsächlich für eine sehr normale menschliche Eigenschaft. Nur diese Eigenschaft in dieser Form ausleben zu können, ist zum Glück nur wenigen vergönnt, ich bin mir aber recht sicher, daß da nur die Allerwenigsten widerstehen könnten. denn dafür bräuchte man ein starkes Wertekorsett.

Daß Putin hingegen kalt berechnet und keineswegs emotional vorgeht, erkennt man schon an dieser Taktik der Messerstiche und des schrittweisen Verschiebens von Grenzen. Der weiß genau, was er tut, denn dafür braucht man einen kühlen Kopf. Putin ist definitiv kein Psychopath. Er ist ein gewöhnlicher Verbrecher.

Auswurf
Benutzeravatar
Grasdaggl
Sehe ich ähnlich..
kann ca fast niemals was damit anfangen,
wenn Menschen zu Monstern erklärt werden.

Dann war am Schluss der Adolf nur ein Verführer von Schafen, ein Mörder wird zum unmensch, als hätten nicht schon Millionen Menschen gemordet.
Alles ist zutiefst menschlich und Tiere sind auch nicht "besser"
das ist doch keine Musik

Tamasi
Benutzeravatar
Allmachtsbachel
AxelKruse_FG hat geschrieben:Putin ist definitiv kein Psychopath. Er ist ein gewöhnlicher Verbrecher.

Sein Vater war ein ungewaschener Straßenkrimineller, seine Mutter Osama Oksana Bin Laden.

Sprich: Gebaren eines Gangsters, Ausmaße eines Staatsterroristen.
Zuletzt geändert von Tamasi am 22. März 2022 17:24, insgesamt 1-mal geändert.

Auswurf
Benutzeravatar
Grasdaggl
PS deswegen gibt's ja, die ganzen Regeln.
Wir wissen, dass wir uns im Zaum halten müssen
um nicht übereinander herzufallen
das ist doch keine Musik





schwaebi
Benutzeravatar
Grasdaggl
Spielgerät hat geschrieben:Luis your teeth are offside


Hängt der schon wieder am Flughafen rum?
Die Dauer einer Minute hängt sehr davon ab auf welcher Seite der Klotüre man sich befindet.



Auswurf
Benutzeravatar
Grasdaggl
Jetzt mal nicht überbewerten, das dampfgeplauder - find i

Idioten, die sich gegenseitig hochpuschen.
Jedoch nicht idiotisch genug Selbstmord zu begehen

Es ist schon schlimm genug, das es ist, wie es ist
das ist doch keine Musik

Spielgerät
Benutzeravatar
Halbdaggl
Das sind Stiefellecker, die sich in ihrer Anbiederei an Putin gegenseitig überbieten.
Das Problem ist, dass die Russen mit diesem Dreck tagtäglich indoktriniert werden. Und viele werden es mangels anderweitiger Informationsmöglichkeiten verinnerlichen. Damit schafft man die Akzeptanz in der Bevölkerung, die Agressionsspirale immer weiter zu drehen und Sanktionen hinzunehmen. Das beunruhigt mich, weil ich eigentlich hoffe, dass eben diese Akzeptanz irgendwann in Ablehnung umschlägt.
"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."

Auswurf
Benutzeravatar
Grasdaggl
der schlimmsten Alptraum ist doch schon wahr geworden
- man hat Ihnen insta weggenommen :?

Habe gehört, es fühlt sich hart an
das ist doch keine Musik

Tifferette
Benutzeravatar
Grasdaggl
Wo ich jetzt aber schmunzeln musste - dieses Video von Arnie wurde hier ja auch schon verlinkt. Ist ja auch irgendwie geil.

Was ich nicht wusste, wahrscheinlich habe ich es irgendwie überlesen: Der Twitteraccount vom Arnie ist einer von 22, denen Putin mit seinem offiziellen Account folgt. Das ist schon schick.
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)

Rufus_II
Granadaseggl
schwaebi hat geschrieben:
Spielgerät hat geschrieben:Luis your teeth are offside


Hängt der schon wieder am Flughafen rum?

Der würde doch heutzutage eher mit dem E-Auto oder mit der Bahn anreisen.
Falls letzteres zutrifft:
Er sollte wohl besser nicht bis S21 warten, denn dann geht bahnmäßig wohl noch weniger als aktuell
*Signaturen werden eindeutig überbewertet*

Local Zero
Benutzeravatar
Grasdaggl
Das ist mal eine richtig geile Argumentationsschleife, die Tooze hier dreht. Jetzt ist Mearsheimer nicht mehr der blöde Erklär-Bär, der dem Westen/Nato in sein Empörungssüppchen spuckt, sondern der amerikanische Honey-Pot, in den der blöde russische Bär reingefallen ist:

https://www.freitag.de/autoren/the-guar ... -der-krieg

------

Und hier eine geographisch-geprägte Sicht auf Putins Handeln. "Suwalki Gap": Was es alles gibt. Aber wenn man sich das mal auf einer Karte anschaut, mit dem Baltikum, Russland (mit Kaliningrad als der anderen Seite der Flügelzange!), Weißrussland, Ukraine und Polen, dann liest sich das schon sehr stimmig:

https://www.newstatesman.com/world/euro ... -geography

Bloß: Was jetzt mit diesem Wissen anfangen? Das liest sich so, als ob es nur eine Möglichkeit gibt, das Problem dauerhaft zu lösen, ohne nicht permanent unter Hochspannung mit Finger am Abzug leben zu müssen: Ein Regime-Change in Russland inklusive einer kompletten Neuausrichtung aller politischen Dimensionen, also Policy, Polity und Politics. Heißt: Russland muss westlich werden. Wobei das die USA auch nicht wirklich wollen sollten, glaubt man George Friedman: "„Deutschland bildet zusammen mit Russland eine ernsthafte Gefahr für die Weltmachtpolitik der USA.“ (https://www.vdi-nachrichten.com/wirtsch ... -russland/)

Ach nein, es gibt noch eine zweite Variante: Der Westen (zumindest Europa) wird russifiziert! Puh...In England klappt das ja schon ganz "gut".

-----

Kamil Galeev hat mal nachgelegt. Auf den hatte ich ja schon vor einigen Tagen hingewiesen. Der argumentiert nun wieder historisch, warum dass der Putin nun mal nix reißen können wird:



Dazu passt dann auch dieser Meldung von heute:

https://www.newsweek.com/russia-halts-t ... ms-1690388
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
-------
"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."

de mappes
Benutzeravatar
Spamferkel
Tifferette hat geschrieben:
Mustermann hat geschrieben:
Aber:
Es würde, fürchte ich, nicht bei einer "ernsten Kriegs- und damit Todesgefahr" bleiben - da würden nämlich wirklich auch deutsche Soldaten sterben.


Das war in Afghanistan und anderen Auslandseinsätzen auch der Fall (über 100). Wir würden hier wohl über andere Dimensionen reden. Aber das wird leider in Deutschland gerne vergessen und passt ins Bild der kaputtgesparten Bundeswehr.


Trifft es kaputt gespart denn oder eher falsch investiert?
Ist ja nicht wenig, was da reinfliesst vom Bund
Don't criticize what you can't understand

Auswurf
Benutzeravatar
Grasdaggl
ich nehme an, die gorch fock ist gesetzt, als der zentraler leuchtstern,
der neuen europäischen schnellen eingreiftruppe
das ist doch keine Musik