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Auswurf
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Grasdaggl
ich glaub, manche heben die frage von krieg und frieden auf ne absolut abstrakte ebene
- können nicht zulassen, die sachlage von allen seiten zu beleuchten.
Zu erschütternd, wenn eine grundlage ihrer geisteshaltung an grenzen stößt.

Udo Eling - ard frühstücksfersehnsatiriker über pazifismus.
(wenn einfach keiner schießt, gibt's keinen krieg - blöd eben, wenn doch Einer schiesst)

ja mann.. natürlich bin ich auch für zb ein derbe verschärftes waffenrecht in den usa,
weil ich glaube, dass jede waffe die gesamtlage gefährlicher macht.

Nur gibt's da keine parallellen zum krieg in der ukraine
Zuletzt geändert von Auswurf am 1. Mai 2022 22:00, insgesamt 1-mal geändert.
das ist doch keine Musik

Tifferette
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Grasdaggl
Strafrechtler sollten jetzt gerade eher betreten auf die eigenen Füße schauen.








Wie sagt man denn jetzt?
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)


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Halbdaggl
Wenn er will, dann kann er ja.
Schade, dass er so oft nicht will.

"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."



Auswurf
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Grasdaggl
man kann eh nicht verstehen, was da oberhalb des eigenen horizontes leuchtet... :P

nee, ich ringe nach worten... matschiges hirn, weil ich viel denken musste heut :shock:
das ist doch keine Musik

Angry Wasenhuhn
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Granadaseggl
Mehrere Kurzgedanken:

1.) Schwarzer und Russland
https://www.aliceschwarzer.de/artikel/w ... ehe-316675

Gut, ist jetzt ein bisschen älter, spricht nichtsdestoweniger für ihre naja… Prinzipientreue.


2.) Auf Twitter arbeitet man sich an diesem Absatz ab:
Wir warnen vor einem … Irrtum: …, dass die Verantwortung für die Gefahr einer Eskalation zum atomaren Konflikt allein den ursprünglichen Aggressor angehe und nicht auch diejenigen, die ihm sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern.

Twittertenor: „Das ist das Minirockargument gegenüber Vergewaltigungsopfern.“
Klingt im ersten Moment griffig und schlüssig, aber hier begeht man ebenso Denkfehler, wie dieser offene Brief.

Lesenswert fand ich dazu:
https://www.zeit.de/kultur/2022-04/juer ... en-dilemma


3.) Ich bekomme schon den Eindruck, dass jegliche Fragestellung in diesem Krieg (Waffen ja/nein, wenn ja, welche und über welchen Weg, etc.) ohne Debatte auskommen soll. Es braucht ja, angesichts der dringlichen Lage, nicht zig Debattierclubs oder den „ständigen Stuhlkreis“.

Mir wäre es aber lieber, wenn dieser Brief nicht argumentativ die Abkürzung nehmen würde und selber nicht vorschnell zum Kaminanzünder wird.
Will sagen: Unsere Gesellschaft würde eine ordentliche Diskussion darüber vertragen und auch aushalten. Und das bedeutet, dass sich unterschiedliche Weltbilder mal austauschen, so abstrakt und konkret, wie es eben beliebt.


4.) Das hier braucht auch eine halbe Sekunde Wirkzeit, tut aber ganz gut.



Und dem schließe ich mich an.

5.) Ich denke, so viel Bewertung steht uns als VfB-Fans insbesondere zu: Offene Briefe sind eigentlich eine gute Idee, aber warum liest man die vor der Veröffentlichung nicht einfach nochmal durch?
Entspannt Euch doch mal... - AM ARSCH GELECKT!

Tifferette
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Grasdaggl
Um es einzuordnen - die Unterzeichner können das gerne machen (gemacht haben). Aber ich frage mich, was die da teilweise geritten hat. Jetzt mal rein aus der juristischen Brille - mir ist rätselhaft, wie man so etwas verzapfen kann. Im übrigen führen wir gerade eine Diskussion über genau dieses Thema. Woher kommt das mit dem "muss man aushalten"? Die schreiben so einen Brief, und ich zB halte das für gequirlte Kacke. Ähnlicjes hört man aus sehr vielen Ecken. Die haben das angestoßen, und jetzt schallt es zurück, teils mit sehr guter Argumentation. Mir fehlt da auch ein wenig die Fantasie, wo da die weitere offene Debatte sein soll oder sollte. Meine ich jetzt nicht böse, mir fällt dazu wirklich nichts Konstruktives mehr ein.

Das Vergewaltigungsargument halte ich für recht schlüssig, allerdings passt da aus meiner Sicht das andere Zitat (das mit dem "unerträglichen Missverhältnis") viel besser. Wo ist da der Denkfehler?

Punkt 5.), das ist vielleicht genau das. Wir werden sehen, vielleicht kommen da in den nächsten Tagen noch ein paar, nunja, Klarstellungen.

Edit: Und nach der Lektüre des ZEIT-Beitrags: ja, das mit Habermas und Baerbock hatte was von "Okay Boomer".
Zuletzt geändert von Tifferette am 1. Mai 2022 22:36, insgesamt 3-mal geändert.
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Auswurf
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Grasdaggl
ich werd die jetzt auch nicht alle hassen

der offene coronabrief damals,
war noch dämlicher.

aber garantiert, werden noch einzelne unterzeichner persönlich ihre haltung erläutern,
oder relativieren
tiffi schneller
das ist doch keine Musik

Angry Wasenhuhn
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Granadaseggl
Tifferette hat geschrieben:Um es einzuordnen - die Unterzeichner können das gerne machen (gemacht haben). Aber ich frage mich, was die da teilweise geritten hat. Jetzt mal rein aus der juristischen Brille - mir ist rätselhaft, wie man so etwas verzapfen kann. Im übrigen führen wir gerade eine Diskussion über genau dieses Thema. Woher kommt das mit dem "muss man aushalten"? Die schreiben so einen Brief, und ich zB halte das für gequirlte Kacke. Mir fehlt da auch ein wenig die Fantasie, wo da die offene Debatte sein soll oder sollte. Meine ich jetzt nicht böse, mir fällt dazu wirklich nichts Konstruktives ein.

Das Vergewaltigungsargument halte ich für recht schlüssig, allerdings passt da aus meiner Sicht das andere Zitat (das mit dem "unerträglichen Missverhältnis") viel besser. Wo ist da der Denkfehler?

Punkt 5.), das ist vielleicht genau das. Wir werden sehen, vielleicht kommen da in den nächsten Tagen noch ein paar, nunja, Klarstellungen.


Hab’s versucht, bekomme es aber nur schlecht aufs Papier. Ist wohl zu spät heut, melde mich morgen.
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de mappes
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Spamferkel
Tifferette hat geschrieben:Da sind noch so ein zwei Namen drauf, bei denen ich mir irgendwie nicht vorstellen kann, dass sie sich das so wirklich durchgelesen habe. Elisa Hoven und Reinhard Merkel sind sehr arrivierte Strafrechtsprofessoren. Ich kann mir schwerlich vorstellen, wie die so dermaßen abgebogen sind.

Ein Name fehlt interessanterweise: Thomas Fischer. Der hat ja vor drei, vier Wochen ähnliches zusammengefaselt, und dann kamen die Meldungen über die Massaker. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der NICHT gefragt wurde.


sehr schade finde ich es um Reinhard Mey, aber da ist dann wohl der pazifistische Grundgedanke zu stark

Was ich nicht ganz verstehe: die ewig gestrige Alize Schwarzer ist doch auch auf deren Seite; attackierte kürzlich doch auch schärfstens den Hofreiter...wollten die anderen Unterzeichner nicht, dass dieser Name auf der Liste mit den Ihren steht :lol:

Edith: hab ihren namen nur überlesen...Journalistin :mrgreen:
Don't criticize what you can't understand

de mappes
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Spamferkel
Angry Wasenhuhn hat geschrieben:Mehrere Kurzgedanken:

1.) Schwarzer und Russland
https://www.aliceschwarzer.de/artikel/w ... ehe-316675

Gut, ist jetzt ein bisschen älter, spricht nichtsdestoweniger für ihre naja… Prinzipientreue.


2.) Auf Twitter arbeitet man sich an diesem Absatz ab:
Wir warnen vor einem … Irrtum: …, dass die Verantwortung für die Gefahr einer Eskalation zum atomaren Konflikt allein den ursprünglichen Aggressor angehe und nicht auch diejenigen, die ihm sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern.

Twittertenor: „Das ist das Minirockargument gegenüber Vergewaltigungsopfern.“
Klingt im ersten Moment griffig und schlüssig, aber hier begeht man ebenso Denkfehler, wie dieser offene Brief.

Lesenswert fand ich dazu:
https://www.zeit.de/kultur/2022-04/juer ... en-dilemma


3.) Ich bekomme schon den Eindruck, dass jegliche Fragestellung in diesem Krieg (Waffen ja/nein, wenn ja, welche und über welchen Weg, etc.) ohne Debatte auskommen soll. Es braucht ja, angesichts der dringlichen Lage, nicht zig Debattierclubs oder den „ständigen Stuhlkreis“.

Mir wäre es aber lieber, wenn dieser Brief nicht argumentativ die Abkürzung nehmen würde und selber nicht vorschnell zum Kaminanzünder wird.
Will sagen: Unsere Gesellschaft würde eine ordentliche Diskussion darüber vertragen und auch aushalten. Und das bedeutet, dass sich unterschiedliche Weltbilder mal austauschen, so abstrakt und konkret, wie es eben beliebt.


4.) Das hier braucht auch eine halbe Sekunde Wirkzeit, tut aber ganz gut.



Und dem schließe ich mich an.

5.) Ich denke, so viel Bewertung steht uns als VfB-Fans insbesondere zu: Offene Briefe sind eigentlich eine gute Idee, aber warum liest man die vor der Veröffentlichung nicht einfach nochmal durch?


Starkes Statement von Boning! :nod: :nod: :nod:
Mir kommt es mittlerweile auch, und seit Corona verstärkt so vor, als sind nur noch gewisse Mainstream-Meinungen öffentlich geduldet; wer ne andere Meinung hat wir weggecancelt...aber wer entscheidet denn, was salonfähig ist?
Klar gibt es viele, die einfach nur "dagegen" sein wollen und polarisieren...aber so Dinge einfach etwas anders sehen...jüngstes Beispiel die Kritik an der Regierung und Scholz, wozu Tiffi ja alles sagte...gefällt mir nicht so...wo kommt das denn her? Twitter-Bubbles? Soziale Medien? wer gibt denn da den Ton vor? Generieren sich diese Mehrheiten von ganz alleine? Sind es Mehrheiten oder sind es die Lautesten? Fragen über Fragen...
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Halbdaggl
Sehr starke Erwiderung auf den "offenen Brief", die prägnant aufzählt, warum an diesem Pamphlet so ziemlich alles falsch ist.

https://www.n-tv.de/politik/politik_kom ... 01704.html
Antwort auf "offenen Brief"
Diese "Intellektuellen" müssen den Verstand verloren haben

Eine Entgegnung von Denis Trubetskoy, Kiew

Der offene Brief von Künstlern und Intellektuellen um "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer ist eine Aufforderung zur Kapitulation an die Ukraine. Und zugleich ein Dokument der Ahnungslosigkeit und Arroganz.

In den letzten Tagen und Wochen konnte man mehrfach die Forderung hören, dass es beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu einem Kompromiss kommen soll, den "beide Seiten akzeptieren können". So stand es zuletzt in einem von der Zeitschrift "Emma" veröffentlichten offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz, den viele deutsche Intellektuelle und Künstler unterschrieben haben. Auch sonst heißt es häufig, der Krieg müsse am Verhandlungstisch entschieden werden. Während das auf den ersten Blick vernünftig klingen mag, habe ich noch kein einziges Mal nach solchen Sätzen etwas Vernünftiges und Realistisches gehört. Vielmehr offenbaren diese Standardsätze die völlige Unkenntnis ihrer Verfasser über die Lage in der Ukraine, generell in Osteuropa sowie über das politische System Russlands.

Seit 66 Tagen muss die Ukraine, die ausdrücklich nie eine Bedrohung für Russland darstellte, nicht nur um ihre Freiheit, sondern um ihre Staatlichkeit kämpfen. Nicht, weil sie diesen Krieg in irgendeiner Form will, sondern weil es aufgrund der vollkommen grund- und anlasslosen russischen Aggression anders nicht geht. Auch wenn seit dem Treffen in Istanbul Ende März keine weitere persönliche Verhandlungsrunde der ukrainischen und russischen Delegationen mehr stattfand, gehen die Verhandlungen im Format von Videokonferenzen ununterbrochen weiter. Geredet wird genug, das war auch vor dem Ausbruch des großen Krieges der Fall. Nur will Russland keine ernsthaften Verhandlungen, sondern eine faktische Kapitulation der Ukraine. Das ist aufgrund der aktuellen militärischen Lage genauso realitätsfern wie das russische Kriegsziel einer "Entnazifizierung" der Ukraine.

In den besetzten Gebieten im Südosten der Ukraine wird diese "Entnazifizierung" durchaus ernst genommen. Es gibt "Filtrationsmaßnahmen" und Zwangsumsiedlungen, Journalisten und Politiker werden entführt, auf Demonstranten wird geschossen. Dies ist allerdings keine "Entnazifizierung", sondern eine Entukrainisierung, gemäß der Putin-Rede vom 21. Februar, in der er der Ukraine das Existenzrecht klar und deutlich absprach.

Dies sind die Umstände, unter denen die Ukrainer entscheiden müssen, ob sie weiterkämpfen und sich verteidigen wollen. In der Ukraine stellt sich diese Frage so jedoch gar nicht. Natürlich wollen die Menschen keinen Krieg. Sie wissen aber, dass ihre Existenz auf dem Spiel steht.

Mit Blick auf "das Maß an Zerstörung und menschlichem Leid unter der ukrainischen Zivilbevölkerung" heißt es in dem "Emma"-Brief: "Selbst der berechtigte Widerstand gegen einen Aggressor steht dazu irgendwann in einem unerträglichen Missverhältnis." Wer bei dieser Ausgangslage solche Sätze raushaut und die ukrainische Regierung indirekt, aber deutlich für das Leid der eigenen Bevölkerung moralisch mitverantwortlich macht, muss nach den Tragödien von Butscha, Borodjanska oder Mariupol den Verstand verloren haben.

Entschuldigung, dass die Ukraine existiert
Dazu kommt eine atemberaubende Herablassung: Die Annahme, "dass die Entscheidung über die moralische Verantwortbarkeit der weiteren 'Kosten' an Menschenleben unter der ukrainischen Zivilbevölkerung ausschließlich in die Zuständigkeit ihrer Regierung falle", halten "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer und ihre Mitunterzeichner für einen "Irrtum", denn: "Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur." Soll heißen: Die Entscheidung der Ukraine, für ihr Existenzrecht zu kämpfen, darf von Deutschland korrigiert werden. Es scheint, nicht nur Putin, sondern auch deutsche Intellektuelle halten mein Land für eine Art Kolonie.

Ich wünschte mir, solche Aussagen wären zumindest ehrlich und hätten tatsächlich mit der Angst vor einem neuen Weltkrieg oder einem Atomkrieg zu tun. In Wirklichkeit sind sie aber Ausdruck einer unglaublichen Ignoranz, aber auch der Bereitschaft, Folter, Massenmorde und Vergewaltigungen an Ukrainern in Kauf zu nehmen. Der ganze Brief klingt so, als solle die Ukraine mit ihrem Existenzkampf endlich nicht mehr nerven. Beinahe will ich mich als Ukrainer bei den deutschen Briefeschreibern dafür entschuldigen, dass die Ukraine überhaupt existiert und ihr ruhiges Leben stört.

Dass die "Emma"-Unterzeichner bis heute nicht verstanden haben, dass Wladimir Putin keine Motive für sein verbrecherisches Handeln braucht, ist so realitätsfern, dass man an dem Begriff "Intellektuelle" zu zweifeln beginnt. Nur der Mann, der einen mit Lügen begründeten Vernichtungskrieg gegen sein Nachbarland führt, kann für Zerstörung und menschliches Leid in der Ukraine verantwortlich gemacht werden. Mit Putin wurde jahrzehntelang geredet, unmittelbar vor dem Krieg mehr als je zuvor. Er will keinen "Kompromiss", schon gar keinen, mit dem "beide Seiten" leben können.

Putin wird immer ein Motiv erfinden
Der Ukraine bleibt daher nichts anderes übrig, als Erfolge auf dem Schlachtfeld zu suchen. Denn wie sollte heute aufgrund der russischen Forderungen ein Kompromiss aussehen? Dass die Ukraine die Krim und die sogenannten Volksrepubliken im Donbass nicht anerkennen kann, sollte klar sein, kein Land der Welt würde anders handeln. Oder soll Kiew in der Vorstellungswelt der Briefeschreiber die Abtrennung dieser Gebiete hinnehmen, während Russland seine Angriffe fortsetzt und in Cherson gar ein "Referendum" über die Loslösung von der Ukraine plant? Auf welchem Planeten wäre das realistisch? Antworten auf solche Fragen sollte man von den "Intellektuellen" nicht erwarten, denn über Standardfloskeln hinaus haben die Unterzeichner offenkundig nicht gedacht.

Völkerrechtlich ist klar, dass Deutschland durch Waffenlieferungen nicht zur Kriegspartei wird. Aus russischer Sicht war Berlin das schon vor dem Krieg und Russland sieht sich in der Ukraine sowieso in einem Stellvertreterkrieg mit der NATO. Ohnehin wird Deutschland vom Kreml bestenfalls als eine Art rechte Hand der USA gesehen. Was auch immer Deutschland tut, Putin wird für sein Handeln immer ein passendes Motiv erfinden. Ängste vor einem Atomkrieg zu verbreiten, um Zweifel in der deutschen Gesellschaft zu säen und deren Entschlossenheit zu gefährden, dürfte ganz in seinem Sinne sein. Die Deutschen sollten sich dadurch nicht beirren lassen und sich lieber ernsthaft damit auseinandersetzen, was tatsächlich in der Ukraine passiert, statt den Krieg als unangenehmes Problem am Rande abzutun. Zumindest ein paar deutsche Intellektuelle scheinen hier starken Nachholbedarf zu haben.
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Iron
Grasdaggl
Mit Putin wurde jahrzehntelang geredet, unmittelbar vor dem Krieg mehr als je zuvor. Er will keinen "Kompromiss", schon gar keinen, mit dem "beide Seiten" leben können.


Eben. Daran werden auch Waffenlieferungen nichts ändern.

dass Wladimir Putin keine Motive für sein verbrecherisches Handeln braucht
:nod:

Ängste vor einem Atomkrieg zu verbreiten, um Zweifel in der deutschen Gesellschaft zu säen und deren Entschlossenheit zu gefährden, dürfte ganz in seinem Sinne sein


Naja passt nicht ganz, sondern dürfte dann eine reale Gefahr sein, wenn Putin keine Motive braucht und erst recht, wenn er sogar eins hat.

Angry Wasenhuhn
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Granadaseggl
Tifferette hat geschrieben:Das Vergewaltigungsargument halte ich für recht schlüssig, allerdings passt da aus meiner Sicht das andere Zitat (das mit dem "unerträglichen Missverhältnis") viel besser. Wo ist da der Denkfehler?


Meines Erachtens ist das nur vordergründig ein guter Vergleich, solange es um das Thema "Schuldumkehr" geht. Dafür braucht es aber keinen erklärenden oder vereinfachenden Vergleich, der Begriff ist doch bereits ausreichend selbsterklärend. Dennoch will man den Vergleich machen. Warum?

Durch diese Vereinfachung (Waffenlieferung=Minirock, Gegenschlag= Vergewaltigung) wird aber ein Bild gezeichnet, dass Putin/Russland mit einem Triebtäter und eine mögliche Gegenreaktion auf unsere Maßnahmen mit einer Affekthandlung gleichsetzt. Ich hoffe sehr, dass es anders ist und dass auf russischer Seite kalkulierende Strategen am Werk sind. Nichts will ich hier entschuldigen (Nur zur Sicherheit mal festgehalten), sondern: Unterstellen wir Russland vernunftbasierte Entscheidungen, dann kann man hier auch was erreichen. Das ist dann Sache der Taktiker und Spieltheoretiker.
Bei einer Vergewaltigung gibt es diesen Spielraum nicht. Ich finde da zwar nicht offenkundig, aber das Mindset ist ein anderes, und daher ist der Vergleich nicht gut. Er macht nichts besser, was der Begriff "Schuldumkehr" nicht bereits leistet. Dennoch wird er gemacht und trägt durch seine starke Vereinfachung nichts weiteres Konstuktives bei.

Weiterhin mal zur unterschiedlichen Motivlage der Szenarien: Der Minirock ist heutzutage keine Provokation mehr. Der Minirock hat keine Absicht und wer ihn anzieht, will keine Botschaft senden, schon garnicht: "Vergewaltige mich!". Soweit ist das ja die Argumentation.
Deutschlands Maßnahmen haben allerdings eine Absicht, sie sollen ja gerade eine Reaktion erzwingen. Um nichts anderes geht es doch. Sie senden aktiv eine Botschaft.

Jetzt schmeißt man beide Fälle in einen Topf, rührt um und hat am Ende insinuiert, dass die Briefverfasser logisch inkonsistent argumentieren würden, wenn es um eine Vergewatigung mit Minirock gehen würde. Dabei schiebt man den Briefverfassern aber eine Argumentation unter, die nirgends besprochen wird. Imho liegt hier aber die Stoßrichtung: Es ist einfach zu verlockend, der EMMA hier einen Wirkungstreffer zu verpassen, so mit Spiegel vorhalten. Und es ärgert mich, das es nicht auf einer anderen Ebene erfolgt.


Tifferette hat geschrieben:Mir fehlt da auch ein wenig die Fantasie, wo da die weitere offene Debatte sein soll oder sollte. Meine ich jetzt nicht böse, mir fällt dazu wirklich nichts Konstruktives mehr ein.


Aus dem Brief:
Zwei solche Grenzlinien sind nach unserer Überzeugung jetzt erreicht: Erstens das kategorische Verbot, ein manifestes Risiko der Eskalation dieses Krieges zu einem atomaren Konflikt in Kauf zu nehmen. Die Lieferung großer Mengen schwerer Waffen allerdings könnte Deutschland selbst zur Kriegspartei machen. Und ein russischer Gegenschlag könnte so dann den Beistandsfall nach dem NATO-Vertrag und damit die unmittelbare Gefahr eines Weltkriegs auslösen. Die zweite Grenzlinie ist das Maß an Zerstörung und menschlichem Leid unter der ukrainischen Zivilbevölkerung. Selbst der berechtigte Widerstand gegen einen Aggressor steht dazu irgendwann in einem unerträglichen Missverhältnis.


Eine Abwägung in der Wahl der Mittel. Kosten/Nutzen-Analyse. Verhältnismäßigkeiten. Das ist so ein weiter Themenkreis... (den Du vor einigen Seiten doch noch selbst angeschnitten hast.)

Ich kann da wenig substanzielles beitragen. Ich kann nicht beurteilen, wie realistisch beispielsweise ein atomarer Schlag gegen Westeuropa oder die Ukraine ist. Ich hab da mehr Fragen als Antworten. Ich tue mich auch schwer, mit den sehr eindeutigen Empfehlungen. Ebenso mit der Kernfrage, wo die Linien des Vertretbaren verlaufen. Da kann man ja ewig und drei Tage streiten.


Das deutsche Sonderthema und der Elefant im Raum: "historische Verantwortung". Ich stelle fest, dass wir an beiden Enden des Meinungsspektrums dieses Element ins Spiel gebracht wird. Deutschland soll sich angesichts seiner historischen Verantwortung sowohl nie mehr an einem Angriffskrieg beteiligen, als auch mit allerKonsequenz gegen Völkerrechtsbrüche vorgehen.

Da haben wir doch eine Debatte. Die trägt sogar einen Minirock, der sagt: "Nimm mich!" ;)

Damit wir uns verstehen: Ich halte den Brief für einen schlechten Diskussionsbeitrag, der unsortiert, verkürzt und emotional argumentiert. Dazu ist das Medium eine seltsame Wahl.
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Tifferette
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Grasdaggl
Ah, okay. Auf den Blödsinn mit dem Minirock wäre ich ehrlich gesagt gar nicht bekommen. Wahrscheinlich, weil ich das "sie will ja"-Argument schon immer so fernliegend fand. Treffender wäre es in der Tat, pauschaler von Täter (ich hatte zuerst Töter geschrieben) und Opfer von Gewalt zu sprechen.

Ich habe heute in der U-Bahn nochmals drüber nachgedacht. Natürlich gibt es jetzt eine ziemlichen Shitstorm (das haben die sich meiner Meinung nach auch hart erarbeitet). Und natürlich schlagen dabei viele Leute über die Stränge. Aber das sollte nicht den Blick darauf verstellen, dass es eine sehr ernsthafte Diskussion darüber gibt, was die gesagt bzw. geschrieben haben. Nur ist es in diesem speziellen Fall ganz schön schwer, da ernsthaft zu diskutieren.

Was mich damals (also vor ner guten Woche) genervt hatte, geht in der Tat in die Richtung. Nämlich, wenn alle anderen Optionen und Beweggründe von vornherein als dumm, sinister, feige oder alles gleichzeitig lackiert werden/wurden. Ich bin zB absolut pro Waffenlieferung, kann aber (und das ist der Punkt!) anerkennen, dass es gute Argumente dafür gibt, dass zu dem Zeitpunkt noch nichts geliefert wurde. Vielleicht ist das aber auch so ein Jurading, die Unterscheidung zwischen stichhaltig und zwingend, zwischen Argument und eigener Meinung. Mei.
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(Batman)




“Wenn die Lieferung in die Ukraine dennoch geboten erscheine, müsse dies nachvollziehbar begründet werden. Das gelte besonders für die Lieferung schwerer Waffen, die für Angriffe geeignet seien und genutzt würden. „Mir fehlt die Reflexion und Information“, sagte Ströbele.”

Mir auch. Mir fehlt die Definitionsgrundlage für “schwere Waffe, die für Angriffe geeignet ist”. Ein Extrembeispiel: wenn die Ukrainer einen Hubschrauber erhalten, mit dem sie kurz hinter der Grenze auf russischem Staatsgebiet ein Treibstofflager in die Luft jagen, dann halte ich die Lieferung des Hubschraubers mit Raketen unten dran für nachvollziehbar begründet, weil die russische Armee ohne Sprit weniger Verwüstung anrichten kann.

Wenn wir Devil’s Advocate spielen wollen und sagen “Moment mal, seinerzeit haben wir die Kroaten unterstützt, und die haben nachhin Rachefeldzüge gegen Serbien geführt, also Vorsicht”, dann haben wir vielleicht wenigstens mal einen Punkt, über den man diskutieren kann – aber ich komme trotzdem zum selben Schluss.


“Wenn diese Waffenlieferungen zunächst abgelehnt wurden, weil das Risiko der Eskalation zu einem Weltkrieg mit Einsatz von Atomwaffen befürchtet worden sei, müsse eine Wende begründet werden, warum das Risiko in Kauf genommen werde oder nicht mehr bestehe, und ob es dazu neue Erkenntnisse gebe und welche, kritisierte der Grünen-Politiker.”

Wenn, ja wenn. Die Lieferungen wurden ja mit allen möglichen Begründungen abgelehnt. Was die nukleare Bedrohung angeht, hat sich nichts geändert, wird sich auch nichts ändern:



Das Spiel mit der nuklearen Abschreckung folgt gewissen Regeln, die gleichzeitig sehr kindisch und ein absoluter Horror sind. Ich könnte und wollte das nie spielen, aber so läuft’s wohl. Kasparov ist einer von ganz wenigen Leuten auf der ganzen Welt, bei dem ich keine weiteren Fragen habe, wenn er mir sowas erklärt.

Dahingehend ist es zum Glück unwichtig, was Schölzchen zu dem Thema von sich gibt, denn der hat keine Atomwaffen. Was Biden, Makrong und der Kolonialromantiker in London zu dem Thema sagen, ist hingegen immens wichtig. Die dürfen nicht zucken.