^ Dachte ne Weile lang tatsächlich, dass das Lied von denen wär, passt einfach zu gut...
Polit. Ska, wie gesagt:
Polit. Ska, wie gesagt:
Nice Weather hat geschrieben:Interesting
niwoh hat geschrieben:Andy "Fletch" Fletcher
Man muss sich das Leben an der Seitenlinie bitte für einen Moment als das vorstellen, was es ist: enorm erfüllend. Der eigentliche Premium-Platz in einer Band. Doch, doch. Die anderen Jobs haben die viel hässlicheren Tücken. Der Frontmann/die Frontfrau: immer dieses Überlebensgroße. Immer diese Wahnsinns-Show, ganz egal, ob man sich gerade nach Wahnsinns-Show fühlt oder nach Verstecken. Ganz egal auch, ob man versteht, dass die Wahnsinns-Show nach dem Konzert enden sollte. Dass man sie, wenn man leben möchte, im Hotel vor der Zimmertür besser abgibt. Der Songwriter/die Songwriterin: auch riesiger Druck. Ewiggroßer, zerfieselnder Kampf mit der Kreativität, diesem launischen Wesen. Auch erfüllend, wenn man ihn gewinnt. Aber man gewinnt ihn ja nicht oft.
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Schon klar: Arbeitsteilung ist in dieser heldengeschichtenverseuchten Welt namens Musik-Business ein unterschätztes Konzept. Aber man darf zwischen den Hymnen auf die Frontwesen und Kreativitätsbezwinger eben auf keinen Fall den Kitt vergessen. Den Stoff, der den Laden zusammenhält. "Fletch", so schrieb die Band das ins Social Web, als sie den Tod des Freundes, des Kollegen, des Künstlers verkündete, "hatte ein wahres Herz aus Gold und war immer da, wenn man Unterstützung, ein lebhaftes Gespräch, ein gutes Lachen oder ein kühles Bier brauchte."
Ein seltsam kleinmachender Satz auf den ersten Blick. Klingt, aus künstlerischer Sicht, ein wenig nach Wasserträger. Nicht nach einem Mann, der als Gründungsmitglied und Keyboarder der wohl auf ewig größten Keyboard-Band dieser Welt den glaskalten und trotzdem ja zum Reinflauschen warmen Sound mitgeprägt hat, den sie im Kielwasser der Achtzigerjahre alle imitiert haben. Die meisten schlechter.
Man unterschätze aber, bitte, nicht die Kraft eines kühlen Bieres im richtigen Moment.
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Auftritt Andrew Fletcher. Geboren 1961 im britischen Nottingham. 15 Jahre alt, als der Punk die Insel erzittern ließ - "obviously the perfect age to experience it ... we were very lucky in life", wie er das selbst sagte. Siouxsie and the Banshees waren ein Einfluss für ihn. The Cure, Kraftwerk, die frühen Human League. Daraus baute er sich seinen Sound zusammen, dieses trockeneis-geile Computerstrahlen, das so ewiggut passte zu Gores stadiongroßen Melodien und Gahans tränenlikör-sämigem Gesang. "Personal Jesus", "Enjoy The Silence", "People Are People", "It's No Good" - die Größten. "Fly On The Windscreen", "Useless", "Soothe My Soul" - die, vor allem was die Instrumentals betrifft, womöglich Unterschätztesten. Zuerst war Fletcher Bassist in der Band No Romance in China, gegründet mit Vince Clarke, der später unter anderem Erasure gründen sollte. Als Martin Gore dazukam, nannte man sich kurzzeitig Composition of Sound. Ab 1980, mit Gahan, dann Depeche Mode.
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Als der Krieg zwischen Sänger und Komponist heißer wurde, als Gahan also mehr und mehr beim Songwriting mitmischen wollte und sich mit Gore über die Anteile zerfleischte, soll es Fletcher gewesen sein, dem der Ausgleich gelang.
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Andrew Fletcher, vielleicht größter Seitenlinien-Held in der Geschichte des Pop.
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