Ich war heute auch noch fleißig im Garten, habe mir ein neues Beet gebaut. Meistens bestimmt meine Holde, was wie angebaut wird. Sie schwört auf Permakultur. Ich steh´aber mehr so auf Ertrag, möglichst predictible. Mit Permakultur ist das ein bisschen Lotterie. Also bewirtschafte ich die Gewächshäuser, dort dann nur "normal" bio. Heißt: samenfeste Pflanzen, kein Schneckenkorn, alte Sorten, kein Mineraldünger (stattdessen getrocknete und gepresste Pferdescheiße).
Ich habe jetzt zwei Gewächshäuser und mehrere Hochbeete gebaut. Heute ein richtig großes, 6 Quadratmeter. Kurz zu meinem Ansatz:
Ich habe beschlossen, den Garten nach einem Prinzip aus der Architektur anzulegen, das sich "Vernakulär" nennt. Bedeutet: Man baut möglichst nur mit gleich vor Ort vorhanden Ressourcen und Rohstoffen. Es wird so wenig wie möglich neu gekauft, wenn möglich Second Hand, alles wird wiederverwertet. Das habe ich schon bei den beiden Gewächshäusern so gemacht, die wir völlig vermodert und verrottet vom Vorbesitzer übernommen haben. Irgendwo in einer Ecke standen seit 10 Jahren alte Scheiben, die habe ich gesäubert und zugeschnitten, damit war das erste GH auch schon fertig.
Das zweite war schwieriger aufzumöbeln. Das war im Laufe der Jahre komplett zugemost. Die Scheiben (Kunststoff) waren alle kaputt (Löcher, Risse, abgebrochene Ecken, in den Hohlkammerprofilen tote Insekten und Moos). Also das ganze Alu-Gestell komplett auseinander genommen, sauber gebürstet, wieder zusammengesetzt. Scheiben musste ich ausnahmsweise neu kaufen. Aber verglichen mit einer gleichwertigen Neuanschaffung hat die ganze Aktion nur ein Drittel der Kosten verursacht. Das hält jetzt wieder für 20 Jahre.
Bei dem heutigen Beet habe ich beim Aufräumen des Gartens vom Vorbesitzer 2 alte Laufstege für ein Gerüst gefunden, verzinkter Stahl. Schon mal gut, das mögen die Nacktschnecken überhaupt nicht. Die beiden Dinger wurden zu Außenseiten. Die beiden anderen Außenseiten bestehen aus zwei großen, mit einer Stahlfassung verstärkten Holzpaneelen, die habe ich in der Garage gefunden. Die vier leicht rostigen Stahldorne zum Reinrammen der angeschraubten Seitenwände/Laufstege in die Erde, lagen auch hier rum, die wurden früher mal dazu genutzt, Holzpfähle für eine Rankhilfe im Erdreich zu befestigen.
In das Hochbeet habe ich dann auf den Boden und entlang aller Seitenwände dick alte Pappkartons eingelegt und satt gewässert. Ist ein Trick aus der Permakultur. 1. Man wandelt so Wiese oder moosige Flächen - das wuchs da vorher - in Ackerboden um. Wer auf die Umwelt (und seine eigene Gesundheit) scheißt, nimmt dafür Roundup. Pappe geht aber genau so gut. Weiterer Vorteil der Pappe: Man muss nicht umgraben, denn das setzt CO2 frei. Außerdem zerstört man die Feinstruktur und die Biomasse nicht, die da im Erdreich lebt. Die Pappe ist nach einem Jahr etwa verrottet. Zwischen die hölzernen Seitenwände und die Pappe habe ich als Wassersperre (damit das Holz von innen nicht durchfeuchtet und verrottet) die alten, fürs Gewächshaus nicht mehr benutztbaren Plastikscheiben geschoben.
Auf die Pappe habe ich dann aus dem Komposthaufen ca. 5 cm altes Laub und Kompost drauf gestreut, dann Erde eingefüllt, ca. 35 cm Höhe. Ich hatte mir ein Kompost/Erde-Gemisch vor ein paar Tagen vom örtlichen Versorger liefern lassen. Gibts da im 1-Kubikmeter-Big-Pack. Einen weiteren halben Kubikmeter hatte ich selbst Ende letzten Jahres schon mal angesetzt (gesiebt, gewässert, Regenwürmer eingesetzt). Da war jetzt nach einem halben Jahr Reifung ein richtig fetter, durchwurmter Boden. Knapp zwei Stunden später: Fertig.
Das einzige, was ich für dieses Beet neu gekauft habe, waren 2x 2 Meter 8 mm dicken Baustahl. Den habe ich mit der Flex halbiert und dann zum Stützen der hölzernen Außenwände in die Erde gerammt. Nach der Plackerei weiß ich jetzt, wie sich Davie Selke gerade fühlt. Ich werde heute schlafen wie ein Stein.
Natürlich habe ich - wie schon im letzten Jahr bei den anderen Hochbeeten - beim Erde schaufeln in der Schubkarre reichlich Plastikmüll gefunden. Der Dreck wird vom Versorger so ins Haus geliefert. Der stellt ihn aus Küchenabfällen und Gartenresten der Bevölkerung her, also der Inhalt der Biotonne quasi. Wenn man das, sieht fällt einem wieder mal ein, das es offenbar nicht wenige Leute gibt, die einen IQ wie drei Reihen Salat haben.
Kosten für alles für den Kubikmeter Boden und die beiden Stahlstangen: ca. 70 Euro. Den Rest gabs für umme. Ich liebe Werner Kulehr vernakulär.
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
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"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."